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Der Kunst für alle Raum geben

Einer Stadt, die sich «kulturelles Zentrum» nennt, dürfen ein paar hoch subventionierte Spielstätten nicht reichen.

Wer Unterhaltung im Freien geniessen will, muss nicht zwingend Eintritt für ein Open Air bezahlen. Auf ­Zürichs Strassen findet sie kostenlos statt. Ein Spaziergang entlang des Seeufers entpuppt sich als multikulturelles Feuerwerk: Ein Mariachi-Duo folgt auf einen Akkordeonspieler, ein Jongleur performt neben ­einem Seifenbläser. Dasselbe im Niederdorf. Doch in der Altstadt unterhalten die Künstler illegal. Womit das Hauptproblem sichtbar wird: Das Zürcher Gesetz kann mit der lebendigen Strassenkunst-Szene nicht mehr Schritt halten. Selbst dort, wo es eigentlich gar keine Regelung brauchte. Am Seeufer werden die Künstler angehalten, den Standort alle 20 Minuten zu wechseln. Eine Vorschrift, an die sich kaum einer hält, die von einigen gar als Schikane empfunden wird.

Strassenkünstler suchen neue Plätze, weil die ­bisherigen nicht mehr ausreichen. Zwischen Badenden, Glaceständen und Ghettoblaster eingequetscht, musiziert es sich nicht für alle angenehm. Das vermehrte Aufkommen der Künstler freut Touristen, einheimische Passanten und die meisten Cafébesitzer. Leidtragende sind Anwohner, die teils zu Recht eine ­erhöhte Lärmemission beklagen. Die Stadt hat nun zwei Möglichkeiten: Sie lässt vermehrt Polizisten ­patrouillieren, oder sie setzt die Forderung nach einer Strassenkunst-Liberalisierung durch. Letzteres wäre zeitgemässer – und sozialer. Eine Stadt, die sich auf ­ihrer Website als «kulturelles Zentrum» bezeichnet, muss Kunst für alle verfügbar machen. Ein paar hoch subventionierte Spielstätten reichen nicht aus, um dem Bedürfnis nach freudiger Ablenkung in einer ­leistungsorientierten Stadt nachzukommen.

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