Der letzte Anlauf

Die Stadt kommt den Investoren bei den Baurechtsverträgen für das neue Stadionprojekt auf dem Hardturmareal entgegen. In vier Jahren soll Fussball gespielt werden.

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Dieses Mal soll es mit dem neuen Fussballstadion auf dem Hardturmareal endlich klappen. Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) zeigte sich gestern an der Präsentation des «nächsten Meilensteins» des neuen Stadionprojekts optimistisch: «Das Projekt ist absolut mehrheitsfähig.» Aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt. «Das Projekt respektiert den Volkswillen, der kein von der Stadt finanziertes Stadion möchte.» Auch das Quartier, Parteien, die Polizei und etwa die stadionkritische IG Hardturm seien in die Planung miteinbezogen worden. Der private Gestaltungsplan ist eingereicht, und die Baurechtsverträge stehen nun vor dem Abschluss.

Läuft es so, wie es sich der Zürcher Stadtrat und die Totalunternehmerin und Projektentwicklerin HRS vorstellen, spielen der FC Zürich und die Grasshoppers bereits in der Saison 2021/22 im neuen Stadion: auf dem 55'000 Quadratmeter grossen Hardturmareal, zwischen zwei 137 Meter hohen Häusern im Westen und einem 25 Meter hohen Genossenschaftsbau im Osten und mit Solarzellen auf dem Stadiondach. 18'000 Fans könnten dort bei den Heimspielen der beiden Zürcher Clubs mitfiebern. Das letzte Wort haben aber der Gemeinderat und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger – frühestens im November 2018 käme es zu einer dritten Stadionabstimmung in der Stadt Zürich.

Stadt verzichtet auf Millionen

Die Finanzierung ist aus Sicht von Stadtrat Leupi der Trumpf des neuen Stadionprojekts: «Die Stadt zahlt nichts an Bau und Betrieb des Stadions.» Die privaten Investoren finanzieren den Bau des Stadions vor allem aus dem Ertrag der rund 600 Wohnungen in den Hochhäusern. Trotzdem wird die Finanzierung bei den Kritikern noch zu reden geben. Der Grund: Die Stadt Zürich kommt den Investoren entgegen.

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Die gesamten Investitionen betragen 570 Millionen Franken. Diese teilen sich die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die Stadion Züri AG sowie die beiden Immobilienfonds Siat Im­mobilien AG und Interswiss Immobilien AG sowie die Credit Suisse Anlagestiftung. Damit die privaten Investoren auf dem städtischen Land bauen dürfen, gewährt ihnen die Stadt vier Baurechtsverträge mit einer Laufzeit von 92 Jahren: einen für das Baufeld mit den Genossenschaftswohnungen (A), einen für das Stadion (B) und je einen für die Hochhäuser (C 1 und C 2). Dafür erhält die Stadt jährlich Baurechtszinsen von insgesamt rund 1,2 Millionen Franken.

Theoretisch könnte die Stadt aber mehr für das Land verlangen, maximal 2,9 Millionen Franken. Leupi sagt: «Damit die privaten Investoren das Stadion realisieren können, unterstützt die Stadt das Projekt mit einem reduzierten Baurechtszins.» Somit verzichtet die Stadt auf jährlich wiederkehrende Einnahmen von 1,7 Millionen Franken für die Baufelder mit den Wohnhochhäusern.

Neue Passerelle für die Fans

In groben Zügen hat die Projektentwicklerin HRS das Stadionprojekt mit dem Namen «Ensemble» seit der ersten Präsentation vor rund einem Jahr belassen. Das Konzept sei aber weiterentwickelt worden, sagt CEO Martin Kull. Auch den Schattenwurf habe HRS überprüft. Er gehe nicht über die Bernerstrasse hinaus, und das Quartier dürfte an einem Wintertag nicht mehr als zwei Stunden im Schatten der Türme sein.

Video: Das sagt der FCZ-Präsident zum neuen Stadion

«Eine optimale Lösung»: FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Video: Nicolas Fäs

Auf dem Areal sind neu auch offene Plätze geplant, in den Sockelbereichen der Gebäude sollen Gastroangebote und Läden das Quartier beleben. In den oberen Etagen sind auch Ateliers und Gewerberäume angedacht. Auch für die Fans hat das Projektteam Lösungen gefunden. Die FCZ-Fans bekommen eine Stehplatzkurve im Süden, die GC-Fans im Norden. Für die Gästefans wird es eine Passerelle über die Pfingstweidstrasse geben. «Diese reisen vom Bahnhof Altstetten her an und gelangen zuerst in eine Art Auffangbecken», sagt Kull. Dort finden Eintrittskontrollen statt. Danach geht es für die Zuschauer via Passerelle über die Pfingstweidstrasse – maximal 25 Personen gleichzeitig. «Unsere Simulationen haben ergeben, dass ein Fan nach der Ankunft am Bahnhof Altstetten innert 30 Minuten im Stadion ist.»

Dass Fans oberhalb der viel befahrenen Strasse ein Problem darstellen, glaubt Kull nicht. «Bierflaschen können dort keine rausgeworfen werden», sagt er, «die Fans sind in der Passerelle von einem engmaschigen Zaun umgeben.»

Die Clubs sind mit der Lösung zufrieden. Für sie geht es beim Projekt um viel, wie FCZ-Präsident Ancillo Canepa und GC-Präsident Stephan Anliker nach der Präsentation wiederholten. Sie versprechen sich mehr wirtschaftlichen Erfolg und mehr Emotionen im Stadion.

Trotz Daniel Leupis Optimismus herrscht an der Präsentation keine Euphorie. Das Projekt muss noch viele Hürden nehmen. Und alle Beteiligten sind sich einig. Wenn dieses Stadionprojekt scheitere, scheitere auch jedes andere auf dem Hardturmareal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2017, 23:25 Uhr

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