Das halten Passanten von der Münsterhof-Wiese

Seit diesem Morgen ist der Platz vor dem Fraumünster in der Zürcher Altstadt grün. Das Kunstprojekt sagt nicht allen zu.

«Der Münsterhof war bisher ein toter Platz»: Das sagt eine der Befragten im Video. (Video: Anja Stadelmann und Lea Blum)

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Statt Kopfsteinpflaster dominiert auf dem Münsterhof seit diesem Morgen Magerwiese. Margeriten, Pechnelken und Zittergras stehen mitten auf dem Platz, eingefasst von Holzabschrankungen. Dazwischen ragen zwei kleine Weidenbäume in die Höhe, unter denen sich mit Blick auf das Fraumünster und die Altstadt auf Holzbänken sitzen lässt.

Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aargauer Gärtnerei Labhart arbeiteten die ganze Nacht auf Donnerstag daran, den Münsterhof mit einer 1000-Quadratmeter-Wiese zu begrünen. Doch das bisschen Grün ist auch ein Kunstwerk, die «Insel der Stadt».

Die Idee für die Installation stammt vom Berner Aktionskünstler Heinrich Gartentor. Sie wird bis Mitte September den Platz verschönern. Auf die Frage, ob die Wiese möglicherweise noch länger steht, antwortet der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum, Christoph Doswald, mit einem entschiedenen Nein. Der öffentliche Raum würde allen gehören, deshalb kann ein Kunstprojekt diesen Platz nicht das ganze Jahr über in Beschlag nehmen.

Form von urbaner Abkühlung

Im Rahmen des Studienauftrags der Stadt Zürich «Kunst für den Münsterhof» wurde das Kunstprojekt von Heinrich Gartentor aus einer Reihe von Vorschlägen ausgewählt. Der Künstler und ausgebildete Florist mit dem speziellen Namen ist bei der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen sichtlich zufrieden mit seinem Werk. «Eine gewisse Unsicherheit, ob der Aufbau gut funktioniert, war auf jeden Fall gegeben», so Gartentor.

Das Kunstprojekt ist auch ein Experiment im Bereich der Begrünung urbaner Räume in Zeiten klimatischer Veränderungen. Umwelt und Gesundheitsschutz Zürich haben Messinstrumente rund um die Wiese angebracht, um Veränderungen der Temperatur des Platzes zwischen dem 8. August und dem 5. September zu beobachten. Dieser Platz sei eine «Hitze-Insel», so Christine Bräm, die Direktorin von Grün Stadt Zürich. Möglicherweise ändert sich das nun mit dieser Wiese.

Die Pflanzen sollen im Hof auch für etwas Abkühlung sorgen. Bild: Urs Jaudas

Die Gärtnerei Labhart hatte gemeinsam mit dem Künstler Mitte September letzten Jahres die Magerwiese in 4200 Blumenkästen aufgezogen. Eine Schicht Schafwolle sollte das Wachstum der Pflanzen vorantreiben – über 50 verschiedene Pflanzen sind gewachsen. Künstler Gartentor sagt: «In der Wiese wachsen Blumen, die ich noch nie gesehen habe.» Nach dem Projekt wird die Blumenwiese wiederverwertet, Teile davon entweder an Privatpersonen verkauft oder andere Orte in der Stadt Zürich damit begrünt, so die Gärtnerei. Die Weidenbäume stammen ursprünglich vom Thunersee.

Finanziert wird die Installation aus dem laufenden Budget des Tiefbauamtes für Kunst im öffentlichen Raum.

Nicht das erste Begrünungsprojekt

Die benachbarten Bewohnerinnen und Bewohner müssen sich auf ein paar Veränderungen einstellen, die das Projekt mit sich bringt. Platzüberquerungen sind ab jetzt nur noch über Holzstege möglich.

4200 Kisten Magerwiese verschönern den Platz. Bild: Urs Jaudas

In der Vergangenheit hatte es bereits Versuche zur Begrünung des Münsterhofs gegeben. Die Klimajugend hatte am 24. Mai im Rahmen eines Klimastreik-Umzuges aufgefordert, eigene Pflanzen mitzubringen und auf dem Münsterhof zu platzieren.

Vernissage: Heute, 22. August 2019, um 18 Uhr. Auktion der Bestandteile der Insel: Dienstag, 17. September 2019, um 19 Uhr.

Erstellt: 22.08.2019, 08:05 Uhr

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