Der Zürcher Staatsschutz schläft

Veranstaltungen des Islamrats oder Treffen von Neonazis: Der Nachrichtendienst ist nicht informiert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) wollte eigentlich keine Veranstaltungen des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) mehr im Kanton Zürich dulden. Dennoch haben es die Salafisten aus Bümpliz, wo der IZRS sein Hauptquartier unterhält, während zweier Jahre geschafft, sich heimlich in Zürich zu treffen, zuletzt im quasistaatlichen Gemeinschaftszentrum Wipkingen. Die Sicherheitsbehörden des Bundes erhielten aber erst nachträglich Wind davon. Das ist einigermassen peinlich für die Staatsschützer der Zürcher Kantonspolizei, denn diese sollten eigentlich Extremisten jeglicher Couleur im Auge behalten. Nun ist der kantonale Nachrichtendienst vielleicht mit wichtigeren Dingen beschäftigt, zum Beispiel mit der Verhinderung von Terrorattentaten oder der Beobachtung von IS-Rückkehrern.

Dennoch klingt es unglaubwürdig, wenn die Sicherheitsdirektion beteuert, keine öffentlichen Veranstaltungen des IZRS im Kanton dulden zu wollen. Der IZRS kündigt seine Zürcher Treffen jeweils an, doch ohne Angabe des genauen Veranstaltungsortes. Erfährt der Staatsschutz rechtzeitig, wo die Anlässe stattfinden? Fehlanzeige. Ein muslimisches Fitnesszentrum in Altstetten, in dem der Islamrat regelmässig Seminare abhielt, hat der Staatsschutz zwar gelegentlich beobachtet, doch wurden Nachbarn des Kraftstudios offenbar nie befragt. Dabei waren es genau diese Leute, die darüber Buch führten, wenn Islamratspräsident Nicolas Blancho im dunklen Mercedes vorfuhr.

Regelmässig treffen sich in Zürich zudem Neonazis und Skinheads, unter ihnen auch Extremisten von ausserhalb des Kantons. Originalton Sicherheitsdirektion: Man setze alles daran, öffentliche Veranstaltungen extremistischer Gruppen zu verhindern. Wirklich? Auch bei Rechtsradikalen ist das offenbar Fehlanzeige. Die Zürcher Neonazis fürchten sich jedenfalls mehr vor der Ausspähung durch die linksextreme Antifa als vor dem Staatsschutz. Oft scheint die Antifa zudem besser informiert zu sein als die Polizei. Sollte der kantonale Nachrichtendienst wirklich so blind sein, wäre das mehr als bedenklich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2019, 21:57 Uhr

Artikel zum Thema

Der Islamische Zentralrat trifft sich heimlich in Zürich

Seit zwei Jahren narrt der IZRS die Stadt Zürich und versammelt sich in öffentlichen Gemeinschaftszentren. Auf Kosten der Steuerzahler. Mehr...

Imam ruft in Basel zum Jihad auf

In einer Moschee wird der Kampf gegen Ungläubige gepriesen. Mehr...

Schweizer Jihad-Reisende sollen möglichst im Ausland vor Gericht

Der Bundesrat hat sich gegen eine aktive Rückführung entschieden. In Fällen mit Minderjährigen kann dies jedoch geprüft werden. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...