Der Kreuz- ist vor allem Bauplatz

Nach zwei Jahren Bauzeit nimmt die neue Migros-Filiale auf dem Kreuzplatz Gestalt an. Noch vor der Eröffnung geht es auf dem Platz weiter mit Strassenbauprojekten.

Aus alt wird neu: Wie der Kreuzplatz bald aussehen wird.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es benötigt zwar noch etwas Vorstellungskraft, aber dort, wo heute rohe Betonwände in den Himmel ragen, kann man noch in diesem Jahr Grosseinkäufe tätigen. Nach rund zwei Jahren Bauzeit nimmt das neue Migros-Gebäude auf dem Platz am Rand des Kreuzplatzes langsam Gestalt an. «Wir kommen gut voran», sagt Stefan Ghisleni von Ghisleni Partner AG. Er ist der Gesamtleiter des Bauprojekts. Der Ausbau der drei Untergeschosse laufe, und die Installation der Gebäudetechnik sei dort grösstenteils schon erfolgt.

Für die Umsetzung des Migros-Ersatzneubaus des Zürcher Architekturbüros von Ballmoos Krucker galt es, einige Hürden zu nehmen. Der Architekturwettbewerb war zwar schon 2012 abgeschlossen. Aufgrund zahlreicher Änderungen der Zürcher Bau- und Zonenordnung musste das Unternehmen das Projekt aber mehrmals anpassen.

Enge Platzverhältnisse beim Rückbau

«2016 haben wir schliesslich die Baubewilligung und 2017 die Baufreigabe erhalten, da es nach der Baueingabe erfreulicherweise nur wenige Einsprachen gab», sagt Ghisleni. Allerdings war auch der Rückbau der bestehenden Gebäude aufgrund der engen Platzverhältnisse komplex und hat rund ein Jahr in Anspruch genommen.

Ebenso aufwendig fielen die Aushubarbeiten aus. Man sei, erklärt Ghisleni, mit den Erdankern der Baugrubensicherung bis zwei Meter an den Tunnel der Durchmesserlinie zwischen Bahnhof Stadelhofen und Tiefenbrunnen herangestossen.

Ist der geschwungene Bau mit seinen Fensterfronten und der Fassade aus Sichtbeton fertiggestellt, schliesst er die letzte Lücke im Süden des Platzes. Mit seiner Höhe von 18 Metern und dem muralen Charakter gliedert er sich ein in das Gesamtbild der angrenzenden Häuser.

Zentraler Einkaufsort

Wie bereits einige der bestehenden Gebäude wird auch der Migros-Neubau eine Kolonnade haben, sodass Fussgänger den Kreuzplatz künftig fast vollständig im Schutze von Arkadengängen umrunden können. Das dürfte von Vorteil sein, denn für die Quartierbewohner ist er ein zentraler Einkaufsort.

Diesem Ort, wo sich die drei ehemaligen Gemeinden Hirslanden, Hottingen und Riesbach vereinen, kommt auch im Zürcher Bedeutungsplan ein hoher städtischer und regionaler Stellenwert zu. Der Bedeutungsplan zeigt das Netz der wichtigsten Stadträume für das öffentliche Leben aus Fussgängersicht auf.

Der Bedeutungsplan der Stadt Zürich: Zum Vergrössern anklicken

Zwar sei der Kreuzplatz heute stark vom Verkehr geprägt, und es gebe wenig Aufenthaltsmöglichkeiten, sagt Meret Peter, die Sprecherin des Amts für Städtebau. Mit den zahlreichen öffentlichen Nutzungen in den Erdgeschossen gewinne er aber an Attraktivität. «Der Neubau der Migros führt dieses Prinzip weiter und trägt zur zusätzlichen Belebung des Platzes bei.»

Abstimmungskampf für Handwerkerhäuser

Das Gesicht des Platzes hat sich im letzten Jahrhundert grundlegend gewandelt, als einzelne angrenzende Kleinparzellen zu grösseren Baufeldern zusammengelegt wurden und darauf in der Folge mehrgeschossige Liegenschaften entstanden sind. Einzig in der Platzmitte beherrscht noch immer die Tramwartehalle das Bild, die 1918 im Stil eines antiken Rundtempels nach Plänen des Stadtbaumeisters Friedrich Fissler errichtet wurde. Die Wartehalle mit ihren Säulen und Putzmalereien an der Kuppeldecke von Kunstmaler Wildhelm Hartung wirkt wie eine Zeitkapsel aus der Vergangenheit, während rundherum kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist.

Wurden abgerissen: Die Handwerkerhäuser im Nordosten des Kreuzplatzes (Bild: Archiv TA)

Nicht immer gingen die Veränderungen geräuschlos vonstatten. Für den Erhalt alter Handwerkerhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert zwischen Klosbachstrasse, Zeltweg und Artergut wurde im Januar 2000 sogar eine Volksinitiative eingereicht. «Rettet den Kreuzplatz» hatte an der Urne aber keine Chance: Die Stimmberechtigten lehnten die Vorlage am 23. September 2001 mit grossem Mehr ab.

