Der «Auspuff der Nation» wird zur Sackgasse

Die Stadt Zürich will eine Strasse im Kreis 3 kappen. Wo früher Blechlawinen durch Wohnstrassen fuhren, soll ein Quartierplatz entstehen.

Weniger Asphalt, mehr Bäume: Die Einmündung der Sihlfeldstrasse (rechts) in die Kalkbreitestrasse soll zum Quartierplatz werden.

Weniger Asphalt, mehr Bäume: Die Einmündung der Sihlfeldstrasse (rechts) in die Kalkbreitestrasse soll zum Quartierplatz werden. Bild: Fabienne Andreoli

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Die Kreuzung an der Kalkbreitestrasse ist ein Unort. Drei Strassen treffen dort aufeinander. Auf zweien davon – der Sihlfeld- und der Zurlindenstrasse – herrscht relativ wenig Verkehr. Und doch nehmen sie viel Platz in Anspruch. Das soll sich in den nächsten drei Jahren ändern.

Die Stadt will die Kalkbreitestrasse umfassend sanieren und plant im Zuge der Bauarbeiten eine Umgestaltung dieser Kreuzung: Wo die Sihlfeldstrasse heute zweispurig einmündet, soll ein neuer Quartierplatz entstehen.

18 neue Bäume für bessere Luft

Ein Dutzend neue Bäume will die Stadt allein auf den chaussierten Kiesplatz pflanzen. Das ganze Bauprojekt sieht die Pflanzung von insgesamt 18 neuen Bäumen vor. In der Platzmitte errichtet das Tiefbauamt drei Rundbänke, an den Rändern sind mehrere Sitzbänke vorgesehen. Das Ganze soll dereinst ausgestaltet sein wie der Brupbacherplatz und der Anny-Klawa-Platz, die sich etwas weiter nördlich ebenfalls an der Sihlfeldstrasse befinden.

Das Tiefbauamt hat das Projekt nach den Grundlagen des Masterplans Umwelt sowie des Grünbuchs Stadt Zürich ausgearbeitet, welche die Umweltziele und die Entwicklung der Freiräume von Zürich festhalten. «Laut Klimaanalyse der Stadt befindet sich der Projektperimeter in einem Gebiet mit hoher Luftschadstoffbelastung, eher ungünstiger Durchlüftungssituation und hoher Wärmebelastung. Diese Belastungen sollen mit dem Pflanzen von neuen Bäumen auf dem Platz gemindert werden», sagt Roger Muntwyler, Mediensprecher des Tiefbauamts.

Sackgasse statt Durchfahrt: An dieser Stelle sollen künftig Bäume und Bänke stehen. (Bild: Fabienne Andreoli)

Auch die Vorgaben im kommunalen Richtplan hat das Tiefbauamt berücksichtigt, obwohl dieser erst diesen Herbst vom Stadtrat verabschiedet wird. Dieser verlangt pro Stadtbewohner acht Quadratmeter und pro Arbeitsplatz fünf Quadratmeter Freiraum.

Willkommene Freiräume im Quartier

Dass neu geschaffene Freiräume im Quartier willkommen sind, zeigt sich an den beiden bereits bestehenden Plätzen an der Sihlfeldstrasse. Die Anwohner schätzen und nutzen diese Quartierplätze sehr. Erst Ende August dieses Jahres fand das siebte Brupbacherplatz-Fest mit Livekonzerten statt.

Beliebter Aufenthaltsort im Quartier: Der Brupbacherplatz an der Sihlfeldstrasse (Bild: Nicola Pitaro)

Ob auch am Knotenpunkt Sihlfeld-/Kalkbreite-/Zurlindenstrasse ein Ort zum Verweilen entstehen kann, hängt vom Ausgang des Planauflageverfahrens ab, das erst Ende August begonnen hat und noch bis zum 23. September dauert. Gegen das Strassenbauprojekt kann innerhalb der Auflagefrist schriftlich Einsprache erhoben werden.

Sollte das Projekt gutgeheissen werden, würden die Bauarbeiten im März 2021 beginnen und im Frühling 2022 abgeschlossen. Die Sihlfeldstrasse, ehemals Einfallsachse für den Durchgangsverkehr durchs Quartier und als «Auspuff der Nation» verschrien, würde mit der geplanten Umgestaltung zur Sackgasse. Der Autoverkehr wird in die Zentral- und Zurlindenstrasse umgelagert, wo die Einbahnregelungen auf Teilstrecken aufgehoben werden.

Velostreifen für die Kalkbreitestrasse

Grosse Veränderungen sind auch auf der Kalkbreitestrasse vorgesehen. Da die Strasse im Masterplan Velo als Hauptroute vorgesehen ist, hat das Tiefbauamt auf der Strecke zwischen Aemtler- und Zentralstrasse in beiden Fahrtrichtungen Radstreifen geplant. Fussgängerinnen und Fussgänger sollen künftig dank Trottoirüberfahrten entlang der Kalkbreitestrasse und Verkehrsinseln auf den Zebrastreifen sicherer unterwegs sein.

Die Bushaltestelle «Zwinglihaus» soll beidseits der Strasse behindertengerecht ausgebaut werden und sogenannte Wetterschutzwände erhalten, eine Art Wartehalle mit Dach, aber ohne Seitenwände. Sie werden bei knappen Platzverhältnissen eingesetzt, damit das Trottoir für Passanten frei bleibt. Eine Verbesserung zum Ist-Zustand wäre es in jedem Fall: Derzeit warten die Fahrgäste am «Zwinglihaus» bei jeder Witterung einzig unter dem Halteschild auf den Bus.

Erstellt: 02.09.2019, 16:40 Uhr

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