Dieser Pensionierte schlägt mit seinem Gin alle Zürcher Hipster

Hans Kunz stellt das Trendgetränk zusammen mit seiner Frau vollständig zu Hause her – in seiner Wohnung in Feldmeilen.

Tamedia-Feinschmecker testen 14 Sorten der Wacholder-Spirituose. (Video: Lea Blum)

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Der beste Gin im Kanton Zürich wird von einem 72-Jährigen hergestellt: Hans Kunz gewann das grosse Gin-Tasting, das der «Tages-Anzeiger» vor zwei Wochen durchgeführt hatte. Der Pensionierte hat mit seinem Rosy's Gin Hipster-Marken wie Turicum oder Nginious auf die Ränge verwiesen, die an anderen Degustationen schon ausgezeichnet wurden.

Rosy’s Gin war der unbekannteste Teilnehmer im Wettbewerb, in dem drei Juroren 14 verschiedene Gins, die alle einen Bezug zum Kanton Zürich haben, blind degustierten und beurteilten. Eine weitere Überraschung: Er ist mit Abstand der billigste Gin im Wettbewerb. Aufgerechnet auf einen Liter, kostet Rosy’s Gin 54 Franken; die meisten anderen Produzenten verlangen für die gleiche Menge 70 bis 90 Franken, der teuerste kostet gar über 300 Franken.

Hersteller Kunz war zwar sehr erfreut, als er das Resultat telefonisch übermittelt bekam; sonderlich überrascht war er vom ersten Platz allerdings nicht. Ihm war klar, dass sein Produkt zumindest besser ist als der Durchschnitt. Schliesslich hatte der ehemalige Unternehmensberater den Gin von verschiedenen Fachleuten testen lassen, bevor er ihn auf den Markt brachte. Dabei konnte er auf Freunde mit einem guten Gaumen zurückgreifen, vor allem aber auf Sensoriker, die für Midor in Meilen Esswaren wie Glace mitent­wickeln. Kunz’ Frau Bea Neururer, 66 Jahre alt, hatte bis zu ihrer Pensionierung im Labor der Produktionsstätte der Migros-Tochter gearbeitet. «Was diese Sensoriker alles aus einer Probe herausriechen und herausschmecken, ist unglaublich», sagt Kunz.

Die Spezial-Zutat vom Balkon

Den Gin stellt Hans Kunz mit Frau Bea in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Feldmeilen her. In einem Zimmer stehen zwei grosse weisse Kanister mit Ethanol. Um Gin herzustellen, werden diesem geruchlosen Alkohol Zutaten beigegeben. Zuallererst Wacholder. Meist ist geheim, was die Hersteller ­alles beifügen. Hans Kunz verrät nur eine weitere Zutat: Rosmarin, den er auf ­seinem Balkon zieht. Vier Tage lang lässt er das Gebräu stehen und erlaubt dem ­Alkohol so, aus den Kräutern die ­geschmacksintensiven Inhaltsstoffe heraus­zuziehen.

Die Einbauküche als Schnapsbrennerei: Hans Kunz macht mithilfe dieser Geräte ausgezeichneten Gin. Foto: Samuel Schalch

Auch die Brennerei richtet Kunz daheim ein: in der Küche. Auf dem Kochherd steht ein riesiger Dampfkochtopf, den Kunz mit zwei Destilleriebatterien ausgestattet hat. Diese hat er in Polen gekauft. Das Mazerat, so heisst die alkoholische Brühe, erhitzt er auf dem Herd, die Flüssigkeit verdampft ab 78 Grad und kondensiert in den Batterien. Unten fliesst dann Gin in einem feinen Strahl in die Auffangbehälter. Mit Wasser verdünnt er die Flüssigkeit auf 40 Prozent Alkoholgehalt.

Das Handwerk hört im Haushalt von Kunz und Neururer aber nicht beim Schnapsbrennen auf. Sie füllen den Gin selber in die 7-Deziliter-Flaschen ab. Und kleben anschliessend die Etiketten einzeln von Hand auf. Diese hat Kunz am Computer selber gestaltet. Auf dem Printer, für den er 3500 Franken ­bezahlt hat, druckt er sie aus. So viel Do-it-yourself steckt wohl in keinem ­anderen Zürcher Gin.

Tausende Liter von Glühwein

Der Gin ist nicht das erste Produkt, das Kunz mit seiner Firma HK-Drink’s lancierte. Bekannt geworden ist er mit seinem Glühwein, von dem er um die Weihnachtszeit mehrere Tausend Liter verkauft, und dem Glühweinkonzentrat, das er Glögg nennt. Ausgeschenkt wird der Wein unter anderem an verschiedensten Ständen, wenn in der Vorweihnachtszeit an der Zürcher Bahnhofstrasse alle Lichter erlöschen und die Adventsbeleuchtung erstmals eingeschaltet wird. Bei der Produktion, die er ausgelagert hat, helfen Kunz seine Frau und sein ebenfalls pensionierter Kollege Hans Kägi.

Begonnen hatte alles vor etwa 15 Jahren. Kunz half seiner damaligen Freundin auf Märkten und sah, dass vor allem Marktfahrer, die Getränke verkauften, ein gutes Geschäft machten. Er begann, selber Glühwein herzustellen und auf dem Weihnachtsmarkt in Winterthur zu verkaufen. Das Getränk kam gut an, immer mehr Händler fragten bei ihm nach. Im Sortiment hat Kunz auch Bündner Röteli:

«Ich bin schliesslich halber Bündner mit Wurzeln in Vals.» Hans Kunz

Zudem führt er einen eigenen Wodka sowie ­Liköre wie die Himi-Häx, den Grand Orange oder den Wilderer-Schuss.

Eine letzte Frage stellt sich: Wer ist eigentlich Rosy, die dem Gin den Namen gab? Es ist schlicht und einfach der Rosmarin, der auf dem Balkon von Hans Kunz und Bea Neururer wächst und für den Geschmack des Gins verantwortlich ist. Es war Beas Idee.

www.glühwein.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2017, 22:54 Uhr

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