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Das Volk entscheidet zum dritten Mal über ein Fussballstadion

Private Investoren treiben das Stadionprojekt auf dem Hardturm-Areal voran. Für die Umsetzung ist eine Abstimmung nötig – allerdings frühestens im Herbst 2018.

Gute, alte Zeiten für Fussballfans: 2005 verfügte die Stadt Zürich noch über zwei Fussballstadien – den Hardturm (hinten links) und den Letzigrund (vorne rechts). Beide Stadien wurden inzwischen abgerissen.
Gute, alte Zeiten für Fussballfans: 2005 verfügte die Stadt Zürich noch über zwei Fussballstadien – den Hardturm (hinten links) und den Letzigrund (vorne rechts). Beide Stadien wurden inzwischen abgerissen.
/Alessandro Della Bella, Keystone
Zu diesem Projekt gab es die Rote Karte: Mit gerade mal 50,8 Prozent Nein-Stimmen lehnen die Zürcher Stimmberechtigten am 22. September 2013 das letzte Projekt für ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm ab.
Zu diesem Projekt gab es die Rote Karte: Mit gerade mal 50,8 Prozent Nein-Stimmen lehnen die Zürcher Stimmberechtigten am 22. September 2013 das letzte Projekt für ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm ab.
Visualisierung: Burkard Meyer Architekten
Das grosse Warten: Auf der Brache in Zürich-West sind noch immer die Überreste des ehemaligen Fussballstadions Hardturm zu sehen.
Das grosse Warten: Auf der Brache in Zürich-West sind noch immer die Überreste des ehemaligen Fussballstadions Hardturm zu sehen.
Keystone
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Das Wunder von Zürich könnte doch noch wahr werden: Die Stadt soll ein neues Fussballstadion erhalten, die Eröffnung ist auf die Saison 2021/22 hin geplant. Für den Bau ist aber eine neue Volksabstimmung nötig – es ist bereits die Dritte im Zusammenhang mit einem Stadion auf dem Hardturm.

Geht die Projektierung der privaten Investoren und der städtischen Politik ideal voran, befinden die Zürcher im November 2018 darüber. Ob eine solche Abstimmung nötig wird, war vor einem Jahr, als die Stadt mit den Investoren die Pläne für das Stadion, die beiden Hochhäuser und die Genossenschaftswohnungen vorstellte, noch unklar.

Stadt unterstützt private Investoren

Die Stadt bestätigt den Zeitplan. «Wir unterstützen die privaten Investoren bei der Erstellung des privaten Gestaltungsplans und erarbeiten zusammen mit ihnen die Baurechtsverträge», sagt Patrick Pons, Sprecher des Finanzdepartements von Stadtrat Daniel Leupi (Grüne). «Ziel ist, die Pläne in diesem Herbst der Öffentlichkeit vorstellen zu können.»

Danach sei es am Parlament, die Vorlagen zu bearbeiten. Der Herbst 2018 sei damit der frühestmögliche Termin für eine Volksabstimmung. Pons betont, dass der Lead bei den privaten Bauträgern liegt, die Stadt das Projekt aber unterstützend vorantreibt.

Fussballstadion mit Wohntürmen

Die Projekte werden weiter so geplant, wie sie vor knapp einem Jahr vorgestellt wurden, sagt Olivia Valier der HRS Real Estate AG. Dieses Unternehmen entwickelt und realisiert die Bauten im Auftrag der HRS Investment AG, der Immobilien-Anlagegefässe der CS und der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ). «Das Konzept unseres Projektes Ensemble wurde nicht verändert», sagt sie.

Dazu gehören neben dem Fussballstadion die beiden Wohn- und Geschäftstürme, die mit 137 Metern Höhe 11 Meter höher sind als der Prime Tower, sowie die 173 Genossenschaftswohnungen. Das Stadion soll dabei zuerst erstellt werden, Hochhäuser und Wohnungen etappiert im darauffolgenden Jahr. HRS hat den Investorenwettbewerb für das Projekt gewonnen und erstellt momentan ein anderes, riesiges Bauwerk in Zürich – das Polizei- und Justizzentrum (PJZ).

