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Der Zürichberg hat genug von den etablierten Parteien

Erstmals seit Jahrzehnten sitzt am Zürichberg ein Parteiloser im Schulpräsidium. Das zeigt einen Trend auf, der in allen Schulpflegen zu beobachten ist.

Bezeichnet sich selbst als Liberalen: Roger Curchod.
Bezeichnet sich selbst als Liberalen: Roger Curchod.

Das Amt des Schulpräsidenten ist begehrt am Zürichberg. Wie vor vier Jahren waren auch diesmal zwei Wahlgänge nötig, und die Kandidaten kämpften mit grossem Einsatz um die Gunst der Wählerschaft. Jeden Samstag standen der Grüne Ralf Margreiter und der Parteilose Roger Curchod vor den Quartierläden und suchten das Gespräch mit Müttern und Vätern. Das Rennen hat am Sonntag der ehemalige Vermögensverwalter und Banker Roger Curchod gemacht, der sich in den letzten Jahren als Präsident eines Elternrates für die Schule eingesetzt hat.

Bewohner des Quartiers sind nicht überrascht, denn Curchod bezeichnet sich als Liberalen, was in der städtischen Hochburg der Liberalen ein Vorteil war. Dennoch bedeutet Curchods Wahl eine Wende. Denn seit vielen Jahrzehnten halten die Freisinnigen das Schulpräsidium, in den Neunzigerjahren hiess der Schulpräsident Ueli Keller, dann folgte Hanna Lienhard. Zuletzt war Mirella Forster im Amt, die ihren Posten aber schon nach vier Jahren unglücklicher Amtsführung wieder zur Verfügung gestellt hat.

Obwohl die FDP-Kandidatin Béatrice Di Pizzo im ersten Wahlgang abgeschlagen Letzte wurde, will FDP-Kreisparteipräsident Dominique Zygmont nach dem zweiten Wahlgang nicht von einer Niederlage sprechen. Curchod sei zwar parteilos, teile aber die politischen Werte seiner Partei, sagt er. Darüber kann die grüne Kantonsrätin Esther Guyer, die viele Jahre am Zürichberg Schulpflegerin war, nur den Kopf schütteln: «Curchod hat den Schulen mehr Personal versprochen, was das Gegenteil von FDP-Bildungspolitik ist.»

Parteilose überall vorn

Roger Curchod beendet also eine freisinnige Tradition am Zürichberg. Doch auch in der restlichen Stadt ist seine Wahl einzigartig. Denn in den letzten dreissig Jahren war noch nie ein Parteiloser Schulpräsident, mit einer Ausnahme: Ernst Weibel, der langjährige ehemalige Präsident im Schulkreis Letzi. Er wurde allerdings erst parteilos, nachdem er sich mit seiner Partei, der SP, hoffnungslos überwor­fen hatte.

Selbst wenn Curchod einen guten Wahlkampf gemacht hat, ist seine Wahl auch ein Misstrauensvotum gegenüber der FDP und gegenüber den etablierten Parteien generell. Das zeigte sich bereits am 10. Juni bei den weniger beachteten Wahlen der gesamten Schulpflegen. Am Zürichberg kandidierten für die 25 Sitze 4 Parteilose. Sie machten die besten Resultate aller 26 Kandidierenden, vor den freisinnigen, sozialdemokratischen und grünen Kandidatinnen und Kandidaten. Der gleiche Trend war in fast allen anderen Schulkreisen zu beobachten. Die Parteilosen lagen vorn, und wenn es keine Parteilosen hatte, kamen zuerst die Kandidaten von GLP, CVP und BDP. Einzige Ausnahme war der Schulkreis Limmattal, wo die Linken am besten abschnitten.

In der Schule, wo die Ausbildung der Kinder im Zentrum steht, sind parteipolitische Spiele und Schacher besonders ungern gesehen. Hier wünschen sich die Stimmberechtigten offensichtlich sachbezogene Arbeit und keine Parteipolitik.

Praktisch nur SP und FDP

Schulpräsidien sind in Zürich interessante Posten, im Unterschied zu den meisten Landgemeinden sind es gut bezahlte Vollzeitstellen, wo Maximallöhne von rund 200'000 Franken bezahlt werden. Interessant sind diese Ämter auch für die Parteien, denn sie erhalten von den Amtsinhabern Abgaben. In Zürich profitieren fast nur SP und FDP davon. Fünf der sieben Schulpräsidien besetzen derzeit die Sozialdemokraten und eines die FDP. Neu gesellt sich nun Roger Curchod dazu.

Ähnlich sieht es bei den Stadtammännern und den Friedensrichtern aus, Ämtern die auch in Volkswahlen vergeben werden und in denen Maximallöhne von 190'000 beziehungsweise 160'000 Franken bezahlt werden: Je sechs der zwölf Stadtammänner und -frauen werden von FDP und SP gestellt. Die sechs Friedensrichter kommen derzeit aus der SP (3), der FDP (2) sowie aus der CVP (1).

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