Das wird besser im neuen Kinderspital

Bald beginnt der Bau des neuen Gebäudes in der Lengg. Es ist klarer gegliedert, wohnlicher und hat viel mehr Platz.

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Auf diesen Tag hatten die Verantwortlichen lange gewartet. Über zehn Jahre. Doch nun steht dem Bau des neuen Kinderspitals nichts mehr im Wege. Das Baugesuch ist eingereicht, die Bauprofile in der Lengg stehen und markieren auf den zwei noch leeren Wiesen neben Burghölzli und Schulthess-Klinik die beiden neuen Spitalgebäude: das lang gezogene, dreigeschossige Akutspital aus Holz und der sechsstöckige, weisse Rundturm für Forschung und Lehre. Im ersten Quartal des nächsten Jahres beginnen die Bauarbeiten, Ende 2022 sollen die Gebäude der Basler Architekten Herzog & de Meuron bezogen werden, wie die Verantwortlichen am Freitag vor den Medien sagten. Eigentlich wäre der Baubeginn schon dieses Jahr geplant gewesen, aber ein Rekurs gegen den Gestaltungsplan hat die Planung verzögert.

Das neue Akutspital bietet in erster Linie mehr Platz. Die Zahl der Patienten steigt kontinuierlich an, seit Jahren sind die Platzverhältnisse im Hottinger Wohnquartier eng. Mit immer neuen Gebäuden reagierte das Spital auf die steigenden Fallzahlen, der Komplex ist heute selbst für Angestellte ein Labyrinth.

"Das Wohlbefinden wird besser sein und das hat einen entscheidenden Einfluss auf den Genesungsprozess."Felix Sennhauser, ärztlicher Direktor Kinderspital

Die Auswirkungen spürten nicht nur das medizinische Personal, sondern auch die Patienten und ihr Umfeld. Die Zimmer sind zu voll und nicht mehr kindergerecht. Eltern, die neben ihren kranken Kindern übernachten, liegen auf unbequemen Feldbetten. Der ärztliche Direktor Felix Sennhauser sagt: «Das Wohlbefinden am neuen Standort wird für alle drei Beteiligten besser sein. Und das hat einen entscheidenden Einfluss auf den Genesungsprozess.»

Das wird besser im neuen Akutspital:

Die Orientierung: Im Neubau sind alle Bereiche, die es für eine universitäre Versorgung braucht, unter einem Dach vereint. Der Bau ist in die Länge gezogen und funktioniert wie eine kleine Rasterstadt. Eine Hauptgasse mit diversen Nischen führt auf jeder der drei Etagen durch das Gebäude. Daran angegliedert sind die verschiedenen Untersuchungs- und Behandlungsbereiche. Das Restaurant liegt im Eingangsbereich, die Therapieräume sind von da aus gut erreichbar. Die intelligente Architektur allein soll die Orientierung erleichtern.

Die Atmosphäre: Die Architekten haben die Raumgestaltung und Materialwahl stark auf das Wohlbefinden der Patienten ausgerichtet. Mehr als ein Dutzend kleinere und grössere begrünte Innenhöfe sollen die Privatsphäre erhöhen. Alle Zimmer und Büroräume befinden sich an der Aussenfassade und haben Tageslicht. Holz als dominierender Baustoff soll Wärme ausstrahlen.

Die Zimmer: Die 114 Zimmer mit 149 Betten befinden sich alle im zweiten Obergeschoss als Ring an der Aussenfassade angeordnet. Zusammen mit den 51 Betten auf der Neonatologie und in der Intensivpflege macht das 200 Betten (heute 171). Die einzelnen Zimmer gleichen kleinen Häusern – sie haben alle ein eigenes Schrägdach. Die raumhohen Fenster bieten Ausblick ins Grüne. Alle Zimmer sind so gross, dass die Eltern bei ihrem Kind übernachten können, das sogenannten Rooming-in wird gewährleistet.

Der Notfall: Die Notfallstation liegt im Erdgeschoss, der Zugang ist einfach. Die Räume sind direkt an diverse Behandlungsbereiche wie der Röntgenstation und dem Labor angegliedert. So soll der Behandlungsprozess der Patienten beschleunigt werden. Auch in diesem Bereich habe man Reserven eingeplant, um die Behandlungskapazität später erhöhen zu können.

Die Abläufe: Die neue Anordnung der Räume verbessert die Behandlungsabläufe. Das wiederum bringt einen massiven Zeitgewinn und steigert die Kapazitäten. Die Räume sind zudem flexibel nutzbar.

Das Kinderspital ist nicht nur der erste Herzog-de-Meuron-Bau in der Stadt Zürich, er sprengt auch zahlenmässig einige Dimensionen. Der Neubau ist vergleichbar mit dem neuen Polizei- und Justizzentrum auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs.

  • Der Bau dauert fünf Jahre. Einst rechneten die Planer mit vier Jahren, aber die Komplexität war dann doch höher als angenommen.
  • Total wird das Spital künftig 94’000 Quadratmeter Geschossfläche haben, 77’300 davon im Akutspital.
  • Der Bau ist auf 9200 stationäre Patienten und 42’000 Patienten auf der Notfallstation pro Jahr ausgelegt. Allein in den letzten sieben Jahre hat sich die Zahl der stationären Fälle um ein Viertel auf rund 8000 Patienten jährlich erhöht. Registrierte man 2010 auf der Notfallstation noch 25’400 Fälle, waren es im letzten Jahr 40’000.
  • Im Kinderspital werden künftig rund 2200 Personen arbeiten.
  • An der Baustelle werden 12 Kräne stehen.
  • Im Untergeschoss des Akutspitals werden 130 Erdsonden zum Heizen eingebaut.
  • Der Bau kostet rund 600 Millionen Franken: In den ersten beiden Baujahren zwischen 4 und 7 Millionen Franken pro Monat. Im 3. und 4. Jahr 13 bis 16 Millionen pro Monat.
  • 350 Millionen Franken steuert die Eleonorenstiftung als Trägerin des Spitals bei. 150 Millionen bezahlt der Kanton, 100 Millionen sind Spenden und Gönnerbeiträge.

Erstellt: 01.09.2017, 15:25 Uhr

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