Der Fluch der Langstrasse Nummer 83

Zahllose Clubs sind an dieser Zürcher Adresse schon gescheitert. Jüngstes Opfer ist das Babette, dessen Spur zu einem verurteilten Pleitier aus Luzern führt.

Der Club Babette findet im Haus an der Langstrasse 83 nicht das erhoffte Glück.

Der Club Babette findet im Haus an der Langstrasse 83 nicht das erhoffte Glück. Bild: Samuel Schalch

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Mit lauten Worten und grossen Versprechen mag man die Leute in Zürich begeistern. Aber nicht in jedem Fall. Und vielleicht noch weniger, wenn man von auswärts kommt. So ist es dem Luzerner Partyorganisator Patrick Etter ergangen, der als Geschäftsführer des Clubs Babette das Lokal an der Zürcher Langstrasse 83 mit Technomusik neu beleben wollte. Jenen Ort, an dem in den letzten zehn Jahren schon unzählige Clubs gescheitert waren.

Anfang Jahr verkündete Etter, dass er und sein Team es an diesem Ort schaffen würden. Sie gaben sich überzeugt, dass es nicht am Lokal und an der hohen Miete liege, wenn der Clubbetrieb da bis anhin nicht funktioniert habe. 25'000 Franken könnten sie monatlich gut stemmen. Selbst vor dem Vermieter Fredy Schönholzer schreckte er nicht zurück. Dieser ist als Figur aus dem Zürcher Rotlichtmilieu bekannt und als Herrscher über ein beachtliches Immobilienimperium. Etter machte für den Misserfolg seiner Vorgänger schlechtes Wirtschaften geltend und sagte damals selbstsicher: «Es ist sicher zu schaffen.»

Nach vier Monaten ausgestiegen

Doch Babette-Geschäftsführer Etter ist bereits vier Monate nach der Eröffnung von der Bildfläche verschwunden. Bei vielen Partygängern waren die grossen Worte nicht gut angekommen, der Publikumszuspruch war gering. Seit Juni steht das Lokal zur Neuvermietung ausgeschrieben. Die offizielle Internetseite wird nur noch sporadisch aktualisiert. Wer über den offiziellen Kanal Kontakt mit den Clubverantwortlichen aufnehmen will, läuft ins Leere.

Zwar finden im Babette nach wie vor Partys statt, so auch am vergangenen Wochenende. Als Organisator wirkt der Innerschweizer Soulis Iskos. Doch für Szenekenner ist längst klar, dass das Ende des Clubs nur noch eine Frage der Zeit ist.

Bekanntes Brüderpaar

Nach wie vor als Mieterin des Lokals aufgeführt ist die LH Gastro-Gesellschaft aus dem luzernischen Kriens. Sie ist laut Handelsregister spezialisiert auf die Führung von Restaurationsbetrieben und auf die Planung und Durchführung von Events aller Art. Ihren Sitz hat die Gesellschaft im Hotel Himmelrich, Verwaltungsrat der gleichnamigen Gesellschaft ist der Mazedonier Urim Baftiri. Dieser wiederum ist der Bruder von Afrim Baftiri, einer der schillerndsten Figuren in der Luzerner Hotel- und Clubszene.

Afrim Baftiri führte einst das Hotel Sternen in Beckenried, das Hotel Flora in Weggis, das Hotel Himmelrich und den Club Froschkönig in Kriens. In die Schlagzeilen geriet er diesen Frühling im Zusammenhang mit dem Jailhotel in der Luzerner Innenstadt. Baftiri hatte das Hotel 2002 als Pächter übernommen. Im Frühjahr 2017 schloss das Konkursamt die Gaststätte im ehemaligen Gefängnis. Die Hotelbetreiberin Globo Event AG, für die wiederum Urim Baftiri verantwortlich zeichnete, war zahlungsunfähig geworden. Fast gleichzeitig verurteilte das Luzerner Kantonsgericht Afrim Baftiri im Zusammenhang mit der Gründung der Globo Event AG, Tatbestand Urkundenfälschung und unwahre Angaben über kaufmännisches Gewerbe. Die Liegenschaftsbesitzer hatten das Mietverhältnis schon 2014 wegen Zahlungsunfähigkeit aufgelöst, der Fall zog sich vor Gericht aber hin, wie die «Luzerner Zeitung» schrieb.

Afrim Baftiri ist vor 20 Jahren aus Mazedonien in die Schweiz gekommen. Vor seinem Wirken in der Club- und Hotelszene war er Metzger in Kriens und Luzern. Er ist bekannt für seine häufig wechselnden Betriebsgesellschaften. Meist ist sein Bruder als Inhaber eingetragen. Derzeit fungiert Urim Baftiri im Luzerner Handelsregister mit drei Firmen: Hotel Himmelrich AG, Immobilien Zentralschweiz GmbH und Lucerne Immobilien GmbH.

Gerichtstermin am selben Tag

Für die Ablösung des Club Babette zuständig ist Wladimir J. Bissig, ein Freund von Baftiri. Bissig erwähnte auf telefonische Anfrage einen Gerichtstermin, den er im Zusammenhang mit dem Club wahrzunehmen habe. Danach war er für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar. Afrim Baftiri liess alle Anfragen unbeantwortet.

Zufall oder nicht: Gleichentags hatte auch Fredy Schönholzer, Besitzer der Liegenschaft, einen Gerichtstermin. Schönholzer räumte zwar ein, dass er nur vor Gericht ziehe, wenn der geforderte Mietzins nicht fliesse. Er bestätigte aber nicht, dass dies im Falle der Liegenschaft an der Langstrasse 83 so sei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2017, 13:29 Uhr

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