Das pikante Detail des neuen Monsterbildschirms im HB

Seit heute wird der Fahrplan im Bahnhof Zürich auf einem 19 Meter breiten LED-Bildschirm angezeigt. Je 15 Quadratmeter aber sind für Werbung reserviert – hinten und vorne.

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Gigantisch und gestochen scharf: So kann man den neuen Generalanzeiger im Zürcher Hauptbahnhof charakterisieren. 19 Meter breit, 3,4 Meter hoch, 12 Tonnen schwer und mit je 2,3 Millionen Pixel vorne und hinten versehen. Das sind die technischen Daten des neuen LED-Bildschirms. Ein erster Augenschein zeigt: Die Gleisanzeigen sind sehr kontrastreich, der Bildschirm ist auch aus seitlichem Winkel sehr gut ablesbar.

Am auffälligsten ist allerdings die neue Vierteilung: Ein Viertel ist für den Fernverkehr reserviert, zwei Viertel für die S-Bahnen – und ein Viertel für die Werbung. In allen anderen Bahnhöfen, die bereits über einen neuen grossen LED-Anzeiger verfügen, ist das genau gleich. Und fast überall hat es Proteste von den Pendlern gehagelt.

Dafür muss ein anderer Bildschirm weg

In Zürich scheinen sich die SBB den neuen Werbeauftritt wohl überlegt zu haben. Alle Werbeauftritte im gesamten HB sind mit der Denkmalpflege koordiniert worden. Nach zehn Jahren haben beide eine neue Vereinbarung über die Nutzung des HB beschlossen. So wird im Gegenzug unter anderem der Grossbildschirm beim Abgang zum Shopville demontiert. Er wird heute ausgeschaltet, sobald die neue Anzeige perfekt funktioniert.

Entfernt werden laut SBB auch die beiden Blachenwerbungen oberhalb des Reisezentrums in der Haupthalle und der Rolltreppen Richtung Landesmuseum in der Querhalle. Bis Anfang 2019 sollen auch die Werbeflächen an den Prellböcken verschwinden. Damit wird der Blick wieder frei auf die wartenden SBB-Loks. Kleiner Wermutstropfen für stressgeplagten Pendler: Neu muss die Haupthalle nur noch an 140 Tagen vollständig leer sein, früher waren es 155 Tage.

Einzelne Pixel nicht zu erkennen

Den Viertel an Werbung auf dem neuen Bildschirm, vorne und hinten, verteidigt die SBB auch mit der Möglichkeit, die je 15 Quadratmeter auch für Kundeninformationen zu nutzen. Vorgesehen sind die Anzeige von Störungsmeldungen, alternativen Reisemöglichkeiten, Umleitungen oder Busersatz. Hauptargument sind aber natürlich die Werbeeinnahmen, die letztlich auch auf die Billettpreise durchschlagen.

Bis auf eine Distanz unter zehn Meter – also fast direkt darunter – sind beim neuen Monsterbildschirm die einzelnen Pixel nicht zu erkennen. Das grosse Gewicht von 12 Tonnen erklärt sich aus der Technik im Innern des Bildschirms. Jedes der rund 1000 LED-Module hat ein eigenes Gebläse. Die Energiekosten sind höher, die Wartungskosten dagegen praktisch gleich null.

Alter Anzeiger geht ins Museum

Der 27 Jahre alte Fallblattanzeiger ist in der Nacht auf Montag demontiert worden und erhält eine neue Bleibe: Das demnächst aufgehende Museum of Digital Arts im Hochhaus Migros Herdern übernimmt den Anzeigeklassiker und lässt ihn durch Künstler umprogrammieren. Aus Gleisangaben und Zielbahnhöfen werden neue Muster.

Notwendig wurde der Ersatz auch, weil der alte Anzeiger technisch veraltet war und der Lieferant längst nicht mehr existiert. Charakteristisch beim alten System war das Rascheln, wenn die hauchdünnen Plastikplättchen durch Schrittmotörchen jeweils in Position gebracht wurden. Bei Kälte und Feuchtigkeit klebten einzelne Plättchen jeweils aneinander. Der Anzeiger lieferte dann sehr kreative und poetische Fahrplandestinationen. So fuhr die S12 vom HB direkt nach Milano Centrale, und im HB gabs plötzlich auch mal ein Gleis 99, weil zwei Plättchen kleben blieben.

Erstellt: 20.10.2015, 12:33 Uhr

Eine neue Anzeigetafel für den HB

Die Montage der Tafel. Video: Martin Mützenberg/Youtube

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