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Dramatischer Zustand – der Super-Chef soll kurieren

Das Triemli- und das Waidspital sind zu teuer. Der Zürcher Stadtrat will das ändern, indem er die zwei Betriebe unter die Leitung von André Zemp stellt.

Der neue Super-Direktor André Zemp will sofort erste Kostensenkungsmassnahmen einleiten. Foto: Reto Oeschger
Der neue Super-Direktor André Zemp will sofort erste Kostensenkungsmassnahmen einleiten. Foto: Reto Oeschger

Die Änderung tritt sofort in Kraft. Gestern hat der neue Zürcher Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP) informiert, dass Triemli-Direktor André Zemp neu auch das Waidspital führt. Dessen Direktor Lukas Furler geht mit 61 in Frühpension. Er hatte 28 Jahre im Waid gearbeitet, zuerst als Pflegedirektor und dann als oberster Chef.

Bis Ende Jahr wird Zemp eine neue gemeinsame Geschäftsleitung bilden und eine Strategie erarbeiten, wie sich die zwei Spitäler entwickeln sollen. So der Auftrag des Stadtrates. Es geht darum, die Behandlungsangebote zu fokussieren. Die grosse Frage lautet: Wer darf in Zukunft noch was machen?

«Heute arbeiten beide Spitäler relativ unabhängig voneinander. Es gibt eine interne Konkurrenz, die ungesund ist», sagte Hauri. «Das wollen wir überwinden.» Von der zusammengelegten Leitung verspricht sich Hauri «schnelles und konsequentes Handeln». Und André Zemp sei der richtige Mann dafür. Der Betriebsökonom hatte vor einem Jahr die Führung des hoch defizitären Triemli übernommen. «Er hat es in kurzer Zeit geschafft, vieles in die richtige Richtung zu lenken», so Hauri.

Dramatische Entwicklung

In der Tat gelang es dem Triemli, effizienter zu werden. 2017 sanken die Kosten pro Fall um zwei Prozent, dieses Jahr geht es gleich weiter. Die Auslastung – wegen des überdimensionierten neuen Bettenhauses ein grosses Problem des Triemli – blieb mehr oder weniger konstant. Viele andere Spitäler verloren stationäre Patientinnen und Patienten.

Das sagt Andreas Hauri zum Spital-Entscheid: Der neue Gesundheitsvorsteher reorganisiert die Zürcher Stadtspitäler. Video: Lea Blum

Bedenklich ist die Entwicklung im Waidspital: 2017 büsste es vier Prozent stationäre Patienten ein, dieses Jahr dürften es sogar über fünf Prozent sein. «Das schlägt finanziell brutal durch», kommentiert Zemp.

Er sieht mehrere Gründe für diese Entwicklung. Am wichtigsten: Die Grundversorgungsspitäler sind stark betroffen vom Trend, immer mehr ambulant statt stationär zu operieren. Da ist das Triemli mit seiner teilweise hoch spezialisierten Medizin etwas besser dran; seine Patienten müssen öfter im Spital bleiben. Zudem leiden das Waid und ebenso das Triemli darunter, dass die Stadtspitäler seit längerem unter politischem Druck stehen. Die Negativschlagzeilen führten zu Verunsicherung bei den Patienten, aber auch beim Personal. Bereits haben zwei leitende Ärzte das Waidspital verlassen.

Hauri und Zemp schätzen die Situation dramatisch ein, und zwar nicht nur fürs Waid. «Auch das Triemli ist noch immer in der Grippe-Phase», sagte Hauri. Die zwei Stadtspitäler haben die höchsten Fallkosten aller öffentlichen Spitäler im Kanton; das zeigt die jährliche Rangliste, welche die Gesundheitsdirektion eben wieder veröffentlicht hat. Über den Spitälern hängt das Damoklesschwert der Spitalliste 2022. Dann vergibt der Regierungsrat die Leistungsaufträge neu. Weist ein Spital in einem Fachgebiet zu tiefe Fallzahlen auf, verliert es den Leistungsauftrag dafür, das heisst der Kanton zahlt nichts mehr an die entsprechenden Behandlungen.

Bei ihren Entscheiden berücksichtigt die Gesundheitsdirektion neben den Fallzahlen auch die Wirtschaftlichkeit. «Wir müssen ganz dringend handeln, wenn wir unser Leistungsangebot erhalten wollen», sagte Hauri. Die Zeit sei knapp, weil die Gesundheitsdirektion in ihrer Spitalplanung auf die Zahlen von Ende 2019 abstelle. Deshalb will Zemp nun sofort erste Massnahmen umsetzen.

Die Geriater des Waid sollen vermehrt auch Beratungen im Triemli durchführen und Patienten ans Waid zuweisen. Dasselbe bei den Palliativpatienten. Umgekehrt soll das Waid mit neuen Sprechstunden gynäkologische Patientinnen sowie Patienten mit Augenproblemen akquirieren und dann ans Triemli überweisen. Die Bauchchirurgen des Waid werden einen Teil ihrer Patienten künftig am Triemli operieren. Und auf die Handchirurgie soll das Waid, wo es gerade eine Vakanz gibt, zugunsten des Triemli verzichten. Diese ersten Akzente geben einen Hinweis darauf, in welche Richtung es gehen wird: Akutmedizin im Triemli und Altersmedizin im Waid.

Administrativ und logistisch will der neue Super-Direktor ebenfalls rasch die Effizienz steigern, indem er vier Bereiche zusammenlegt: das Personalwesen, die Kodierung, den Einkauf und den Direktionsstab. Das Waidspital hat in den letzten Monaten bereits 40 Stellen über natürlich Fluktuation abgebaut, und auch das Triemli hat schon Stellen reduziert oder in Wachstumsbereiche verschoben.

Markanter Stellenabbau

Nun wird es zu einem weiter gehenden Stellenabbau kommen. «Dem Stadtrat ist es ein Anliegen, dass niemand entlassen wird», sagte Andreas Hauri. Sicher ist dies aber nicht. Denn noch ist offen, was auf die Sofortmassnahmen folgt. André Zemp mochte gestern nicht sagen, welche Fachgebiete er auf das eine oder andere Spital konzentrieren will. Nur so viel: «Eine Zusammenlegung von Bereichen wird es überall dort geben, wo die Fallzahlen tief sind.»

Trotz gemeinsamer Leitung: Waid und Triemli werden vorläufig nicht fusioniert, sondern bleiben je eigene Dienstabteilungen des Gesundheitsdepartements. Später will der Stadtrat sie in öffentlich-rechtliche Anstalten überführen. Hauri pressiert es damit allerdings nicht. Zuerst müssen die Zahlen stimmen.

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