Der Familie und Gott verpflichtet

Thomas Ucar von der EDU will in den Stadtrat. Der «authentische Secondo» vertritt radikale Ansichten.

Kandidiert für die EDU: Der 37-jährige Thomas Ucar.

Kandidiert für die EDU: Der 37-jährige Thomas Ucar. Bild: PD

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Thomas Ucar hofft offenbar auf die Hilfe Gottes: Anders ist sein Nichtwahlkampf nicht zu begründen. Der 37-Jährige ist nirgends präsent, äussert sich nicht zu aktuellen Themen und tritt auch dann nicht auf den Plan, wenn etwa Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) bekannt gibt, nicht mehr zu kandidieren. Und auch auf Facebook, das laut der städtischen Kandidatenübersicht mehr Information über den Bankangestellten verspricht, ist bloss wenig darüber zu finden, das Aufschluss über seine Beweggründe, seine Motivation, seine Visionen für die Stadt Zürich geben könnte. Viele Posts enden mit dem Satz: Gott segne Zürich.

Ucar, der sich als «authentischer Secondo» bezeichnet, hat Wurzeln in der Südtürkei. Der Bankangestellte ist Vizepräsident der Stadtzürcher EDU und politisch weitgehend unbekannt. Er hatte noch nie ein politisches Amt inne. Aufgetaucht ist sein Name in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Jesus-Parade, die 2016 und 2017 in Zürich stattfand. Dabei geht es laut den Organisatoren darum, dass Gläubige «aus unterschiedlichen christlichen Gemeinden, Werken und Organisationen Gelegenheit haben, ihren gemeinsamen Glauben öffentlich, mit Begeisterung und Leidenschaft sichtbar zu machen». Hinter dem freundlichen Lächeln versteckt sich ein Mann, der radikal konservative Werte vertritt. Er sei ein Mann mit Prinzipien, sagte Ucar dem «Tagblatt». Er will Abtreibungen bestrafen und die Sterbehilfe verbieten, er spricht sich zwar für eine «offene Stadt» aus, die «Platz für alle» bietet, ist aber in der Ausländerpolitik restriktiv.

Die Wertschätzung der Hausfrauen

Die Familie, die «kleinste Zelle unserer Gesellschaft», ist Thomas Ucars Kernthema. Er ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Die Familie, betont er, sei das Fundament einer stabilen Gesellschaft. Der Familienvater macht sich für die Familienpolitik stark: Er fordert, Familien mit Kindern steuerlich zu entlasten. In einer stabilen Gesellschaft sind aus Sicht Ucars auch die Familienverhältnisse stabil. Das heisst, sie besteht aus Vater, Mutter und Kind, und die Mutter ist nach Möglichkeit Hausfrau. «Die Stadt Zürich muss die Arbeit der Hausfrauen, die ihre eigenen Kinder betreuen, mehr anerkennen und wertschätzen», sagte er dem «Tagblatt». Und im «Regionaljournal» des SRF sprach er von «vielen Müttern», die ihre Kinder aus rein finanziellen Gründen fremdbetreuen lassen – da gelte es, den Hebel anzusetzen.

Ucar gibt an, bibelorientiert zu sein und mit seiner Partei auch «radikale» Positionen zu vertreten. Dazu passt sein persönlicher Schandfleck von Zürich: das Rotlichtmilieu. Am liebsten mag er die Seepromenade.

Erstellt: 18.02.2018, 16:48 Uhr

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