Der erste Tag im neuen Bettenhaus

Das Zürcher Stadtspital Triemli hat am Ostermontag mit dem Umzug in den Neubau begonnen. 86 Patientinnen und Patienten tauschten Zimmer ohne WC gegen solche auf Viersternniveau.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich fühle mich wie in einer Luxus-Schönheitsklinik, und dabei bin ich allgemeinversichert!» Elsbeth Schaufelberger ist hin und weg von ihrem neuen Zweierzimmer. Sie hat den Fensterplatz, sieht aus dem sechsten Stock über die ganze Stadt. Ihr gefallen die Farben, das Lachsrosa des Linoleumbodens und das warme Beige der Lehmwände. Sie nimmt den frischen Geruch wahr und freut sich: «Ich bin noch nie in eine ­nigelnagelneue Wohnung gezogen.» Läge sie nicht in einem Spitalbett, könnte sie fast vergessen, dass sie im Krankenhaus ist. «Das ist wie ein grosser Zucker über meine bittere Pille.»

Elsbeth Schaufelberger kommen die Tränen. Vor gut einer Woche war sie notfallmässig ins Triemli gekommen, seither lag sie im alten Turm in einem Viererzimmer. Das war belastend, auch wenn die Mitpatientinnen nett waren. «Man bekommt alles mit, das ist schwierig, wenn es einem schlecht geht.»

Altes Bett, neue Wäsche

Gestern Morgen kurz vor elf kam das ­Zügelteam zu ihr. Pflegefachmann Steve Kühne zog den Stecker des Infusions­apparates aus der Wand, deren hellgraue Tapete mit den Jahren dunkel und fleckig geworden war. Ein Zivilschützer stapelte das Gepäck neben der Patientin aufs Bett. Dann gings los, an den andern Betten vorbei hinaus auf den Flur und zum Lift, voraus der Mann vom Umzugsunternehmen mit dem Nachttischchen. Betten und Nachttische sind das Einzige, was in den Zimmern des neuen Bettenhauses noch alt ist. Dort angekommen, erhielt Elsbeth Schaufelberger die neue Bettwäsche mit den grossen pastell­farbenen Karos. Und von ihrem Bezugspfleger Steve erste Instruktionen, wo sie alles Nötige findet und was sie tun muss, wenn sie Hilfe braucht. Sie kann ihren Bezugspfleger jetzt nämlich direkt anwählen, über den Terminal, der zu ­jedem Bett gehört.

Die Pflegenden sind mit ihren Patientinnen und Patienten mitgezogen, sodass diese im Neubau vom vertrauten Personal weiter betreut werden. Die Pflege war gestern in eineinhalbfacher Besetzung am Arbeiten, sowohl die Früh- als auch die Spätschicht. Trotz der Osterfeiertage sei das kein Problem ­gewesen, sagt Lilo Enderli, stellvertretende Leiterin der Bettenstation. «Die Leute wollten an diesem besonderen Tag arbeiten.» Um 16 Uhr, beim «Debriefing» der Zügelmanagerinnen, zieht Enderli eine positive Bilanz: «Der Umzug lief aus Sicht der Pflege sehr gut und speditiv. Wir waren eine Stunde früher als geplant fertig.» Etwas angespannt war Enderli wegen der Medikamente, denn auch die Apotheken mussten gezügelt werden. «Wichtig war, dass die Medikamente drüben bereit waren, wenn die ersten Patienten eintrafen.» Auch da habe alles bestens geklappt: «Die Medi-Assistentinnen haben diese logistische Aufgabe gut gelöst.» Medizinisch gab es am ersten Zügeltag überhaupt keine Probleme, stellt der ärztliche Direktor Andreas Zollinger am Abend fest. Etwa zehn Notfallpatienten wurden direkt ins neue Bettenhaus gebracht, ebenso viele auf eine der alten Abteilungen. Sie werden im Laufe der Woche umziehen – sofern sie das Spital nicht vorher verlassen ­dürfen. Heute schaltet das Triemli wieder auf Normalbetrieb und nimmt auch wieder Patienten für Wahleingriffe auf.

