Der Islamische Zentralrat trifft sich heimlich in Zürich

Seit zwei Jahren narrt der IZRS die Stadt Zürich und versammelt sich in öffentlichen Gemeinschaftszentren. Auf Kosten der Steuerzahler.

Koranrezitation im grossen Saal des GZ Wipkingen Mitte Mai. Foto: IZRS, Facebook

Koranrezitation im grossen Saal des GZ Wipkingen Mitte Mai. Foto: IZRS, Facebook

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Der Islamische Zentralrat Schweiz hat Mitte Mai, im Fastenmonat Ramadan, heimlich eine Veranstaltung in Zürich abgehalten. Vom gemeinsamen Fastenbrechen mit Koranrezitation zeugen Fotos, die der IZRS auf Facebook veröffentlichte. Diese Bilder wurden im GZ Wipkingen aufgenommen, wie die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren auf Anfrage bestätigt. Der IZRS hatte den Anlass öffentlich angekündigt, allerdings ohne Angabe des genauen Veranstaltungsorts.

Dass sich die Salafisten des IZRS ungestört in der Stadt Zürich treffen können, ist besonders ärgerlich für Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). Er war es, der vor zwei Jahren eine härtere Gangart gegenüber Islamisten und auch gegenüber Rechtsradikalen ankündigte. Auslöser war damals eine geplante Veranstaltung des Islamrats im World Trade Center in Zürich-Seebach. Fehr gelang es, die Konferenz zu verhindern, worauf der Islamrat nach Istanbul auswich. Doch auch dort stellten die türkischen Behörden den Schweizer Salafisten rechtzeitig den Strom ab.

GZ erhalten Steuergelder

Fehr appellierte damals auch an die Zivilgesellschaft, Salafisten und Rechtsextremisten keine Säle mehr zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch heute noch, wie die Sicherheitsdirektion bestätigt: «An unserer Haltung zum IZRS hat sich nichts geändert. Wir dulden keine öffentlichen Veranstaltungen des IZRS und setzen alles daran, öffentliche Veranstaltungen von jeglichen extremistischen Gruppierungen im Kanton Zürich zu verhindern. Extremistische Aktivitäten stehen auch weiterhin im Fokus der Kantonspolizei.»

Dass sich im IZRS auch Extremisten sammeln, liess sich spätestens mit der Verurteilung von Vorstandsmitglied Naim Cherni wegen Propaganda zugunsten von Al-Qaida erahnen. Das Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona wurde ans Bundesgericht weitergezogen und ist noch nicht rechtskräftig. Es gilt deshalb die Unschuldsvermutung.

Es wirkt nun besonders peinlich, dass sich der Islamrat ausgerechnet in Räumen der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren einmieten konnte. Diese ist nämlich der grösste Vertragspartner des stadtzürcherischen Sozialdepartements im Bereich Soziokultur. Die Stiftung erbringt im Auftrag der Stadt definierte Leistungen für die Bevölkerung der verschiedenen Quartiere, wie das Sozialdepartement schreibt. Dafür erhalten die Gemeinschaftszentren jedes Jahr vom Zürcher Steuerzahler millionenschwere Subventionen. Dass davon auch die Salafisten des IZRS profitieren, ist ein Schlag ins Gesicht der Zürcher Behörden und Steuerzahler.

Die Mietanfrage beim GZ Wipkingen sei völlig unverdächtig gewesen, und eine Verbindung zum Islamrat habe man zu keinem Zeitpunkt erkennen können, behauptet das Sozialdepartement. Hätte man vorab gewusst, dass der IZRS einen Anlass durchführen wolle, wären die Räume nicht vermietet bzw. die Veranstaltung wieder abgesagt worden. Dass man den Charakter der Veranstaltung nicht habe erkennen können, entspricht allerdings nicht der Wahrheit. Unter den Personen, die den Mietvertrag mit dem GZ Wipkingen unterschrieben und dabei als Zweck eine Familienfeier angaben, befand sich auch ein Vorstandsmitglied des IZRS. Eine einfache Google-Suche hätte das offengelegt. Dieselbe Person unterhält übrigens bei der Credit Suisse in Zürich ein Bankkonto, auf das die Mitgliederbeiträge des IZRS eingezahlt werden.

