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Der Deal, den niemand will

Weil das Stadionprojekt 125 gemeinnützige Wohnungen zu wenig umfasst, soll die Stadt diese der Credit Suisse abkaufen – für 90 Millionen Franken.

Die Vorlage in Kürze: Wer ist dafür, wer dagegen? (Video: Wibizz/Tamedia. Bilder: Urs Jaudas/Stadt Zürich/Sabina Bobst/Samuel Schalch/Keystone/Wibbiz)

In der umkämpftesten Zürcher Debatte des Herbstes gibt es einen dunklen Fleck, ein Geheimnis, das nur Eingeweihte kennen. Und doch stützen die Befürworter der Vorlage für ein neues Hardturmstadion ihre Argumentation teilweise darauf ab.

Auf ihrem Facebook-Profil schreibt die Stadt Zürich, dass das Projekt Ensemble «die Erstellung von 299 gemeinnützigen Wohnungen umfasst». Neu gebaut werden aber nur 174 gemeinnützige Wohnungen; auf der Ostseite des Stadions, im Auftrag der Genossenschaft ABZ. Die restlichen 125 gemeinnützigen Wohnungen würde die Stadt dazukaufen. Irgendwo in Zürich.

Sie bilden eine Art Kompensation für die rund 600 Wohnungen, die die Credit Suisse in zwei Hochhäusern auf der Westseite des Stadions bauen will. Die Grossbank würde diese Apartments zu Marktpreisen vermieten. Ein Teil dieses Profits soll das Stadion querfinanzieren.

Auf die Wohnung genau

In dieser ursprünglichen Form widersprach das Projekt einem zentralen Ziel der links-grünen Mehrheit: den Anteil günstiger Wohnungen in Zürich auf ein Drittel zu erhöhen. Bei der Beratung in der Kommission forderten linke Mitglieder daher mehr Genossenschaftswohnungen.

Verschiedene Möglichkeiten wurden angedacht, unter anderem bot die CS Liegenschaften aus ihrem Besitz zum Verkauf an. Städtische Spezialisten prüften mehrere Häuser, man einigte sich auf 125 konkrete Wohnungen in Zürich. Diese würde die Stadt nach dem Erwerb zu gemeinnützigen Mieten vergeben. Das Ein-Drittel-Ziel wäre erreicht. Fast aufs Zimmer genau.

SP und Bürgerliche lehnen den Deal mit der Credit Suisse ab – aus gegenteiligen Gründen.

Unklar bleibt, um welche Wohnungen es sich dabei handelt. Laut Informationen des «Tages-Anzeigers» teilen sie sich auf fünf Liegenschaften auf. Die grösste davon mit über 60 Wohnungen wird noch gebaut. Die anderen stammen aus den Jahren 1954, 1959, 1963 und 1983. Darin befinden sich bis 24 Wohnungen.

Die Credit Suisse gibt den Marktwert der vier alten Häuser gemeinsam auf 30 Millionen Franken an. Den Neubau schätzt sie auf rund 60 Millionen Franken. Bei den vier bestehenden Häusern stehen «mittelfristig» grosse Sanierungen an. Zusammen kosten diese Arbeiten mindestens 8 Millionen Franken. Die Stadt müsste also sicher 98 Millionen Franken ausgeben.

Laut Vereinbarung kann die Stadt die Wohnungen erst erwerben, wenn die zwei Wohntürme stehen. Dies könnte in vier Jahren der Fall sein oder erst in zwölf. Es hängt von den Rekursen ab. Abgerechnet wird zum dann geltenden Marktpreis, diesen dürfen Schätzer im Auftrag der Credit Suisse festlegen.

Die Grossbank hat sich rechtlich zu ihrem Angebot verpflichtet. Die Stadt hingegen kann immer noch aussteigen. Wegen des hohen Betrags müssten die Zürcherinnen und Zürcher den Kauf an der Urne genehmigen.

SP: Nur die CS gewinnt

Politisch kommt der Handel fast überall schlecht an. Die SP, die das Ensemble-Projekt bekämpft, spricht von einem «misslungenen Geheimdeal». «Auf städtischem Grund wie dem Hardturm müssen 100 Prozent gemeinnützige Wohnungen entstehen», sagt SP-Gemeinderätin Vera ­Ziswiler. Das habe die Partei ­immer gefordert. Zürich-West brauche keine weiteren teuren Wohnungen.

Auch das Angebot überzeuge nicht: «Die CS versucht, der Stadt sanierungsbedürftige, eher unattraktive Wohnungen zu einem hohen Preis anzudrehen», sagt Ziswiler. Wegen der steigenden Immobilienpreise könnten die fünf Häuser am Ende weit über 100 Millionen Franken kosten. Die Befürworter würden diesen Preis in der Kampagne absichtlich nicht erwähnen. Beim Projekt Ensemble gebe es nur eine Gewinnerin: die Credit Suisse.

Die Bürgerlichen halten diese Kritik für unredlich. «Es war die SP, die die CS zu diesem Handel drängte. Das grenzte an Erpressung. Am Ende ist sie dann trotzdem ausgestiegen», sagt FDP-Gemeinderat Urs Egger. Dies sei doppelt unschön. Die SP sieht das anders. Verschiedene Seiten, auch die SP-Delegation, hätten Verschiedenes verhandelt, sagt Vera Ziswiler. Den vorliegenden Deal habe man von Anfang an skeptisch beurteilt.

Ein-Drittel-Ziel gelte für die ganze Stadt

Über die genauen Abläufe bei den Verhandlungen gehen die Ansichten der Beteiligten auseinander. Einigkeit herrscht allerdings in einem Punkt: Ohne Druck durch Links-Grün hätte die Credit Suisse die 125 Wohnungen kaum ins Spiel gebracht.

FDP, SVP und GLP halten eine solche Kompensation für unnötig. Das Ein-Drittel-Ziel gelte für die ganze Stadt und nicht für jedes einzelne Projekt, sagt Urs Egger. Momentan beurteilen also fast alle Parteien das ­CS-Angebot kritisch.

Adressen bleiben geheim

Verteidigt wird es von Hans Klaus, dessen PR-Agentur KMES Partner die Kampagne der Befürworter leitet. «Die Vorlage hält sich ans Ein-Drittel-Ziel, das politisch breit abgestützt ist», sagt Klaus. In den Verhandlungen habe die Credit Suisse rasch und unbürokratisch reagiert, die angebotenen Häuser eigneten sich gut für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Von Geheimnistuerei könne man nicht sprechen. Hans Klaus: «Aber wenn die Adressen der Häuser bekannt würden, könnte das den Markt beeinflussen.»

Auch der Stadtrat begrüsse das Entgegenkommen der Credit Suisse, sagt Patrick Pons, Sprecher von Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne). Die Häuser passten grundsätzlich ins städtische Portfolio. Die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter betrage derzeit etwa 270 Franken im Jahr, das sei nicht viel mehr als bei Genossenschaften üblich. Auch verheimliche der Stadtrat nichts. «An der letzten Pressekonferenz gab Daniel Leupi Auskunft über den Preis.»

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