Der wichtigste Saisonsieg

«Die Stadt Zürich erhält ein echtes Fussballstadion.» Dieser Satz ist zu geniessen – bevor der Ärger wieder losgeht.

«Ich erwarte, dass die SP ihre Initiative zurückzieht»: Stadtpräsidentin Corine Mauch über den Abstimmungskampf, das Ja zum Stadion und kommende Stolpersteine. Video: Tamedia

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Die Zürcher und ihr 20-jähriges Stadion-Epos waren ja schon so oft Thema bei der Basler Fasnacht, dass es selbst den Baslern langweilig wurde dabei. Jetzt ists vorbei. Der 25. November 2018 könnte als jenes Datum in die Annalen eingehen, an dem der Zürcher Fussball eine neue Basis erhielt.

Und zwar nicht nur die Profis des FC Zürich und der Grasshoppers sowie deren Fans, die heute den wichtigsten Saisonsieg errungen haben. Sondern auch die Tausenden kickenden Knaben und Mädchen in den Quartieren der Stadt und in den Gemeinden des Kantons. Fast alle Amateurvereine in der Region Zürich sind irgendwie mit den Profis aus Zürich (und Winterthur) verbandelt.

Freuen dürfen sich auch die Leichtathleten. Sie kriegen endlich ihr Stadion. Es steht zwar schon lange da, aber die Fussballer hatten im Letzigrund oft Priorität, und sie mussten draussen bleiben. Das wird sich ändern.

Sieg des Stadtrats gegen links

Dass 53,8 Prozent Ja gesagt haben, ist ein starkes Zeichen. Die Stimmbürger haben nämlich die Tendenz, Nein zu sagen, wenn es im Abstimmungskampf hässlich zu- und hergeht und sie eigentlich gar nicht betroffen sind. Ja, Zürich ist keine Fussballstadt wie Basel oder Bern. Die meisten Stimmenden haben wohl noch nie ein Stadion von innen gesehen. Ausschlaggebend war, dass nicht der Staat, sondern Private in den Bau investieren, der Stadtrat sich gleichwohl mit Verve für das Projekt starkmachte.

Aber die Debatte war vergiftet. Der federführende Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) solle «geteert und gefedert» werden, schrieb auf seiner Facebook-Seite das Bschiss-Komitee, für das neben den Anwohnern und Brache-Fans auch die bürgerlichen Gegner aus Höngg zeichnete. Es wurden anonyme Flyer verteilt, in dem die beiden Wohntürme brennen – wie in New York am 11. September 2001.

Dass die Zürcher Staatspartei SP zuerst ein privat finanziertes Stadion bestellte und nachträglich Zusatzbedingungen stellte (die auch noch erfüllt wurden), schliesslich plötzlich linksum kehrt machte und sogar eine Gegeninitiative lancierte, ist unschön – aber eigentlich typisch für Zürich, das in dieser Frage halt ohne Drama nicht auskommt. Die SP-Schlagwörter «Abzocke» und «Luxuswohnungen» verfingen aber nicht einmal im linken Zürich. Offen bleibt, ob das fragwürdige Manöver auf die SP zurückfällt.

So könnte das neue Stadion dereinst aussehen. Visualisierung: Nightnurse Images, Zürich

Dass hier nicht auch über die höchsten Gebäude gejubelt werden soll, die in Zürich je gebaut wurden, liegt an ihrer Funktion. Die beiden Wohntürme müssen da stehen, weil es Geld braucht für den Bau des Stadions. Und nicht weil die Stadt Zürich sich ein neues Leuchtturmprojekt leisten will.

Und die Hochhäuser werden noch die Gerichte bemühen. Die finanzkräftigen Gegner aus Höngg wollen den Bau von «Ensemble» auf juristischem Weg verhindern. Es ist davon auszugehen, dass sie es zumindest stark verzögern werden.

Auch günstige Wohnungen müssen warten

Genau diese Tatsache verhindert den Jubel über Teil 3 des Grossprojekts. Auch die 174 gemeinnützigen Wohnungen werden vorläufig nicht gebaut. Und weitere 125 Genossenschaftswohnungen sind noch länger in der Schwebe.

Das Risiko ist also hoch, dass das Drama noch ein paar Kapitel erhält. Vielleicht erwacht dafür bald wieder das Interesse der Basler Fasnächtler an den Zürchern mit ihren Stadionproblemen.

Erstellt: 25.11.2018, 18:11 Uhr

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