Wer beim Dada-Fest für Lacher sorgte

Bundesrat Alain Berset und seine Mitredner verzückten das Landesmuseum – und Stadtpräsidentin Corine Mauch imitierte im Cabaret Voltaire einen Vorgänger.

Stadtpräsidentin Corine Mauch hielt ihre Rede durchs Papiermegafon. Foto: Urs Jaudas

Stadtpräsidentin Corine Mauch hielt ihre Rede durchs Papiermegafon. Foto: Urs Jaudas

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Der Zeitplan für Dada-Fans war gestern Abend eng. Wer die Rede von Bundesrat Alain Berset zur Eröffnung der Ausstellung «Dada Universal» im Landesmuseum nicht verpassen wollte, musste um 18 Uhr da sein. Und schliesslich waren es 650 Leute, die sich im Eingangsbereich des halb fertigen Neubaus einfanden.

Den Kulturminister schien die Baustelle nicht zu stören. Womöglich war er aber auch bloss hin und weg von Dada: «Dass aus einer so kleinen Bewegung so viel entstanden ist, finde ich unglaublich», sagte er Minuten vor seinem Auftritt, während er sich im Eiltempo von den beiden Kuratoren Juri Steiner und Stefan Zweifel durch die Ausstellung geleiten liess. Es sei im Leben und in der Politik wichtig, auch einmal über etwas lachen zu können. Genau deshalb war dieser Auftritt in Zürich für den Bundesrat nicht Pflicht, sondern nur Kür. Und wie gewitzt er diese auskostete! Seine Ansprache eröffnete er mit den Worten «Sehr geehrter Herr Bundesrat», hielt inne und lachte, als alle lachten.

Das verbale Feuerwerk gezündet hatte jedoch sein Vorredner Juri Steiner, Co-Kurator der Ausstellung; mit einer rasanten und packenden Filibusterrede, bei der er vorgab, zu schwitzen wie Hugo Ball in seinem Zylinderkostüm. Stefan Zweifel, der andere Co-Kurator, setzte als letzter Redner noch einen drauf. Ohne Vorlage und ohne einmal Luft zu holen imitierte auch er Hugo Ball, spielte geistreich und witzig mit der Sprache und gab am Ende eine Abstimmungsempfehlung ab. «Legen Sie doch einmal ein ‹ei› in die Urne, ein ‹ei›, ein ‹ei›», rief er – und es wurde heftig geklatscht.

Mauchs Blick in die Geschichte

Auch im Cabaret Voltaire, wo sich gestern vor 100 Jahren der Dada-Urknall zugetragen hatte, versammelten sich um 20.30 Uhr Hunderte Anhänger der Bewegung; es war eng, es war heiss, vor allem aber war es ordentlich schräg. Trägerverein-Präsident Jürgen Häusler zitierte Über-Dadaist Einstein («Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es keine Hoffnung für sie») und nannte das Cabaret Voltaire keck «den Eiffelturm von Zürich». Adrian Notz, Direktor des Hauses, erklärte in seinem Beitrag die «Mission Dada» für «completed» – obwohl noch immer niemand so genau wisse, was das Ganze solle. Zum Schluss trat Stadtpräsidentin Corine Mauch aufs dadaistische Parkett – und redete durch ein Papiermegafon; es war eine charmante Imitation von «Stapi» Landolt, der 1966, zum 50. Dada-Jubiläum, ebenfalls durch einen solchen (allerdings echten) Lautsprecher palaverte. Mauch machte aber nicht nur Plausch, sie machte auch die wohl bedeutungsvollste Aussage des Abends, als sie, in die Geschichte blickend, daran gemahnte, dass Zürich durch seine Immigranten und Zuwanderer stets bereichert wurde. Der Applaus war anhaltend, der Funken gesprungen – und die Dada-Festspiele eröffnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2016, 00:01 Uhr

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