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Das Wunder von St. Gallen

St. Gallen hat gerade, was dem Zürcher Fussball fehlt: das Extra-Ding, den Zauber.

Miklos Gimes

«Ich hasse St. Gallen.» Meine Söhne reden gerade darüber, wer dieses Jahr Fussballmeister wird, Bern, Basel oder St. Gallen? Und mit welcher Mannschaft sie leben könnten. «Wir haben mehr Fans als St. Gallen», sagt einer der Buben trotzig. «Du hast keine Ahnung», sagt der andere, «die haben über 10'000. Wenns gut läuft, noch mehr.» Bitter fügt er an: «Bei uns kommen immer weniger ins Stadion.»

Die Geschichte des FC St. Gallen kann man in jeder Tischrunde erzählen, selbst wenn kein Mensch sich für Fussball interessiert. Es ist die Geschichte eines Wunders. Der Club hat wenig Geld, viel weniger als Bern oder Basel. Einiges weniger auch als der FC Zürich. Es sind junge, meist namenlose Spieler. Aber im Fussball bedeutet Geld nicht alles. Nicht immer. Im Fussball zählen manchmal Intuition, Mut und Sachverstand. Und es geht manchmal um die Seele. Man muss im Hoch sein, um über eine längere Zeit gut spielen zu können. Sonst arbeitet man, rackert, kämpft, aber das Extra-Ding, der Zauber, der eine Mannschaft fast unverwundbar macht, der Schub, der sie über das Limit hinausträgt – das ist ein Geschenk, rätselhaft.

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