Der Uetliberg den Zürchern

Falls Giusep Fry tatsächlich sein Reich verkaufen will, sollte die Stadt ihre Chance packen.

Mit dem Erwerb des Uto Kulm könnte die Stadt einen Schlussstrich unter den lang anhaltenden Streit um den Zürcher Hausberg ziehen. Foto: Keystone

Mit dem Erwerb des Uto Kulm könnte die Stadt einen Schlussstrich unter den lang anhaltenden Streit um den Zürcher Hausberg ziehen. Foto: Keystone

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Es wäre eine Jahrhundertchance – und würde endlich, endlich ein Versäumnis ausbügeln, das sich die Zürcherinnen und Zürcher vor 43 Jahren an den Abstimmungsurnen eingebrockt haben. Giusep Fry plant jetzt, mit 60 Jahren, die Zukunft seines Reichs auf dem Uetliberg mit Seminarhotel, sechs Restaurants und dem Aussichtsturm. Ein Verkauf ist für Fry denkbar – auch an die Stadt Zürich.

Finanzvorstand Daniel Leupi muss nun handeln. Am besten, er sucht mit dem Uto-Kulm-Wirt schnell das Gespräch und rechnet einen Erwerb seriös durch. Leupi hat es möglicherweise in der Hand, einen Schlussstrich unter den lang anhaltenden Streit um den Zürcher Hausberg zu ziehen.

Mit dem Erwerb könnte die Stadt demokratisch entscheiden, wie viel Kommerz es dort verträgt und wie viel Natur sein muss.

Vor allem aber: Die Stadt könnte eine Scharte auswetzen, die auf eine Volksabstimmung 1976 zurückgeht. Die Stimmberechtigten lehnten damals mit einer Dreiviertelmehrheit einen Landtausch ab, der den Uetli-Gipfel in städtischen Besitz gebracht hätte. Neckisches Detail: Es waren damals die bürgerlichen Parteien, die sich für die Verstaatlichung des Ausflugsrestaurants starkgemacht hatten. Sie argumentierten mit den sozialen Anforderungen an eine solche Beiz: günstige Preise und lange Öffnungszeiten für wackere Wanderer.

Nach dem Nein übernahm Giusep Fry das Zepter, zuerst als Pächter, ab 1999 als Besitzer. Und er machte seine Sache gut, wirtschaftlich gesehen: Aus dem Gasthaus mit zehn Angestellten machte er nach und nach die Hochglanzdestination «Top of Zurich» mit über 100 Beschäftigten.

Illegale Ausbauten, Helikopterflüge, Autoverkehr, Kino am Berg, Rambazamba, Gezänk und zuletzt der Ärger wegen einer Besteigungsgebühr für den Turm waren und sind die Kehrseite von Frys phänomenalem Erfolg. Die Stadt könnte dem mit einem Erwerb ein Ende setzen. Auf ihrem Hausberg wäre sie selber Herrin und Meisterin, könnte demokratisch entscheiden, wie viel Kommerz es dort verträgt und wie viel Natur sein muss.

Erstellt: 04.11.2019, 20:13 Uhr

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