Zum Hauptinhalt springen

Der Parteipräsident kandidiert wild

In Zürich-Nord tut sich Aussergewöhnliches: Der lokale FDP-Chef Daniel Frei will Friedensrichter werden – in einer Hauruckübung und ohne Segen der Partei.

Pascal Unternährer
«Es ist peinlich, dass die linke Kandidatin nicht herausgefordert wird und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger keine Wahl haben»: Daniel Frei.
«Es ist peinlich, dass die linke Kandidatin nicht herausgefordert wird und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger keine Wahl haben»: Daniel Frei.
PD

«Fähig – kompetent – erfahren» – mit diesem Slogan und im FDP-Look preist sich Daniel Frei auf Facebook und auf Wahlflyern an. Das erstaunt wenig, ist Frei doch ein Freisinniger. Überraschend ist hingegen, dass sich Frei, immerhin Präsident der Kreispartei, ohne Rückhalt der Partei für das Amt des Friedensrichters für die Stadtkreise 11 und 12 bewirbt. Deshalb fehlt auf dem Flyer auch das Parteilogo.

«Daniel Frei ist keine freisinnige Kandidatur», bestätigt Severin Pflüger, Präsident der FDP-Stadtpartei. Freis Schritt sei nicht abgesprochen gewesen. Mehr möchte Pflüger, selber auch Vorstandsmitglied der FDP Kreis 11, nicht dazu sagen.

«Daniel Frei ist keine freisinnige Kandidatur.»

Severin Pflüger, FDP

Frei selbst räumt ein, dass er den Beschluss, zu kandidieren, im stillen Kämmerlein und in letzter Minute gefällt habe. Am 6. August postete er einen Kommentar auf Facebook, in dem er sich empörte, dass keine bürgerliche Kandidatur fürs Friedensrichteramt zustande gekommen war. Tatsächlich kandidiert für die Wahl am 1. Septembernach einem bürgerlichen Gezerre nur die Grüne Franziska Gohl Zschokke als Friedensrichterin.

Last-minute-Kandidatur

Nach dem Post sei er von Personen aus der FDP und der SVP ermutigt worden, zu kandidieren, sagt Frei. Zwei Tage später bewarb er sich auf Facebook, kürzlich landete auch ein Flyer in den Briefkästen der Haushalte in Oerlikon, Seebach, Affoltern und Schwamendingen.

«Die blaue Farbe ist nicht geschützt.»

Daniel Frei, FDP

Dass ein hoher Parteifunktionär wild kandidiert, findet Frei «nicht aussergewöhnlich». Das Amt sei nicht parteigebunden. Zur Gestaltung seines Flyers, dessen Farbwahl sich stark an die FDP anlehnt, sagt er: «Die blaue Farbe ist nicht geschützt.» Auch habe ihn niemand aus der Partei zurückgepfiffen. Er bezeichnet es als peinlich, dass die linke Kandidatin nicht herausgefordert wird und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger keine Wahl haben. «Schliesslich ist Friedensrichter ein wichtiger Posten», so Frei. Er will das Amt und hält sich dafür geeignet.

Daniel Frei kommt aus der Gastrobranche, stellt in seiner kleinen Firma für Kunden Bewerbungsvideos her und berät Gastrobetriebe in der Personal- und Organisationsentwicklung.

Grüne Kandidatin ist haushohe Favoritin

Frei räumt ein, dass seine Erfolgschancen gering seien. Speziell an seinem Schritt ist auch, dass er bereits einmal zur Wahl gestanden hatte – und ebenso wie ein SP-Kandidat durchgefallen war: Im April hatten die Parteien das Kandidierendenfeld von vier auf zwei reduziert. Übrig blieben die Grüne Franziska Gohl Zschokke, Juristin am Sozialversicherungsgericht, und EVP-Mann Daniel Reuter, Leiter der Ustermer Parlamentsdienste. Doch als es plötzlich mit der Unterstützung durch die FDP haperte, zogen Reuter und die EVP die Kandidatur zurück.

Matthias Probst, Präsident der Grünen Zürich-Nord, reagiert erstaunt bis amüsiert auf die Kandidatur Daniel Freis. Dieser sei von der FDP zurückgezogen worden, weil die anderen Kandidaturen mehr überzeugten, sagt Probst. «Offenbar ist die Qualifikation ‹bürgerlich› für einen Teil des Freisinns wichtiger als die Eignung fürs Amt.» Er schaue der Wahl trotz neuer Konkurrenz entspannt entgegen, da Gohl Zschokke «eine hervorragende Kandidatin» sei.

Grund für die ausserordentliche Wahl ist die Pensionierung des amtierenden Friedensrichters Beat Jaisli (CVP), der den Posten seit 1995 innehat und vor vier Jahren bis 2021 gewählt worden war. Franziska Gohl Zschokke ist bei einem Wahlerfolg die erste grüne Friedensrichterin der Stadt.

Zum Inhalt
Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch