Der Bündner, der sich selbst als Zürcher sieht

Er sei «ein Unternehmer und kein Unterlasser», sagt Giusep Fry über sich selbst. Nicht jede der Unternehmungen des Uto-Kulm-Besitzers kam gut an.

Seit 16 Jahren Chef im Uto Kulm: Hotelbesitzer Giusep Fry.

Seit 16 Jahren Chef im Uto Kulm: Hotelbesitzer Giusep Fry. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei Giusep Fry sprechen Zürcher von einem sympathischen Bündner Dialekt. In Graubünden dagegen heisst es, man höre ihm an, wie viele Jahre er im Unterland verbracht habe.

Fry wurde 1959 in der Nähe von Disentis als Ältester von sechs Geschwistern einer Bergbauernfamilie geboren. Schon früh zog es ihn vom Hof des Vaters weg. Er machte eine Lehre als Koch – mit 23 Jahren suchte er per Inserat in einem Hotel­magazin eine neue Herausforderung.

Mehr Zürcher als Bündner

Ein Zürcher Unternehmen lud ihn daraufhin auf den Uetliberg ein. Fry kam zu spät zum Vorstellungsgespräch – er war zuerst auf dem Zürichberg statt auf dem Uetliberg gelandet, weil er sich in der Stadt schlecht auskannte. Trotzdem wurde er 1983 Geschäftsführer des Uto Kulm. Angekommen ist er aber erst so richtig 16 Jahre später, als er die Hotelanlage der Schweizerischen Bankgesellschaft abkaufte.

Umstrittener Entscheid: Giusep Fry nimmt Stellung zur Preiserhöhung für den Aussichtsturm. (Video: TA/Simon Eppenberger)

Heute sagt Fry über sich, er sei mehr Zürcher als Bündner, auch wenn er mit seiner Frau und den beiden Kindern Vanessa und ­Fabian noch immer Romanisch spreche. Im Unterland ist Fry umstritten. Die einen sehen in ihm einen rebellischen Macher, die anderen einen Gesetzesbrecher, der ein wertvolles Naherholungsgebiet verschandelt hat.

Er sei «ein Unternehmer und kein Unterlasser», pflegt Fry selbst zu sagen. So baute er die Hotelanlage über die Jahre auf dem Uetliberg aus, ohne Baubewilligungen abzuwarten. Mehrfach pfiffen ihn Gerichte zurück, und er musste Neubauten wieder abbrechen. Seit zwei Jahren schafft ein Gestaltungsplan aber klare Regeln – und seither ist von Streitereien nichts mehr zu hören.

Erstellt: 04.11.2019, 10:16 Uhr

Artikel zum Thema

Der fröhliche Sünder

Keiner ärgert und freut die Zürcher mehr als der Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry. Er hat den Uetliberg-Gipfel in einen Konsumtempel verwandelt – wider die Bauvorschriften. Mehr...

Fry erhöht Eintrittspreis für den Aussichtsturm

Wer auf den Uetliberg-Turm beim Uto Kulm steigen will, musste bisher zwei Franken Eintritt zahlen. Doch das ist dem Hotelier nicht genug. Mehr...

Kulm-Wirt Fry kappt illegal Bäume

Um die Aussicht vom Uetliberg zu verbessern, hat der Hotelier vor seinem Haus Eiben geköpft. Nun muss er zahlen. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fliegende Körner: Ein Bauer erntet Reis auf einem Feld in Nepal. (15. November 2019) A farmer harvests rice on a field in Lalitpur, Nepal November 15, 2019.
(Bild: Navesh Chitrakar ) Mehr...