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Der Superpilz vom Zürcher Stadtrand

Eine Sammlerin hat in Zürich eine über 600 Gramm schwere Morchel gefunden. Ein Ausnahmefund, sagt der Experte.

Hannes Nussbaumer
614 Gramm schwer, 26 Zentimeter gross: die Riesenmorchel von Natallia G.
614 Gramm schwer, 26 Zentimeter gross: die Riesenmorchel von Natallia G.
PD

Es ist ein imposantes Gewächs, auf das Natallia Gonzenbach gestossen ist: eine Riesenmorchel. Die Fotos, welche die Sammlerin dem «Tages-Anzeiger» hat zukommen lassen, zeigen den Riesenpilz in seinem ganzen Ausmass – und bezeugen dieses gleich auch: auf einem der Bilder liegt der Pilz auf der Waage. Das Display zeigt 614 Gramm. Auch die Höhe ist immens: Laut der Sammlerin misst ihre Morchel 26 Zentimenter. Gefunden habe sie diese am Stadtrand von Zürich, an der Grenze zu Zollikerberg.

Der Blick ins Archiv zeigt: Es kommt zwar immer mal wieder vor, dass Morcheln der XXL-Dimension auftauchen. Das Exemplar von Natallia Gonzenbach ist aber auch in der Kategorie der Grossmorcheln eine Ausnahmererscheinung. Vor zwei Wochen wurde im Raum Biel eine 452-Gramm-Morchel gefunden. Der einzige Fund, der es mit dem aktuellen aufnehmen kann, datiert vom Mai 2016: Damals berichtete der «Zürcher Unterländer» über einen Pilzsammler, der in einem Waldstück bei Bülach eine 850-Gramm-Morchel gefunden hat.

Kühl und feucht

Laut Ferdinand W. Uehli, dem Leiter des Stadtzürcher Lebensmittelinspektorats, herrschen in diesem Frühjahr gute Bedingungen für Morcheln. Es habe mehrere stattliche Exemplare gegeben, eine 600-Gramm-Morchel sei allerdings sehr selten. Uehli glaubt, dass die Wetterverhältnisse in diesem Frühjahr den Morcheln entsprochen hätten: «Sie mögen es, wenn es kühl und feucht ist.» Natallia Gonzenbach hat im laufenden Jahr allerdings eher weniger Morcheln gefunden als in früheren, «vielleicht hatten wir aber auch einfach weniger Glück».

Die Mega-Morchel in voller Pracht. Foto: PD
Die Mega-Morchel in voller Pracht. Foto: PD

Morcheln gelten als Delikatesse – doch sind sie auch im Riesenformat noch essbar? Ja, sagt Uehli, «sofern sie nicht verfault oder verschimmelt sind». Tendenziell sei der Geschmack älterer Pilze intensiver. Sammlerin Gonzenbach erklärt, vom Hut der Morchel sei ein Teil noch essbar gewesen. Geschmacklich habe sie keinen Unterschied zu kleineren Normalmorcheln festgestellt, die Konsistenz sei jedoch anders, fleischiger gewesen. Den nicht mehr geniessbaren Rest des Riesenpilzes habe sie inzwischen entsorgt. Beim Kontrolleur sei sie mit ihrem Fund nicht gewesen: «Wir kennen die Pilze.»

Ein unberechenbares Gewächs

Entstehen tut eine Riesenmorchel, wenn sie Zeit zum Wachsen hat. In der Regel würden die Morcheln eingesammelt, wenn sie noch vergleichsweise klein seien, so Lebensmittelinspektor Uehli: acht bis maximal zehn Zentimenter hoch und unter 100 Gramm schwer. Werde ein Exemplar aber stehen gelassen, könne es kräftig weiterwachsen. Hinzu komme: Pilze seien sehr verschieden und unberechenbar in ihrer Entwicklung. «Ein Löwenzahn sieht immer etwa gleich aus. Pilze der selben Sorte können dagegen ein sehr unterschiedliches Aussehen annehmen», sagt Experte Uehli.

Schliesslich brauche es für das Gedeihen einer Riesenmorchel den entsprechenden Boden. «Morcheln haben gerne einen lockeren Boden, besonders gut wachsen sie unter Holzhäckseln», so Uehli. Hingegen mögen sie es nicht, wenn der Grund lehmig ist. Natallia Gonzenbach fand ihre am Morgen «mitten im Laub», wie sie berichtet.

Die diesjährige Morchelsaison endet in diesen Wochen.

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