Designer-Stühle im Zürichsee versenkt

Taucher finden auf dem Seegrund 16 Stühle vom Sechseläutenplatz. Die Stadt ist ratlos.

Die Stühle aus der Tiefe landen in der Abfallmulde. (Foto: Scuba Viva)

Die Stühle aus der Tiefe landen in der Abfallmulde. (Foto: Scuba Viva)

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Einmal im Jahr führt das Zürcher Tauchsportfachgeschäft Scuba Viva in Zusammenarbeit mit der Stadt im Zürichsee eine Putzaktion durch. Am vergangenen Sonntag haben 100 freiwillige Helfer, Taucher, Bootsfahrer und Land-Supporter kräftig angepackt und den See beim Bellevue entrümpelt. Gemeinsam haben sie mehr als 3 Tonnen Abfall beseitigt, heisst es in einer Mitteilung.

Die Taucher holten unzählige Büchsen und Flaschen, Velos, Pneus oder Handys aus der Tiefe. Und 16 Stühle vom Sechseläutenplatz.

Wenn keine Veranstaltung stattfindet, stehen auf dem Sechseläutenplatz ungefähr 200 solcher Designer-Stühle. (Foto: Samuel Schalch)

«Ich traute meinen Augen nicht. Ein Teil der Stühle war mit Muscheln bewachsen und verdreckt, andere hatten Roststellen, waren aber nicht gross verbogen», sagt Norbert Eisenlohr, Mitinhaber von Scuba Viva. Die Tauchmannschaft habe wegen des Gewichts einige Mühe gehabt, die Sechseläutenplatz-Möbel an die Wasseroberfläche zu hieven. «Stühle vom Sechseläutenplatz haben wir dieses Jahr zum ersten Mal gefunden», sagt Eisenlohr. Er wundert sich, dass niemand reagiert, wenn solche Stühle vom Platz weg an den See getragen werden – zumal ja immer zwei aneinandergekettet sind. «Sie sind schwer, dazu braucht es zwei Personen.»

Besserer Schutz gegen Vandalismus?

Ist das Phänomen der Stadt bekannt? «Die Anzahl Stühle, die seit 2015 verschwunden sind, hält sich in Grenzen und entspricht etwa unseren Erwartungen», sagt Sabina Mächler vom Tiefbauamt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Im ersten halben Jahr nach der Lancierung der Stühle auf dem Sechseläutenplatz im Juni 2014, seien zwölf Exemplare verschwunden.

Aus diesem Vorfall zog das Tiefbauamt die Konsequenzen. Seit 2015 sind die Stühle paarweise mit einem Draht verbunden. «Seither sind nur noch vereinzelte Stühle verschwunden», stellt Mächler fest. Weshalb nun am vergangenen Wochenende eine solch hohe Anzahl Stühle im See gefunden wurde, kann sich die Stadt nicht erklären.

Je nach Modell kostet ein
Stuhl auf dem Sechseläutenplatz zwischen 520 und 630 Franken.

Wenn keine Veranstaltung stattfindet, stehen auf dem Platz rund 200 Stühle. Je nach Modell kostet ein solcher Stuhl zwischen 520 und 630 Franken. Wie könnte man eine solche Sitzgelegenheit besser schützen? Mit Schrauben im Boden verankern? Sabina Mächler sagt, es sei beim Tiefbauamt keine bessere Sicherung der Stühle geplant. «Sie werden an schönen Tagen intensiv genutzt, sollen für die Besucher mobil bleiben und der Nutzung entsprechend arrangiert werden können», sagt sie. Mit fix verankerten, gegen Diebstahl geschützten Stühlen wäre dies nicht mehr möglich.

Das Tiefbauamt nimmt aus dem See gefischte Stühle zurück. Je nach Zustand werden diese gereinigt, repariert und wiederverwendet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2018, 16:47 Uhr

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