Seit 2004 steht nun im Nordosten des Platzes ein Block mit 23 Wohnungen, Büros und Restaurant. Auf der Freifläche, die durch den Abriss der Handwerkerhäuser entstanden ist, findet jeweils mittwochs ein Markt statt.

Schlagzeilen in New York

Auch für den Migros-Neubau musste ein markantes Haus weichen, das 1975 mit seiner Fassadengestaltung selbst in New York für Schlagzeilen sorgte: das Regenbogenhaus. Während man in Zürich darüber debattierte, ob die bunte Bemalung der Mauern Kunst am Bau oder einfach nur geschmacklos sei, war es in Übersee der Umstand, dass die amerikanische Gebäudemalerei nun auch ihren Weg nach Europa gefunden hatte.

Sorgte in den 70ern für Schlagzeilen: Das Regenbogenhaus (Bild: Dieter Seeger/TA)

Anders als bei den Handwerkerhäusern gab es beim Abriss des Regenbogenhauses aber keine Proteste. Auch die alte Migros sei kein architektonisches Bijou gewesen, dem man nachtrauern müsste, sagt Urs Frey. Zwar findet der Präsident des Quartiervereins Riesbach den Migros-Neubau ebenfalls gesichtslos und sieht darin einen Riegel zwischen dem Platz und den dahinterliegenden Quartieren.

Für ihn gibt es aber weitaus wichtigere Aspekte, die es anzugehen gilt. «Der Platz hat zu viel Verkehr zu bewältigen. Dazu gab es ein hartes Ringen um neue Verkehrsführungen, welche durch Einsprachen gestoppt und mittlerweile im Sand verlaufen sind», sagt er. Nach wie vor ärgerlich findet er die schmale Haltekante für Tram und Forchbahn stadtauswärts.

Strassenarbeiten im März

Eine Gesamterneuerung des Kreuzplatzes ist laut Meret Peter zurzeit nicht geplant. Erst mit dem Ersatz der Gleise werde die Platzgestaltung «angeschaut». Die Erneuerung der Tramweichen und des Strassenbelags sei auf allen fünf Strassen im Kreuzungsbereich in den nächsten Jahren erforderlich. Auf dem Zeltweg zwischen Kreuzplatz und Merkurstrasse sei zudem die Einführung einer Busspur Richtung Heimplatz geplant.

Bereits Anfang März 2019 beginnen laut Peter die Bauarbeiten in der Zollikerstrasse. Das Bauprojekt beinhalte die Erneuerung der Wasserleitungen, diverser Werkleitungen und des Strassenbelags. «Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im September 2019 abgeschlossen sein», sagt Peter.

Erstellt: 28.01.2019, 09:30 Uhr

Was es im Migros-Neubau geben wird

Mit dem Neubau verdoppelt sich die Verkaufsfläche der Migros-Filiale am Kreuzplatz. Im neuen Gebäude wird es unter anderem einen Alnatura-Bio-Supermarkt und auch wieder einen Fischmarkt geben.

Neben den Ladenflächen im Unter-, Erd- und 1. Obergeschoss befindet sich im 2. Obergeschoss neu ein Activ Fitness, im 3. Obergeschoss hat sich eine Physiotherapie-Praxis eingemietet. Wer die Büroräume im Attika-Geschoss mieten wird, steht noch nicht fest. Gemäss Migros-SprecherFrancesco Laratta finden derzeit entsprechende Gespräche statt.

Der Neubau verfügt über eine Tiefgarage mit 26 Parkplätzenfür Kunden. «Wir haben auf weitere Parkplätze verzichtet, weil wir keinen Mehrverkehr im Quartier verursachen wollten. Mietparkplätze gibt es keine», sagt Laratta. (tif)

Artikel zum Thema

Umbau Kreuzplatz auf unbestimmt verschoben

Bis die schmale Traminsel am Kreuzplatz verbreitert wird, dauert es noch Jahre. Baustellen konkurrenzieren sich gegenseitig. Mehr...

Forchbahn-Führer trägt Schuld an Kollision am Kreuzplatz

Nun ist klar, wie es zur Kollision von zwei Forchbahnen kommen konnte: Einer der beiden Fahrer schaute auf das falsche Signal. Mehr...

Die heikelsten Haltestellen Zürichs

Kaum eine Stadt räumt dem Tramverkehr mehr Platz ein als Zürich. Trotzdem sind Passagiere an Haltestellen oft heiklen Situationen ausgesetzt. Tagesanzeiger.ch zeigt die neuralgischen Punkte. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...