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Der FDP-Kandidat und seine linken Freunde

SP-Nationalrat Martin Naef fände es «gut für Zürich», wenn Marco Camin Stadtrat würde. Damit bezieht ein erster prominenter Sozialdemokrat Stellung – zuungunsten der Kandidaten von GLP und AL.

SP-Nationalrat Martin Naef lobt, FDP-Kandidat Marco Camin sei ein sozialer Arbeitgeber.
SP-Nationalrat Martin Naef lobt, FDP-Kandidat Marco Camin sei ein sozialer Arbeitgeber.
Keystone
Die prominente SP-Unterstützung freut Camin, der sich aber deswegen nicht verbiegen will.
Die prominente SP-Unterstützung freut Camin, der sich aber deswegen nicht verbiegen will.
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AL-Kandidat Richard Wolff kann auf einen Teil der SP zählen. Am 17. Januar bestimmen die SP-Delegierten, wen sie am 3. März als Nachfolger von FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder bevorzugen.
AL-Kandidat Richard Wolff kann auf einen Teil der SP zählen. Am 17. Januar bestimmen die SP-Delegierten, wen sie am 3. März als Nachfolger von FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder bevorzugen.
Reto Oeschger
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Ohne Stimmen aus der SP-Wählerschaft wird in Zürich niemand Mitglied der Stadtregierung. Deshalb schielen die drei Kandidaten für die Nachfolge von FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder gespannt auf den 17. Januar. Dann entscheiden die SP-Delegierten, wen sie am 3. März unterstützen wollen. Zur Wahl stehen Marco Camin (FDP), Daniel Hodel (GLP) und Richard Wolff (AL).

Auf den ersten Blick liegen die Kandidaten der Grünliberalen und der Alternativen Liste näher bei der SP. Doch nun nimmt mit Nationalrat Martin Naef ein erster prominenter Sozialdemokrat Stellung für Camin. Naef hat den Freisinnigen auf Facebook «geliked». «Es ist eine persönliche Sympathiebekundung», betont Naef auf Anfrage. Er kenne Camin aus der Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrats und habe gut mit ihm zusammengearbeitet.

«Ein guter Typ»

Ausserdem sei Camin ein «guter Typ»: verlässlich, solid, in Zürich verankert – und vor allem ein sozialer Arbeitgeber, der zu seinen Mitarbeitern schaut, wie Naef sagt. Er könne sich einen Stadtrat Camin gut vorstellen. «Das wäre gut für Zürich», so Naef weiter. «Camin verkörpert eine FDP, die mir nähersteht als grünliberale Sparer.» Die anderen Kandidaten Hodel und Wolff kenne er persönlich zu wenig.

Ob Naefs Haltung in der SP-Basis mehrheitsfähig ist, bleibt vorerst offen. Die SP kann sich zurücklehnen, weil sie bereits vier von neun Stadtratsmitgliedern stellt und zusammen mit den beiden Grünen eine solide Mehrheit erreicht. Partei-Co-Präsidentin Andrea Sprecher sagt, alle Optionen seien offen. Hodel und Wolff seien aus SP-Sicht «keine automatischen Kandidaten». «Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir Marco Camin unterstützen», sagt Sprecher. Anträge für die Delegiertenversammlung sind ihres Wissens noch nicht eingetroffen. «Die Ausgangslage macht es unseren Delegierten nicht einfach», meint sie.

Obersparer Hodel hats in der SP schwer

In der Partei gebe es Stimmen, die der Meinung seien, dass ein bürgerlicher Sitz neu zu besetzen sei und eine politische Mischung im Stadtrat wünschbar sei. Gemäss Sprecher gibt es aber auch einen Flügel, welcher die Chance zur Stärkung der Linken sieht. Mit anderen Worten: Auch Gemeinderat Wolff hat seine Anhänger.

Der grünliberale Kantonsrat Daniel Hodel hat es im linken politischen Spektrum schwer, weil er in der jüngsten Budgetdebatte Sparanträge gestellt hat, die sogar der SVP zu weit gingen. So wollte er 10 Millionen Franken bei der Kantonspolizei einsparen. Auch sind in den linken Parteien viele enttäuscht, dass die Grünliberalen nicht mit Samuel Dubno einen Gemeinderat ins Rennen geschickt haben. Die Linke kooperiert im Stadtparlament viel besser mit der GLP als auf Kantonsebene. Viele bedauern auch, dass der prominente AL-Kantonsrat und BVK-PUK-Präsident Markus Bischoff nicht kandidieren wollte.

Am 10. Januar traben alle drei Kandidaten zu Hearings bei der Geschäftsleitung der städtischen SP an. Sie wird darauf ihren Antrag an die Delegierten formulieren.

Camin freuts

Die Sympathiebekundung Naefs freut Marco Camin. Der FDP-Kandidat hat aufgrund der bisherigen Reaktionen festgestellt, dass er «in dieser Konstellation für Teile der SP sicher wählbar» sei, wie er sagt. Das bedeute aber nicht, dass er sich mit seinen Positionen nach links oder rechts bewegen werde. Sondern er werde seiner Haltung und Offenheit treu bleiben. Dass er in der linken Wochenzeitung «P.S.» auf der Frontseite inseriert habe, habe nichts mit irgendeiner politischen Annäherung zu tun. Sondern es handle sich um eine Bewerbung bei möglichen Wählern, sagt Camin.

Ein Schmusekurs mit links wäre auch taktisch nicht klug, da Camin von der SVP-Parteileitung unterstützt wird. Die SVP erwartet im Gegenzug, dass die FDP ihre Kandidatur(en) bei der Gesamterneuerungswahl 2014 unterstützt.

Linker Überhang in Camins Facebook-Freundeskreis

In Camins Unterstützungskomitee sitzen derzeit nur drei SVPler, aber keine Linken. Ausgewogener siehts auf Facebook aus. Unter den mehr als 1000 «Friends» Camins sind mehr Sozialdemokraten, Grüne und Alternative als SVP-Leute. Auffallend ist vor allem das gute Dutzend SP-Kantonsratsmitglieder, während die SVP-Kantonsratsfraktion nur fünf «Camin-Friends» stellt.

Aus dem Nationalrat sind mit acht Mitgliedern hingegen mehr SVP-Gewählte mit Camin befreundet als SPler (drei). Handkehrum stellen sowohl SP wie Grüne einen amtierenden Zürcher Stadtrat und die SP gar einen Regierungsrat. Zumindest auf Facebook kann Camin auch auf prominenten Zuspruch der Grünliberalen zählen.

Mit Wolff sind drei der vier SP-Stadtratsmitglieder befreundet

Daniel Hodel hat seine Facebook-Freundschaften nicht öffentlich gemacht, ein Komitee existiert noch nicht. Allerdings ist er auch erst kurz vor Weihnachten von der Parteibasis nominiert worden.

Richard Wolff hat auf Facebook weniger «Friends» (346), aber mehr SP-Freunde als Camin. Unter ihnen figurieren sogar drei der vier amtierenden SP-Stadtratsmitglieder, eine Winterthurer SP-Stadträtin und ein SP-Regierungsrat.

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