Der moderne Tanz muss in die Volksabstimmung

Jährlich 1,8 Millionen Franken soll das Tanzhaus Zürich künftig erhalten.

Das neue Tanzhaus hat auf der Limmatseite ein arkadenartiges Foyer. Visualisierung: PD

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Wenn es um die grossen Häuser und die grossen Beträge geht, sind die Zürcherinnen und Zürcher grosszügig – siehe Neubau Kunsthaus oder Sanierung Tonhalle. Die Subventionen für die kleinen Kulturhäuser werden in der Regel nur im Gemeinderat diskutiert. Dort stellt die SVP jeweils erfolglos Ablehnungs- und Kürzungsanträge, FDP und GLP erheben den Mahnfinger wegen stetig steigender Kosten, doch die rot-grüne Mehrheit verhilft allen Anträgen der Stadtpräsidentin zum Erfolg.

Ob das Volk der modernen Kunst ebenso gewogen ist wie der klassischen, zeigt sich voraussichtlich nächstes Jahr. Dann wird über die jährlich wiederkehrenden Beiträge an den Verein Tanzhaus Zürich abgestimmt. Es geht um einen Betriebsbeitrag von rund 870'000 Franken – 318'000 mehr als bisher – und um den Erlass der Miete für das neue Tanzhaus von höchstens 950'000 Franken. Zusammen macht das ab 2019 jährlich 1,82 Millionen Franken. Jede wiederkehrende Ausgabe von über einer Million muss zwingend in die Volksabstimmung. Der Antrag des Stadtrats liegt jetzt vor; voraussichtlich im Herbst entscheidet als Erstes der Gemeinderat.

Er hat im letzten März schon 15 Millionen Franken für den Neubau des Tanzhauses an der Wasserwerkstrasse bewilligt, ein Projekt der Churer Architekten Barozzi/Veiga. Das alte Tanzhaus im ehemaligen Websaal der Schweizerischen Textilfachschule war 2012 abgebrannt. Der Entscheid für den Neubau fiel mit 87 gegen 21; einzig die SVP lehnte ab, nachdem ihr Kürzungsantrag um zehn Prozent gescheitert war. Die GLP wollte eine Million sparen, blieb aber ebenfalls in der Minderheit, weshalb sie sich in der Schlussabstimmung der Stimme enthielt. Weil es sich um eine einmalige Ausgabe handelt, musste der Kredit nicht zwingend vors Volk. Ein Referendum wurde nicht ergriffen.

Zürichs Ruf steht auf dem Spiel

Für den Stadtrat ist die Unterstützung des Tanzhauses kulturpolitisch wichtig, weil es die einzige Institution in der Deutschschweiz ist, die sich der zeitgenössischen Tanzszene widmet. «Die Kunstform Tanz hat in den letzten Jahren in Zürich an Dynamik und Ausstrahlung gewonnen, u. a. mit dem Tanzfest ‹Zürich tanzt› und durch den Studiengang Bachelor Contemporary Dance an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Die Aufbauarbeiten der vergangenen Jahre haben international renommierte Kompanien hervorgebracht, die in Zürich trainieren, proben und produzieren. Für sie ist das Tanzhaus als Arbeitsort zentral.» Im Oktober 2018 soll das Tanzhaus, das gegenwärtig im Bau ist, den Betrieb aufnehmen.

Sollten die SVP und andere den Betriebsbeitrag fürs Tanzhaus bekämpfen, wird sich Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) ins Zeug legen müssen. Die verlorene Abstimmung über das Kunstprojekt «Nagelhaus» am Escher-Wyss-Platz hat gezeigt, dass es zeitgenössische Kunstformen auch im aufgeschlossenen Zürich schwer haben können.

Erstellt: 08.08.2016, 07:55 Uhr

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