Anschluss fürs neue Zürcher Stadtquartier

Der Zugang von der Europaallee zum Hauptbahnhof ist offiziell eröffnet.


Es kommt nicht oft vor, dass eine Bahnhoftreppe vom SBB-Chef persönlich eingeweiht wird, und das im Beisein von einer Regierungsrätin und einem Stadtrat. Gestern aber war genau das der Fall: SBB-Chef Andreas Meyer eröffnete das Bauwerk zusammen mit der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh und dem Stadtzürcher Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger.

Ganz ungerechtfertigt ist das nicht: Die besagte Treppe, die vom Europaplatz hinunter in die Passage Sihlquai führt, ist in mehrfacher Hinsicht ein zentrales, symbolträchtiges Werk. Zuerst einmal ist sie das letzte Bauwerk der Durchmesserlinie. Damit ist die neue Bahnlinie von Altstetten nach Oerlikon, deren Bau acht Jahre dauerte und 2 Milliarden Franken kostete, fertig. Allein dieser Bau ist für Meyer Grund für einen gewissen Stolz: «Wir haben all das geschafft, während der Bahnverkehr uneingeschränkt weiterrollte.» Dann ist der Abgang mit 34 Metern die wohl breiteste Bahnhoftreppe der Schweiz, ganz sicher aber ist es der breiteste Zugang zum Hauptbahnhof. Unter einem eleganten Holzdach, das die Struktur der Überdachung der Perrons aufnimmt, führen zwei breite Steintreppen und drei Rolltreppen hinunter in die Passage.

Des Weiteren verbindet das Bauwerk nach den Worten von Andreas Meyer den «modernsten Bahnhof der Schweiz» mit einem der «modernsten und kreativsten Quartiere Zürichs», das auch ein «Entwicklungsareal für die SBB» sei.

Wandernde Ringe

Und schliesslich ist der Zugang auch Standort eines ungewöhnlichen vom deutschen Konzeptkünstler Carsten Höller entworfenen Denkmals. Rund 400 Neonringe mit je 60 Zentimeter Durchmesser sind in einem L-förmigen Raster an der Decke angebracht. Die Ringe leuchten, von einem Computerprogramm gesteuert, jeweils kurz auf, was einen Effekt von unterschiedlich schnell wandernden Kreisen erzeugt. Das Werk ist ein Denkmal für den Mathematiker und Zürcher Regierungsrat Hans Künzi, der wie Walker Späh und Leutenegger der FDP angehörte. Künzi gilt als «Vater des ZVV und der Zürcher S-Bahn»; die leuchtenden Ringe zu seinen Ehren sollen die Bewegungssysteme symbolisieren, die Künzi mit der S-Bahn erschaffen hatte. Gestern wurde die Installation zum ersten Mal in Betrieb gesetzt, während Tänzerinnen und Tänzer der Zürcher Hochschule der Künste eine eigens geschaffene Choreografie vorführten.

Für Regierungsrätin Walker Späh ist die Installation auch Ansporn und Verpflichtung, das Erbe Künzis weiterzuführen: «So wie damals brauchen wir auch heute eine gewisse Hartnäckigkeit gegenüber dem Bund, um den öffentlichen Verkehr weiter auszubauen.» Sie nahm damit einen Gedanken von SBB-Chef Meyer auf, der sagte: «Auch wenn die Durchmesserlinie fertig ist, die Bahn um Zürich ist noch lange nicht gebaut.» Bereits stehen weitere grosse Projekte an, etwa der Brüttener Tunnel und der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen.

Was für die Bahn rund um Zürich zutrifft, gilt auch für den Europaplatz und die Europaallee: Sie sind noch nicht fertig gebaut. Gestaltet werden die Allee und der Platz, der verkehrsfrei bleiben wird, in den kommenden zwei Jahren. Mehr als 80 Ginkgobäume sollen dort in Zukunft Schatten spenden; für die Beleuchtung sorgen einzelne hohe Lichtmasten sowie eine indirekte Beleuchtung. Der Boden wird teils asphaltiert, teils mit Granitplatten belegt.

Auch wenn noch weitergebaut wird: Mit der Eröffnung der Treppe wird nun immerhin die Dimension des rund 9000 Quadratmeter grossen neuen Platzes sichtbar. Während des Treppenbaus war der Platz eingezäunt. Die Stadt rechnet damit, dass nach der Eröffnung im Jahr 2020 rund 120 000 Personen pro Tag den Platz begehen werden.

Grosszügig: Der Übergang vom Europaplatz zum Hauptbahnhof. Bild: Walter Bieri/Keystone (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2017, 10:31 Uhr

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