Deshalb bevorzugen Zürcher Frauen Uber-Taxis

Ein Taxichauffeur tritt aus Protest gegen Uber in Hungerstreik. Junge Frauen begründen, wieso sie weiterhin lieber mit dem Billig-Taxi fahren.

Für Taxifahrer ist Uber ein Übel. Junge Frauen fühlen sich aber im Billig-Taxi sicherer. Video: Lea Blum und Patrice Siegrist

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Taxifahrer Mehmet Serif Kaya hat die Nase voll. «Unsere Arbeit wird kaputtgemacht. Wir können unsere Familien nicht mehr ernähren», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Nie habe er vom Staat abhängig sein wollen, «aber nun werde ich wegen der Konkurrenz durch Uber in die Arbeitslosigkeit gedrängt».

Gerne hätte der 50-Jährige mit der zuständigen Regierungsrätin Carmen Walker Späh über die Probleme mit der uberschen Übermacht gesprochen. «Aber ich bekomme keinen Termin bei ihr. Dabei sind wir auf die Hilfe der Politiker angewiesen. Sie müssen den Fahrdienstanbieter in Zürich verbieten.»

Hupender Protestcorso zur Stosszeit

Um ein gut sichtbares Zeichen gegen die steigende Konkurrenz auf Zürichs hartem Pflaster zu setzen, hat der dreifache Vater am Sonntagmorgen sein mit Protestnoten beklebtes Taxi auf einen Standplatz beim Zürcher Rathaus gestellt und ist in den Hungerstreik getreten. Oder eher in einen Hungerstreik light. Denn die friedliche Aktion endete bereits am Montagabend um 17 Uhr – dann aber mit Getöse: Kaya hat sich mitten im Stossverkehr mit seinen Taxikollegen zu einem Corso durch die Zürcher Innenstadt getroffen, um gegen Uber anzuhupen.

Mehmet Serif Kaya und seine Kollegen protestieren mit einer Rundfahrt als Corso gegen Uber. Bild: Sabina Bobst

Es ist nicht die einzige Protestaktion dieser Art. Erst Ende Februar sind rund 450 Taxis hupend und mit eingeschalteten Warnblinkern durch die Stadt Bern gefahren – beflaggt mit Anti-Uber-Fahnen. Dass die wütenden Taxifahrer bei den Politikern Gehör finden, ist zumindest in Zürich unwahrscheinlich. Denn Walker Späh sagte erst kürzlich zu «20 Minuten», dass sie ein Verbot von Uber ausschliesse, weil das nicht mit der in der Bundesverfassung verankerten Wettbewerbsfreiheit vereinbar sei.

Besorgte Eltern freuen sich über Uber

Abgesehen davon erfreut sich Uber vor allem bei jungen Frauen grösster Beliebtheit. Vor allem, um spätnachts sicher vom Ausgang nach Hause zu gelangen. «Seit es Uber gibt, bin ich häufiger mit dem Taxi unterwegs, weil ich mir die Fahrt nun leisten kann», sagt die 27-jährige Helen Irniger bei einer Strassenumfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Auch die bald 17-jährige Annabelle Kern nutzt Uber seit rund einem Jahr. Das freue nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Eltern. «Sie fühlen sich besser, wenn ich das Taxi nehme und nicht alleine im Zug reise.»

Der Fahrdienst sei nicht nur günstiger, sondern auch schneller verfügbar, sagen die Befragten. Da Uber seine Leistungen online oder über eine App vermittelt, können die Kunden nicht nur den Fahrpreis per Kreditkarte zahlen, sie erhalten auch jeweils die Kontaktdaten des Chauffeurs. «Da fühlt man sich irgendwie sicherer», sagt die 29-jährige Eva Belopitova.

Umstrittene Uber-Dienste

Zürich war 2013 die erste Stadt der Schweiz, in der Uber-Taxifahrer ihre Dienste anboten. Inzwischen hat das amerikanische Unternehmen, das 2009 ursprünglich als Limousinenservice von Garrett Camp und Travis Kalanick in San Francisco gegründet wurde, die Zahl der Fahrten in der Schweiz gemäss SDA allein im vergangenen Jahr um das Vier- bis Fünffache gesteigert.

Uber Pop, Uber X und Uber Black heissen die Fahrdienste, die das Unternehmen in der Schweiz anbietet. Insbesondere Uber Pop, bei dem Privatleute Fahrgäste mit dem eigenen Auto chauffieren, ist umstritten. Nach mehreren Gerichtsurteilen wurde der Dienst in zahlreichen Städten und Ländern eingestellt oder verboten. So auch in Genf. In Zürich, Basel und Lausanne gibt es Uber Pop aber nach wie vor.

Erstellt: 14.03.2016, 18:44 Uhr

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