Platz für 18'500 Zuschauer

Die gesamte Überbauung auf dem Hardtrum wird rund eine halbe Milliarde Franken kosten, das Fussballstadion 18'500 Zuschauern Platz bieten. Bei internationalen Spielen, an denen Stehplätze verboten sind, fasst das Stadion noch 16'000 Personen.

Die beiden Fussballclubs Grasshoppers Zürich und der FC Zürich erhalten, was sie sich wünschen: Stehplätze, Fankurven hinter den Toren für jeweils 3500 Personen, VIP-Plätze für 1200 Personen, 10 Logen mit jeweils 10 Plätzen. Und eine Gastronomie, die die Clubs selber betreiben dürfen, was ihnen zusätzliche Einnahmen bietet. «Es ist absolut wichtig, dass wir das erhalten, ohne können wir nicht weiterleben», sagte GC-Präsident Stephan Anliker vor einem Jahr.

Die neue Überbauung im Modell: Die markanten Wohnhochhäuser flankieren das Stadion in Zürich-West
Die neue Überbauung im Modell: Die markanten Wohnhochhäuser flankieren das Stadion in Zürich-West
Patrice Siegrist
Ansicht von der Pfingstweidstrasse: «Ensemble» sieht Teilprojekte mit 173 Genossenschaftswohnungen in unterschiedlichen Grössen sowie einem Doppelkindergarten mit Betreuungsräumen vor.
Ansicht von der Pfingstweidstrasse: «Ensemble» sieht Teilprojekte mit 173 Genossenschaftswohnungen in unterschiedlichen Grössen sowie einem Doppelkindergarten mit Betreuungsräumen vor.
Patrice Siegrist
Ein Stadion und viel Wohnraum: Architekten der drei Wohnbauprojekte sind Pool Architekten, Caruso St John Architects und Boltshauser Architekten.
Ein Stadion und viel Wohnraum: Architekten der drei Wohnbauprojekte sind Pool Architekten, Caruso St John Architects und Boltshauser Architekten.
Patrice Siegrist
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Die Stadt muss weder für den Bau noch für den Betrieb des Stadions Geld investieren. Im Gegenteil: Finanzvorsteher Leupi sagte vor einem Jahr, er rechne mit einem Baurechtszins von 1,1 bis 1,4 Millionen Franken.

Furcht der Fans vor der Volksabstimmung

Bereits zwei Mal haben die Stadtzürcher über ein Fussballstadion auf dem Hardturm abgestimmt. 2003 hatten die Stimmberechtigten Ja gesagt zum Projekt «Pentagon», einem Stadion für 30'000 Zuschauer mit Einkaufszentrum. Es gab aber zahlreiche Einsprachen, die CS als Investorin gab das Vorhaben auf und verkaufte das Grundstück der Stadt für 50 Millionen Franken – mit der Auflage, dort eine Sportstätte zu errichten.

Vor vier Jahren lehnten die Stadtzürcher ein zweites Projekt ab: Die Stadt wollte das Stadion für 216 Millionen Franken selber bauen – das erschien 50,8 Prozent der Stimmberechtigten eine zu grosse Summe. Der Stadtrat schloss damals kategorisch aus, dass auf dem Hardturm je wieder Spitzenfussball gespielt wird. «Der Hardturm ist als Standort für die Stadt kein Thema mehr», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Auch Sportminister Gerold Lauber (CVP) und Hochbauvorstand André Odermatt (SP) erklärten resigniert, dass ein Fussballstadion auf dem Hardturm für immer gestorben sei.

Zu verstehen sind deshalb die Reaktionen von GC-Fans, als am Wochenende erste Gerüchte rund um eine allfällige Volksabstimmung um ein Hardturmstadion die Runde machten. «Eine Volksabstimmung ist eine sehr schlechte Nachricht», schrieb einer in einem Fanforum. Und ein anderer: «Es wird niemals es neues Stadion geben. Die Linken werden auch das wieder verhindern.»

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