Der Sonderfall Fondue

Die Schweizer und ihr Käsetopf. Eine Liebesgeschichte, die auch in Zürich eine solide Heimat hat.

Ein blubberndes Etwas genannt Fondue. Es gehört für die Schweizer zur Jahresmenükarte.

Ein blubberndes Etwas genannt Fondue. Es gehört für die Schweizer zur Jahresmenükarte. Bild: Reto Oeschger

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Es gibt keine Speise, die Schweizer Gemütlichkeit besser symbolisiert als Fondue. Man isst es im Chalet, in der Kutsche, auf dem Schiff, im Tram oder wie am aktuellen Weihnachtsmarkt stehend um einen Baumstumpf. Wichtige Geschäfte werden dabei nicht abgeschlossen, keine Businesspartner eingeseift, zu stinkig, zu unästhetisch, kurz: zu gemütlich ist ein Fondueessen.

Aus den gleichen Gründen verirrt sich auch selten ein Paar beim ersten Date ins Fonduestübli. Man weiss, dass man danach riecht wie eine Käserei. Das weiss mittlerweile auch die Werbung («chli stinke muess es»), die sonst jegliche negative Konnotation vermeidet. Nur nicht beim Sonderfall Fondue, da ist es Teil der Freude. Beim Rühren im selben warmen Käsetopf entsteht zudem eine Art von Intimität. Man teilt diese nur mit Leuten, zu denen man ein entspanntes Verhältnis pflegt.

Wie ur-schweizerisch das Gericht ist, zeigt nun auch der Blick in hiesige Fonduestuben. Selten versammelt sich eine tamilische oder kosovarische Familie um das Caquelon. Der Anteil an Leuten mit migrantischem Hintergrund ist in der Chässtube Rehalp am Abend unseres Besuches etwa gleich hoch wie jener beim Turnerchränzli.

Und trotzdem hat das Fondue nichts vordergründig Ausschliessendes, es ist eher Gewohnheitssache. Man findet dabei sogar etwas Verbindendes. Ein mit Kruste belegter Boden, auf den sich die Schweizerin und der Schweizer gerne stellen. Egal ob Studentin oder Bauer, ob Angestellte eines Medizinalgerätezulieferers oder Performancekünstler, Biologe oder Mitarbeiterin des Entsorgungsdepartementes, alle können sich dazu einigen, dass dieses freundliche Geblubbere mindestens einmal im Jahr auf die Menükarte gehört. Nur für Leute, die gerne allein in Restaurants essen und dazu ein Buch lesen, ist ein Fonduerestaurant der reinste Albtraum. Item.

Die Chässtube Rehalp gilt als eines der besten Fonduerestaurants der Stadt. Und man ahnt bald warum. Das Moitié-Moitié aus Vacherin und Gruyère (28 Franken) schmeckt genau richtig. Es kommt für zwei Personen im kleinen Caquelon aufs weiss-rot karierte Tischtuch. Als Beilage gibts Brot, Härdöpfel, Gürkli, Zwibeli, Birnen und Ananas. Als Wein empfiehlt der junge Kellner einen Petite Arvine aus dem Wallis (49 Franken).

Und so hat man an dem Abend gelacht, sich über verlorene Brotstücke, Adolf Ogi und Kirsch als sonderbares Nationalgetränk unterhalten. Ebenso über Fondue als Tradition, die eigentlich eine Erfindung der Käseunion ist, um nach dem 2.Weltkrieg den Käsekonsum der Bevölkerung anzukurbeln. Wie auch der Ländler eine städtische Erfindung ist. Pha, ist doch egal, denkt man. Ist ja gemütlich.

Chässtube Rehalp

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Günstig ist dieses Fondue mit 28 Franken pro Person nicht. Aber man bezahlt auch fürs Drumrum.

– Ambiance
Das, was man von einer Fonduestube erwartet: schweres Holz, karierte Tischtücher, solide Stimmung.

– Service
Freundlich, speditiv, kompetent.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Mit dem 11er-Tram bis Rehalp.

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Erstellt: 26.12.2019, 12:58 Uhr

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