Der Zürcher Stadtrat schwankt

Morgen Mittwoch ist Zürich nahezu führungslos: Der Gesamtstadtrat ist auf Hirsebreifahrt. Nur einer hält die Stellung.

Hirsebreifahrt 2006: Der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber harrte die ganzen drei Tage an Bord aus.

Hirsebreifahrt 2006: Der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber harrte die ganzen drei Tage an Bord aus. Bild: René Schraner

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Morgen begibt sich der Zürcher Stadtrat auf eine historische Mission und auf schwankenden Boden: auf die Hirsebreifahrt. Diese Schifffahrt auf Limmat, Aare, Rhein und Ill findet alle zehn Jahre statt und führt innert drei Tagen von Zürich nach Strassburg. Alle fahren mit – ausser einem. Hochbauvorsteher André Odermatt bleibt, quasi als Hüttenwart.

Erinnert wird damit an eine gewonnene Wette: 1456 behaupteten die Zürcher nämlich, dass sie es per Schiff so schnell nach Strassburg an ein Schützenfest schafften, dass der in Zürich gekochte Hirsebrei dort noch warm ankomme. Zeigen wollten sie damit auch, dass Zürich dem Bündnispartner in Kriegszeiten schnell zur Seite stehen könne. Die Fahrt dauerte damals etwa 22 Stunden – heute nimmt sie mehr als drei Tage in Anspruch.

29 Hindernisse und viele Reden

Damals gab es nur gerade bei Laufen die Felsenschwelle mit einem Höhenunterschied von zehn Metern zu überwinden. Heute behindern 29 Wehre, Staumauern, Kraftwerke und Schleusen die freie Fahrt. Und die Flüsse ziehen träger dahin.

Dazu kommen aber viele Empfänge und Reden unterwegs. Das Fest beginnt morgen Mittwoch um 9.30 Uhr auf dem Lindenhof, wo Hirsebrei an die Bevölkerung verteilt wird. Die Stadtmusik spielt, und OK-Präsident Urs Höhn vom Limmat-Club Zürich und Stadtpräsidentin Corine Mauch halten eine Rede.

Startböller um 12 Uhr

Um 12 Uhr legen die Boote unterhalb des Lindenhofs beim Clubhaus des Limmat-Clubs ab. Böllerschüsse begleiten die 84-köpfige Reisegesellschaft, die in historische Kostüme gekleidet ist. Die Fahrmannschaft allein besteht schon aus dreissig Personen

Interessant für Zaungäste dürften danach die Durchfahrt des Lettenwehrs (ca. 12.20 Uhr) und des Hönggerwehrs (ca. 12.50 Uhr) mittels Kahntransportanlage sowie die Unterquerung des Fischerstegs und des Gasibrücklis sein. Ein guter Blick bietet sich etwas später von der Limmat- und Autobahnbrücke zwischen Schlieren und Unterengstringen aus.

Hirsebreifahrt 2006: Elmar Ledergerber in seinem Element.

Zwischenhalt in Dietikon und Wettingen

Um 14 Uhr werden die Schiffe für einen Zwischenhalt und Empfang in Dietikon (beim Kraftwerk EKZ) anlegen, um 15.40 Uhr beim EWZ Wettingen. Die Ankunft in Baden ist um 17.30 geplant. Es folgt ein Umzug durch die Altstadt zum Kurplatz (um 18.15 Uhr Zwischenhalt und Empfang auf dem Kirchplatz).

Weiter geht es dann bis Samstag und nur noch mit einer wechselnden Delegation des Stadtrates über Rheinfelden und Breisach nach Strassburg, wo die Boote um 15.45 Uhr am Fischmarkt von der Stadtmusik Zürich und dem Stadtpräsidenten von Strassburg, Roland Ries, erwartet werden. Für die letzte Tagesetappe wird auch die Zürcher Stadtpräsidentin wieder an Bord gehen.

«Hirsebrei-Mogelei»

In Strassburg wird natürlich auch Hirsebrei verteilt – allerdings wird hier ein bisschen gemogelt. Sprüngli liefert diesen nämlich schön warm nach Kehl nahe Strassburg, wo die Schiffe ihn aufladen.

Am Sonntag finden – auch das ist traditionell – ein Schiesswettkampf und ein Schifferstechen statt. Alles unter Vorbehalt, dass die heutigen Zürcher ihren Vorfahren keine Schande machen und es wirklich bis nach Strassburg schaffen.

Organisiert wird die Hirsebreifahrt vom Limmat-Club Zürich, der Schützengesellschaft der Stadt Zürich, von der Zunft zur Schiffleuten, der Gesellschaft der Bogenschützen in Zürich und der Stadtmusik Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2016, 15:29 Uhr

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