Spendengelder für Syrien

Vom Treffen erfahren hat die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren erst nachträglich von den «Sicherheitsbehörden des Bundes» – damit ist wohl der Nachrichtendienst des Bundes gemeint. Weil der Ramadan auch der Monat des Koranlesens und -auswendiglernens ist, wurden an der Veranstaltung ausgiebig Suren auf Arabisch rezitiert – etwas absolut Harmloses.

Die Rezitationen fanden unter Aufsicht eines syrischen Imams statt, der auf den Fotos des Islamrats gut zu erkennen ist. Dieser Mann ist wiederum der Bruder des Imams der grossen Moschee von Volketswil. Ebenfalls auf den Bildern zu erkennen ist ein Führungsmitglied des Islamrats, das mit seinem UBS-Konto Geld für die Hilfsaktionen des IZRS in der syrischen Unruheprovinz Idlib sammelt.

Eine Verbindung zum Islamrat habe man zu keinem Zeitpunkt erkennen können, erklärt das Sozialdepartement.

Wer genau von diesen Spenden profitiert, bleibt unklar, denn die Hilfsorganisation veröffentlicht keine aktuellen Tätigkeits- und Finanzberichte. Auf ihrer Website wirbt sie aber unter anderem mit einem Foto von IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni. Dieser streckt den rechten Zeigefinger aus, eine Geste, mit welcher der Glaube an einen einzigen Gott symbolisiert werden soll. Das Symbol wird auch gerne von radikalen Islamisten verwendet.

Die Provinz Idlib, wohin die Spendengelder fliessen, wird inzwischen grösstenteils von Jihadisten kontrolliert. Wer nicht auf das UBS-Konto überweisen möchte, kann seine Spende auf Anfrage auch in bar jener Person überbringen, die den Mietvertrag mit dem GZ Wipkingen unterschrieben hat.

Das Fastenbrechen im GZ Wipkingen stellt allerdings nur eine von vielen Veranstaltungen dar, die der Islamrat in den letzten beiden Jahren in Zürich organisierte. Die meisten von ihnen fanden in einem Fitnesszentrum in Altstetten statt, das dem IZRS nahestehende Personen vor zwei Jahren gegründet hatten. Dem muslimischen Kraft- und Kampfsportstudio angeschlossen waren auch Seminarräume, die der Islamrat zum Teil orientalisch einrichten liess und in denen er mindestens eine Generalversammlung abhielt.

Kompliziertes System mit Briefkastenfirmen

Eingeladen wurde unter anderem der deutsche Hassprediger Abul Baraa, der sich öffentlich für die hierzulande verbotene Genitalverstümmelung von Mädchen starkmachte. Kurz vor der Veranstaltung in Wipkingen geriet das Fitnessstudio allerdings in finanzielle Schieflage. Das Inventar wurde darauf im Internet verhökert, und die Immobilienverwaltung liess die Türschlösser der Räume entfernen. Damit verlor der IZRS seine Zürcher Seminarräume. Kurz darauf wurde er aber, zumindest für ein einziges Mal, bei der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren fündig.

In einem grossen Gebäude hinter dem ehemaligen Kraft­sportzentrum befinden sich eine ganze Reihe Briefkastenfirmen, die alle mit dem Clan eines führenden Islamratsmitglieds verbandelt sind. Dieses war auch immer wieder an der Rezeption des Fitnessstudios anzutreffen. Im Firmennetzwerk des Familienclans ergibt nicht immer alles einen wirtschaftlichen Sinn. So befindet sich die Zweigniederlassung einer GmbH nur wenige Schritte vom ehemaligen Fitnesszentrum entfernt, während ihr Hauptsitz im benachbarten Schlieren eingetragen ist.

Zweck dieser sonderbaren Konstellation könnte es sein, mithilfe von Handelsregistereinträgen möglichst viele Firmenkonten bei Banken zu eröffnen. Wozu diese Konten dienen und ob darüber auch IZRS-Gelder verschoben werden, ist eine Frage, welche die Behörden interessieren könnte.

Erstellt: 10.06.2019, 21:09 Uhr

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