Soll die Stadt diese Pergola kaufen?

1000 Personen haben eine Petition für einen neuen Kulturraum im Migros-Pavillon am Kreuzplatz unterzeichnet. Die Stadt ist skeptisch – und die Zeit drängt.

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Bekommen sie es? Oder bekommen sie es nicht? Seit Monaten kämpfen Quartierbewohner aus dem Kreis 7 um ein Provisorium, dem bald der Abbruch droht. Der Containerbau, den die Migros an der Merkurstrasse als Ladenfläche nutzt, bis der neue Supermarkt am Kreuzplatz am 26. September den Betrieb aufnimmt.

Die Quartierbewohner wollen den markanten Pavillon, den Architekt Christoph Haerle wie eine Pergola mit Rankpflanzen und Dachterrasse gestaltet hat, nach dem Auszug der Migros erhalten und zum «Kulturpavillon 7» umnutzen (siehe Box). Das geht allerdings nicht ohne die Hilfe der Stadt Zürich. «Den Betrieb des Pavillons können wir finanzieren, nicht aber die Übernahme des Provisoriums», sagt Mischa Schiwow, AL-Gemeinderat und Vorstandsmitglied des im März gegründeten Vereins Begegnungs- und Kulturzentrum Kreis 7.

Migros senkt Kaufpreis für Pavillon

Die Stadt ist allerdings der Meinung, dass der Bedarf an soziokulturellen Einrichtungen im Quartier bereits gedeckt ist. Deshalb haben die Vereinsmitglieder eine Petition für ihr Projekt lanciert. Rund 1000 Personen haben sie unterzeichnet. Am Mittwoch wird der Verein die Unterschriftensammlung dem Stadtrat übergeben. Laut Schiwow dürften damit die Zweifel am Bedarf einer solchen Kultureinrichtung zerschlagen sein, denn «99 Prozent der Petitionäre kommen aus dem Quartier oder gehen hier zur Schule.»

Auch die Migros begrüsst die Idee, das Provisorium als Kulturpavillon zu nutzen. Bereits im Herbst 2018 hat sie ihre Bereitschaft signalisiert, der Stadt das Provisorium zu verkaufen. «Um das Projekt zu ermöglichen, haben wir den Kaufpreis von 2,3 auf 1,7 Millionen Franken gesenkt», sagt Migros-Sprecher Francesco Laratta. Ob die Migros dereinst auch Veranstaltungen im Pavillon mit Förderbeiträgen des Migros-Kulturprozents unterstützen wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Wir warten derzeit noch auf den Entscheid der Stadt.» Dieser werde «in diesen Tagen» erwartet, so Laratta.

Nutzung wäre auf fünf Jahre beschränkt

Das Zürcher Finanzdepartement hat inzwischen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Nutzung des Provisoriums angestellt und Ende Mai dem Verein zugesandt. «Unsere Berechnungen sind auf einen Zeitraum von rund fünf Jahren ausgelegt», sagt Patrick Pons, Medienverantwortlicher des Departements. «So lange könnte das Provisorium am heutigen Standort stehen bleiben. Danach nutzen die SBB das Grundstück für Bauinstallationen zur Erweiterung des S-Bahn-Netzes.»

«Allein die Anpassung des Gebäudes für die weitere Zwischennutzung würde 150'000 Franken kosten.»Patrick Pons,
Leiter Kommunikation Finanzdepartement Zürich

Gemäss diesen Berechnungen würde sich der jährliche Nettomietzins für das Provisorium auf 370'000 Franken belaufen. Vermietet die Stadt das Provisorium im Rahmen ihres Raumbörsen-Angebots als Kulturraum, dann würde der Nettomietzins bei 80'000 Franken pro Jahr liegen. Dabei würde der Stadt allerdings über die gesamte Dauer der Zwischennutzung ein Defizit von rund 1,75 Millionen Franken entstehen.

Vor diesem Hintergrund sei die Anschaffung aus Sicht der Stadt nicht sinnvoll, sagt Pons. «Allein die Anpassung des Gebäudes für die weitere Zwischennutzung würde 150'000 Franken kosten. Auch eine Versetzung des Pavillons nach Ablauf der Nutzungsfrist müsste die Stadt finanzieren – ganz abgesehen davon, dass erst ein neuer Standort gefunden werden müsste.» Trotzdem ist gemäss Pons noch nicht entschieden, ob die Stadt den Pavillon kauft oder nicht. «Zunächst müssen wir den Budget-Entwurf des Vereins überprüfen.»

Hoffen auf Sponsoren und Spenden

Der Verein budgetiert mit einem Mietzins von 80'000 Franken und will vor allem mit dem Bistrobetrieb im neuen Kulturpavillon, aber auch mit Veranstaltungen und der Vermietung von Atelierräumen Einnahmen generieren. Er rechnet auch mit Spendengeldern und weiteren Mitgliederbeiträgen. Laut Schiwow hat der Verein bereits 50 Mitglieder, sechs Personen sind im Vorstand aktiv. «Als wir die Unterschriften gesammelt haben, sind immer neue Leute beigetreten, die unser Projekt mit einem Mitgliederbeitrag von 50 Franken unterstützen. Wir werden aber zusätzlich Sponsoren finden müssen, und auch Crowdfunding ist eine Option.»

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Soll die Stadt den Pavillon kaufen?




Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen im Quartier oder der Offenen Jugendarbeit wird laut Schiwow angestrebt. Weil aber der Entscheid der Stadt über den Kauf noch nicht feststeht, könne der Verein seine Planung auch noch nicht konkretisieren und keine Gespräche über eine allfällige Zusammenarbeit führen.

Immerhin seien bisher noch keine Kritiken am Projekt oder zu allfälligen Lärmbelastungen geäussert worden – auch nicht von den Leuten, die in angrenzenden Wohnhäusern leben, so Schiwow. «Vielleicht, weil der Strassenlärm an dieser Stelle ohnehin schon sehr gross ist. Es hat schon seinen Grund, dass die Jugendmusikschule ausgerechnet neben dem Pavillon Übungsräume für Schlagzeug und Blasinstrumente eingerichtet hat.»


Was im neuen Kulturpavillon alles möglich sein soll

Der Verein Begegnungs- und Kulturzentrum Kreis 7 will im «Kulturpavillon 7» einen öffentlichen Raum schaffen, der generationenübergreifend verschiedenen Benutzergruppen offensteht. Insbesondere Schülerinnen und Schüler der umliegenden Sekundar- und Mittelschulen sollen die Möglichkeit haben, sich dort auch an den Wochenenden und am Abend zu treffen und dort Feste zu organisieren. Ausserdem will der Verein in dem Pavillon Festivals, Konzerte, Film-, Tanz- und Theateraufführungen aber auch Lesungen und Ausstellungen durchführen. Das Betriebskonzept sieht auch ein Bistro samt Aussenbereich auf der Dachterrasse vor, das täglich offen ist. Einen Teil der Räume will der Verein als Übungsräume oder Ateliers vermieten. (tif)

Erstellt: 04.06.2019, 11:20 Uhr

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