Das Tram 1 ist auf Jahre hinaus versenkt

Zweimal wollte der Zürcher Gemeinderat den Bau der Tramlinie erzwingen, zweimal ist er gescheitert.

Momentan haben andere Projekte Priorität: Tram in Zürich. Symbolbild: Gaëtan Bally (Keystone)

Momentan haben andere Projekte Priorität: Tram in Zürich. Symbolbild: Gaëtan Bally (Keystone)

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Nun hat auch das Stadtparlament aufgegeben: In nächster Zeit und auch auf längere Sicht hinaus wird kein Tram mit der Nummer 1 durch Zürich fahren. Die Linie hätte den Bahnhof Altstetten mit dem Hauptbahnhof verbinden sollen. Gestern hat das Parlament einen entsprechenden Antrag des Stadtrats gutgeheissen, auf die Planung zu verzichten. Selbst SP-Gemeinderat Hans Jörg Käppeli wehrte sich kaum mehr dagegen, dass seine Motion gestern abgeschrieben wurde.

Die Tramlinie hat die Politik über Jahre immer wieder beschäftigt. Käppeli hatte vor sechs Jahren gemeinsam mit Guido Trevisan von der GLP einen entsprechenden Vorstoss lanciert: Sie forderten vom Stadtrat eine Weisung, um einen Konzeptentscheid für das Tram herbeizuführen. Darin sollten die Linienführung und die Finanzierung aufgezeigt werden.

Für Käppeli und Trevisan war die Trolleybuslinie 31, die die beiden Bahnhöfe verbindet, schon vor sechs Jahren überlastet. Zudem wird die Limmattalbahn künftig genau bis zum Bahnhof Altstetten führen.

Stadtrat vertröstet auf später

Der Stadtrat war damals wie heute anderer Meinung. Schon im Frühling 2014 betrachtete er die Umstellung vom Trolleybus aufs Tram «als nicht unmittelbar gegeben». Der Gemeinderat war mit dieser Antwort nicht zufrieden, wies die Weisung an den Stadtrat zurück – und erteilte ihm so zum zweiten Mal den Auftrag, die Planung für die Tramlinie an die Hand zu nehmen.

Der Stadtrat listet nun die Planungskosten auf, er veranschlagt diese auf 6,3 Millionen Franken. Doch der Zürcher Verkehrsverbund will sich nicht an diesen Kosten beteiligen.

«Wenn die Zeit reif ist, kommen wir mit einer neuen Motion.»Hans Jörg Käppeli, SP-Gemeinderat

In seiner neuen Weisung schreibt der Stadtrat, dass der Korridor Hohlstrasse für die VBZ langfristig ein Nachfragepotenzial aufweise, das die Tramlinie zu einem späteren Zeitpunkt rechtfertige – also für den Zeitraum nach dem Jahr 2030. Doch momentan priorisiere man andere Projekte: Die Tramverbindung Hardbrücke, die Verlängerung der Linie 2 bis Schlieren Geissweid, die Tramverlängerung nach Affoltern, die Tram-Nordtangente sowie das Rosengartentram.

Erhard Guggenheim von der AL sprach beim Tram 1 von Zukunftsmusik, die heute weder realisierbar noch finanzierbar sei. Motionär Käppeli musste zugeben, dass die Idee im Gemeinderat nicht mehr mehrheitsfähig ist. Ganz aufgegeben hat er sie aber nicht: «Wenn die Zeit reif ist, kommen wir mit einer neuen Motion, damit das Tram 1 doch noch gebaut wird.»

Erstellt: 23.08.2017, 21:53 Uhr

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