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Der vergessene Prunksaal kommt auf die Rote Liste

Der Waffensaal im Zürcher Kasernenareal bröckelt seit Jahren vor sich hin, weil unklar ist, wer ihn künftig nutzen wird. Jetzt schlägt der Schweizer Heimatschutz Alarm.

Liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf: Der Waffensaal im Zürcher Zeughausareal.
Liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf: Der Waffensaal im Zürcher Zeughausareal.
Doris Fanconi
Grosszügiger Zugang: Eines der beiden Treppenhäuser, die zum Waffensaal führen.
Grosszügiger Zugang: Eines der beiden Treppenhäuser, die zum Waffensaal führen.
Doris Fanconi
Reliquiencharakter: Die Präsentation der Zwingli-Waffen in einer schreinartigen Vitrine im Zürcher Zeughaus um 1881 hatte fast etwas Religiöses.
Reliquiencharakter: Die Präsentation der Zwingli-Waffen in einer schreinartigen Vitrine im Zürcher Zeughaus um 1881 hatte fast etwas Religiöses.
Historischer Holzstich
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Er gilt als eigentliches Prunkstück im Kasernenareal: der grosszügige Waffensaal im Innern des Zeughauses, der beim Bau im 19. Jahrhundert für die Zürcher Waffensammlung konzipiert worden ist. Der fast zehn Meter hohe Repräsentationssaal mit seinen riesigen Rundbogenfenster gilt als besonders wertvoller Teil der Kasernenanlage und steht unter Schutz.

Doch der Saal befindet sich in desolatem Zustand. Zwar war eine Sanierung bereits in einem ersten Nutzungskonzept für die Zeughäuser im Jahr 2000 als «sehr dringlich» eingestuft worden, doch getan hat sich bis auf einige Notmassnahmen seither nichts. Das Baudenkmal bröckelt weiter vor sich hin. Und weil der Kantonsrat Mitte Januar Nein gesagt hat zu einem 30-Millionen-Kredit für die Sanierung der Zeughäuser und einem entsprechenden Baurechtsvertrag mit der Stadt Zürich, ist unklar, wie es weitergehen soll.

Zeitpunkt für Sanierung: ungewiss

Zwar wäre der Kanton als Eigentümer gesetzlich verpflichtet, das Baudenkmal zu erhalten. «Wäre der Eigentümer ein Privater, wäre er wohl schon lange zu einer Sanierung angehalten worden», stellte die NZZ kürzlich maliziös fest. Doch einen Zeitpunkt für die Sanierung des ehemaligen Prunksaals kann die Baudirektion derzeit nicht nennen. Sprecher Markus Pfanner räumt ein, dass der Waffensaal «stark sanierungsbedürftig» sei und man weiterhin mit Unterhaltsmassnahmen dafür sorgen werde, dass sich sein Zustand nicht noch weiter verschlechtert.

Eine Komplettsanierung nimmt der Kanton erst in Angriff, wenn feststeht, wie und von wem der Saal künftig genutzt wird.

Eine Komplettsanierung wird laut Pfanner allerdings erst dann in Angriff genommen werden, wenn feststeht, wie und von wem der Saal künftig genutzt wird. Dazu brauche es zuerst eine Einigung zwischen Stadt und Kanton über das weitere Vorgehen im Zeughausareal. Sicher ist: Die Renovation wird kostspielig. In der Weisung, die der Kantonsrat im Januar abgelehnt hat, waren allein für die Sanierung des Waffensaals 11 Millionen Franken vorgesehen.

Heimatschutz setzt «starkes Zeichen»

Besorgt über den Zustand des Baudenkmals zeigt sich auch der Schweizer Heimatschutz. Dieser hat jetzt beschlossen, den Waffensaal auf seine «Rote Liste» zu setzen, wie Präsident Martin Killias auf Anfrage sagt. «Das ist ein starkes Zeichen», ist er überzeugt. Auf der Roten Liste figurieren akut gefährdete Objekte, die aus Sicht des Schweizer Heimatschutzes besonders hochrangig, wertvoll und von öffentlichem Interesse sind. Die Liste macht auf diese bedrohten Objekte aufmerksam, mit dem Ziel, sie für die Zukunft zu retten. In Zürich figuriert auch noch der Pfauensaal im Schauspielhaus auf der Roten Liste des Heimatschutzes.

Als der Waffensaal noch genutzt wurde: Ausstellung von Rüstungen im letzten Jahrhundert (Bild: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Als der Waffensaal noch genutzt wurde: Ausstellung von Rüstungen im letzten Jahrhundert (Bild: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)

Eine gerichtliche Intervention kommt beim Waffensaal dagegen nicht infrage.«Unsere Handlungsmöglichkeiten sind hier eingeschränkt», sagt Barbara Truog, Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes. Gemäss dem kantonalen Planungs- und Baugesetz gilt die sogenannte Selbstbindung des Staates. Die entsprechenden Gesetzesartikel enthalten keine Angaben zum Umgang des Kantons mit seinen eigenen Schutzobjekten, sondern regeln Rechte und Pflichten sowie Beiträge an Grundeigentümer und Gemeinden, welche den Erhalt von Schutzobjekten sicherstellen sollen.

«Man kann argumentieren, was für andere gilt, gilt auch für den Kanton selbst. Aber ich sehe nirgends das entsprechende rechtliche Instrument, um den Kanton selbst zum Unterhalt zu zwingen», sagt Truog. Deshalb bleibe dem Heimatschutz in diesem Fall nur, mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit auf eine möglichst rasche Sanierung des Juwels im Kasernenareal hinzuwirken.

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