Den Studis wird besser auf die Finger geschaut

Eine neue Software erlaubt es, dass an der Universität Zürich die meisten Masterarbeiten und Dissertationen auf Plagiate hin überprüft werden. Doch ein Schlupfloch bleibt.

Kein Generalverdacht: Die meisten Studierenden schreiben nicht ab. Doch schwarze Schafe sollen überführt werden.

Kein Generalverdacht: Die meisten Studierenden schreiben nicht ab. Doch schwarze Schafe sollen überführt werden. Bild: Raisa Durandi

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Vor fünf Jahren hat die ETH Zürich der prominenten FDP-Politikerin Doris Fiala den Mastertitel entzogen, weil sie in ihrer Masterarbeit Textstellen aus Wikipedia und anderen Quellen wörtlich übernommen hatte, ohne dies korrekt zu deklarieren. Eine böse Absicht wurde ihr nicht unterstellt, sie selbst gab zu, mit Quellenangaben teilweise «schludrig» umgegangen zu sein.

Um solche Plagiate rechtzeitig zu enttarnen und es gar nicht erst zu solchen für alle Beteiligten unangenehmen Situationen kommen zu lassen, setzt die Universität Zürich nun auf eine neue Software. Dies berichtet die Campus-Zeitung «UZH Journal» in ihrer neusten Ausgabe. Zwar setzt man dort seit etwa zehn Jahren technische Hilfsmittel zur Plagiatserkennung ein. Doch laut Medienstelle der UZH handelte es sich dabei eher um eine stichprobenartige Überprüfung.

Kein Generalverdacht

Neu müssen alle Masterarbeiten und Dissertationen, die auf dem Textarchiv Zora der Universität Zürich veröffentlicht werden, die neu angeschaffte Software der Firma Plag Scan durchlaufen. Dabei werden auffällige Übereinstimmungen mit anderen Texten markiert.

Ein Filter sortiert danach Banalitäten und fachspezifische Standardsätze aus. Bleibt ein Plagiatsverdacht hängen, nimmt die zuständige Betreuungsperson Kontakt mit dem Autoren oder der Autorin auf. «Der UZH ist es jedoch wichtig, Studierende nicht zu verunsichern», betont Melanie Nyfeler von Media Relations der Uni Zürich.

Bei Betrug droht Disziplinarverfahren

Auch führen nur wirklich grobe Fälle und eindeutig betrügerische Absichten zu einem Disziplinarverfahren, wie Franziska Moll, juristische Mitarbeiterin beim Prorektorat Lehre und Studium im «UZH Journal» ausführt.

Es sei an den Dozierenden, einzuschätzen, wie es zu diesen Textübereinstimmungen kam. So könne es durchaus sein, dass einfach die Zitierregeln nicht richtig angewendet wurden. Mit dem neuen Verfahren sollen Studierende auf unsauberes Arbeiten hingewiesen werden, was ja auch in ihrem Sinne sei. Bachelorarbeiten können ebenfalls überprüft werden, müssen aber nicht.

Blitzschnell und vielsprachig

Die neue Software kann auf deutlich mehr fachlizenzierte Quellen zugreifen als das bisherige Tool. Zudem ist sie benutzerfreundlicher und schnell: Zur Überprüfung einer dreissig Seiten umfassenden Arbeit braucht sie nur wenige Minuten. Auch kann sie gleichzeitig hundert Texte durchgehen.

Und sie ist vielsprachig. Egal ob die Arbeit in Deutsch, Englisch oder Französisch geschrieben ist, die neue Software durchforstet sie auf auffällige Übereinstimmungen. Noch ein Vorteil hat die neue Software: Die Datenhoheit liegt bei der UZH, denn diese Daten werden auf eigenen Servern verwaltet und nach Abschluss der Prüfung gelöscht.

Wo die Software kapitulieren muss

Doch vor etwas muss sie kapitulieren: Werden beispielsweise Textstellen einfach aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, erkennt sie das nicht. «Das ist ein Anspruch, dem die Software sicherlich in der Zukunft gerecht wird», sagt Nyfeler. Hier sind also nach wie vor die Dozentinnen und Dozenten gefordert, aufgrund ihres Fachwissens solchen Plagiaten auf die Spur zu kommen.

Zahlen darüber, wie oft Arbeiten Plagiate mit betrügerischer Absicht enthalten, gibt es an der Universität Zürich nicht. Doch habe der konsequente Einsatz einer solchen Software sicherlich eine abschreckende Wirkung.

ETH verlangt Eigenständigkeitserklärung

Die ETH hat übrigens aus dem Fall Fiala gelernt. Studierende, die eine Semester-, Bachelor- oder Masterarbeit schreiben, müssen eine Eigenständigkeitserklärung unterschreiben. Diese beinhaltet auch den Hinweis, dass die eingereichte Arbeit mit einer Plagiatsoftware überprüft werden kann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2018, 11:01 Uhr

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