«Reiche Eltern für alle!»

Die ETH-Studenten wehren sich gegen die Erhöhung der Studiengebühren – friedlich und mit originellen Parolen.

Gesittete Demonstration: ETH-Studenten protestieren gegen eine 43-prozentige Erhöhung der Studiengebühren. (Video: Corsin Zander)

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Die Studierenden der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) sind nicht gerade bekannt für Demonstrationen. Wenn es in den vergangenen Jahren in Zürich studentische Proteste gab, dann stets an der Universität. Nun sind gestern 400 Studierende der ETH auf die Strasse gegangen. Sie protestierten gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren um 500 auf 1660 Franken im Jahr, die der ETH-Rat vergangenen September angeregt hatte.

Er ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan der Hochschule und wird vom Bundesrat gewählt. Begründet wurde die Massnahme mit steigenden Studierendenzahlen und angekündigten Sparmassnahmen. Im Schweizer Vergleich sind die Gebühren an der ETH mit 580 Franken pro Semester eher tief.

Ende Januar ist das Konsultationsverfahren abgelaufen. Die Studentenschaft und viele andere Stellen wie die Hochschulversammlung oder die einzelnen Departemente hatten die Möglichkeit, sich dazu zu äussern. Der ETH-Rat wird die Rückmeldungen in einer Sitzung nächste Woche besprechen. Es seien sowohl positive wie auch negative Reaktionen eingegangen, sagt ETH-Sprecher Gian-Andri Casutt. Zum Inhalt der Feedbacks dürfe er nichts Genaueres sagen.

«Nieder mit dem Geiz bei der Bildung in der Schweiz»

Um die Meinung des Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH) vor dem nächsten Treffen des ETH-Rats lautstark kundzutun, versammelten sich gestern die 400 Studenten auf der Polyterrasse. Viele waren mit Bussen vom ETH-Standort Hönggerberg ins Zentrum gefahren. Sie trugen hellblaue Halstücher und hellblaue Schilder mit Parolen gegen die Erhöhung der Studiengebühren – ausgedruckt wie die Bilder der Studenten, die auf der Polyterrasse zur Zahl 500 zusammengefügt worden waren. Ein Student beklagte sich darüber, dass die Aktion nicht am Abend veranstaltet worden sei, um diese Zeit würden noch Vorlesungen stattfinden.

Fotos von Studenten zur Zahl 500 geformt: Um so viele Franken will der ETH-Rat die Studiengebühren erhöhen. Foto: Samuel Schalch

Ein eigener Sicherheitsdienst des VSETH in hellblauen Westen unterstützte die Polizei bei der Begleitung der Demonstration. Der Umzug verlief friedlich und war von der Stadt bewilligt worden. Auf dem Weg von der Polyterrasse zum Gebäude des ETH-Rats skandierten die Demonstranten Parolen wie: «Nieder mit dem Geiz bei der Bildung in der Schweiz», «Gebührenerhöhung – soziale Zerstörung» oder «Bildung für alle, raus aus der Gebührenfalle». Vereinzelt waren auch originelle Sprechchöre zu vernehmen – etwa mit der Forderung: «Reiche Eltern für alle!».

Letzte Erhöhung vor 13 Jahren

In den Reden vor dem Gebäude des ETH-Rats kritisierten Vertreter der Studentenschaft, die Erhöhung sei politisch motiviert. Die zusätzlichen Einnahmen seien vernachlässigbar, doch für die Studierenden hätte sie gravierende Folgen: «Nach unseren Berechnungen wären rund 30 Prozent der Studentinnen und Studenten auf Stipendien angewiesen», sagte ein Redner. Die Erhöhung der Studiengebühren würde bloss 0,3 Prozent des Gesamtbudgets der ETH betragen.

«Rund 30 Prozent der Studentinnen und Studenten wären auf Stipendien angewiesen.»Ein Studentenvertreter in seiner Rede

Als symbolische Aktion überreichten die Studenten die ausgedruckten Fotos mit den Parolen dem ETH-Rat. Dieser wurde vertreten vom Leiter der Kommunikation Gian-Andri Casutt. Man werde die «Inputs» an der Sitzung diskutieren, versprach er. Bis zum Sommer wird der Rat definitiv über die Erhöhung entscheiden. Seit Jahren sind die Studiengebühren ein Thema. Letztmals wurden sie vor 13 Jahren angehoben. Der Protest gegen höhere Studiengebühren geht indes weiter. Ende März finden in Bern, Basel, Freiburg, Lausanne und Zürich unter dem Motto «Bildungsaufstand» Aktionswochen statt. Höhepunkt wird eine nationale Demonstration am 24. März in Bern sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2018, 15:44 Uhr

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