Erstellt: 28.03.2016, 23:15 Uhr

Triemli-Züglete

Zahlen und Geschichten

Der Umzug vom alten Bettenturm ins neue Bettenhaus des Stadtspitals Triemli hat begonnen. Der Ostermontag war der erste Zügeltag, der Umzug dauert bis Ende Woche.

86 Patientinnen und Patienten wurden gestern innerhalb von acht Stunden umplatziert. Bis Ende Woche werden es zwischen 350 und 400 Kranke sein, die im Bett und samt ihren Siebensachen «gezügelt» werden.

45 Zivilschützer waren gestern als Begleiter der Patientinnen und Patienten im Einsatz. Aufgeboten wurden aber auch die spitalinterne und die stadtzürcherische IT-Crew und Medizintechniker.

3 Minuten dauerte es, bis ein Medizintechniker vor Ort war, als ein medizinisches Gerät nicht so wollte, wie es sollte. Die Pflegerin, die ihn um Hilfe gerufen hatte, war schwer beeindruckt, dass dieser so schnell zur Stelle war.

1572 Patientenruftaster mussten neu in Betrieb genommen werden. Und 4304 Steckdosen sollten im neuen Bettenhaus mit Strom versorgt sein. Diesen liefert die hochmoderne Energie- und Medienzentrale. Das neue Bettenhaus erfüllt die Minergie-P-Eco-Standards, und der Spitalbetrieb erfolgt weitgehend CO2-frei.

100 Meter lang sind die einzelnen Gänge im neuen Bettenhaus. Im Bettenturm waren es 60 Meter. Das braucht zwar eine Umstellung im Spitalbetrieb, doch vereinfacht es viele Abläufe. Denn Lifte und vor allem Treppen komplizieren vieles.

50% mehr Personal als üblich wurde gestern bei der Pflege aufgeboten. Es waren 73 Pflegende beim Zügeln im Einsatz. Für die Zügeltage wurde ein Ferienstopp verhängt.

14 Aufzüge verbinden die 18 Geschosse des neuen Gebäudes. Manche verhielten sich gestern noch etwas eigensinnig, was dazu führte, dass man zuweilen ungewollt in den Untergeschossen landete, die mit X und Y bezeichnet werden. Die Personallifte können nur mit Badges bedient werden. Dazu kommt der Multitower, ein Bettenlift. Er bringt frisch bezogene Betten direkt in den Stock, wo sie per Badge angefordert werden.

53 TV-Sender sind auf dem Patienten-Universal- Terminal abrufbar. Jeder Patient hat an seinem Bett einen solchen PUT. Mit dem kann er surfen und telefonieren, Videos anschauen, die eigene Bezugspflegerin herbeirufen oder beim Roomservice ein Getränk bestellen. Der Arzt kann am Bett Röntgenbilder abrufen und erklären. Der PUT «spricht» fünf Sprachen. Wem das zu viel Technik ist: Es gibt auch noch das gute alte Telefon.

3 Jahre dauerte die Vorbereitungsphase für den Bezug des Bettenhauses. In den ersten beiden Jahren ging es vor allem darum, die Arbeitsabläufe der verschiedenen Fachbereiche in der neuen Umgebung optimal aufeinander abzustimmen. Seit einem Jahr steht die eigentliche Züglete im Fokus. Die Optimierungsphase dauert noch drei Monate. Dann ist das Programm «Bezug Bettenhaus» abgeschlossen. (net)

Artikel zum Thema

Verschollene Schlüssel, verwirrte Lifte und eine smarte Patientin

Das Zürcher Stadtspital Triemli hat heute Ostermontag in das neue Bettenhaus gezügelt – samt Patientinnen und Patienten. Wir waren mit dabei. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...