Zum Hauptinhalt springen

Das stinkende Maschinenmonster kommt

Am Sechseläuten sorgt nicht nur der Böögg für grosse Knaller. Die Basler bringen einen ganz speziellen Ehrengast mit nach Zürich.

Werner Schüepp
Traktor mit aufgebauter Maschinenskulptur: Jean Tinguely baute «Klamauk» im Jahr 1979.

Ein seltsames Gefährt wird am kommenden Montag beim Zürcher Sechseläutenumzug für ein Zuschauerspektakel sorgen. Es rattert, scheppert, rollt und quietscht, stinkt und faucht – und passt damit hundertprozentig zur Böögg-Verbrennung an diesem Tag.

Die Rede ist von der «Klamauk», der einzig fahrbaren Arbeit im Werk des Schweizer Künstlers Jean Tinguely. Basel-Stadt, Gastkanton am diesjährigen Sechseläuten, bringt das Maschinenmonster als Highlight nach Zürich.

Klamauk: Die Maschinenskulptur von Jean Tinguely ist auf einem Bührer Traktor aufgebaut.
Klamauk: Die Maschinenskulptur von Jean Tinguely ist auf einem Bührer Traktor aufgebaut.
Museum Tinguely/Daniel Spehr
Seppi Imhof, langjähriger Assistent Jean Tinguelys, steuert die Klamauk durch die Churer Innenstadt anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Jahr 2009.
Seppi Imhof, langjähriger Assistent Jean Tinguelys, steuert die Klamauk durch die Churer Innenstadt anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Jahr 2009.
Keystone/Arno Balzarin
Zusammengesetzt aus Eisenteilen, Holzrädern, Fässern, Abfalleimer und diverse Schlaginstrumente: Seppi Imhof bei Servicearbeiten an der Klamauk.
Zusammengesetzt aus Eisenteilen, Holzrädern, Fässern, Abfalleimer und diverse Schlaginstrumente: Seppi Imhof bei Servicearbeiten an der Klamauk.
Keystone/Arno Balzarini
Spektakel pur: Überall wo die Klamauk auftaucht, sorgt sie bei den Zuschauern für grosses Aufsehen.
Spektakel pur: Überall wo die Klamauk auftaucht, sorgt sie bei den Zuschauern für grosses Aufsehen.
Keystone/Arno Balzarini
Eines seiner bekanntesten Denkmäler: Tinguely monumentale Heureka-Skulptur am Zürichhorn.
Eines seiner bekanntesten Denkmäler: Tinguely monumentale Heureka-Skulptur am Zürichhorn.
Tages Anzeiger
1 / 7

Es ist eine rare Gelegenheit, das Ungetüm auf vier Rädern in Action zu erleben, denn normalerweise steht die «Klamauk» brav und still im Tinguely-Museum in Basel.

Höllenlärm und schwarzer Rauch

Die 2,5 Tonnen schwere Maschinenskulptur besteht aus Eisenteilen, Holzrädern, Fässern, Abfalleimern, einem Gartenzwerg und diversen Schlaginstrumenten. Diese hat Tinguely auf einen Traktor der Marke Bührer aufgebaut. Ursprünglich hatte das Ding zwei Geschwister, einen mit dem Titel «Radau», das 1980 nur wenige Tage in Biel unterwegs war, und ein zweites betitelt mit «Krawall», das dann aber nicht gebaut wurde.

Tinguelys «Klamauk» funktioniert grundsätzlich nur fahrend. Der Künstler hat sich lange den Kopf darüber zerbrochen, wie er die Kraftübertragung auf die Skulptur sicherstellt. Sie erfolgt durch eine Transmission, die beim Traktor in Normaleinsatz für den Antrieb landwirtschaftlicher Geräte dient.

Fährt sie einmal los, macht die Maschinenskulptur einen Höllenlärm, von dem man nur live einen wirklichen Eindruck bekommt. Zu den vielfältigen Perkussionsklängen mischt sich zusätzlich das Knattern des alten Traktormotors. Als wäre das noch nicht genug, wird die Geräuschkulisse verstärkt, indem sie Feuerwerk in den Himmel abfeuert und aus Blecheimern, die an beiden Seiten hängen, Böllerschüsse die Luft erzittern lassen. Zudem wird im Verlauf des Umzugs schwarzer Rauch aus der «Klamauk» aufsteigen und sie ab und zu vollständig einnebeln.

Geräusche mit Alltagsgegenständen

Es wird spannend zu sehen, wie das Zürcher Publikum am Strassenrand auf die Töne der Maschine reagieren wird. Tinguely, das Schlitzohr, arbeitete ja mit Geräuschen, die unsere Alltagsgegenstände hergeben. Diese hat er jeweils akribisch zusammengesucht. In welcher Reihenfolge die Klänge jeweils ertönen, das hat er stets dem Zufall überlassen.

«Klamauk»-Auftritte haben Seltenheitswert. Zweimal war dies bis jetzt der Fall. Einmal 1981, als das Kunstwerk am Memorial Jo Siffert zum zehnten Todestag des Schweizer Autorennfahrers teilnahm, und zum zweiten Mal im Jahr 1991, als in Freiburg mit einem grossen Umzug die Beerdigung Tinguelys zelebriert wurde.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch