«Gewalt gegen Zürcher Polizisten nimmt deutlich zu»

Jede Woche Schläge oder Drohungen: Kommandant Daniel Blumer sagt, die Angriffe gegen die Stadtpolizei würden heftiger.

Seit 2013 Kommandant an der Spitze der Stadtpolizei Zürich: Daniel Blumer. Bild: Sabina Bobst

Seit 2013 Kommandant an der Spitze der Stadtpolizei Zürich: Daniel Blumer. Bild: Sabina Bobst

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In der Nacht auf Sonntag wurden an der Seepromenade Polizisten attackiert. Wer steckt dahinter?
Aufgrund der Situation – die Polizisten wurden heftig mit Glasflaschen beworfen – konnten die Angreifer weder kon­trolliert noch verhaftet werden, daher kennen wir weder das Alter noch die Nationalitäten. Gemäss den Aussagen der Polizisten handelt es sich jedoch um vorwiegend jüngere Personen, teilweise aus der gewalttätigen Fussballfanszene.

Verstärken Sie die Polizeipräsenz an der Seepromenade?
Die Stadtpolizei ist im Gebiet Seepromenade ohnehin sehr stark präsent. Wir beurteilen die Lage laufend und treffen falls nötig entsprechende Massnahmen. Es gibt aber Gebiete, in denen ich aufgrund der Vorkommnisse andere Massnahmen plane und prüfe. Welche das genau sind, will ich aus taktischen Gründen nicht offenlegen.

Nimmt die Gewalt bei der täglichen Polizeiarbeit zu?
Ja, wir stellen in den vergangenen drei Jahren eine deutliche Zunahme von Gewalt gegen Polizisten fest. Allein in diesem Jahr wurden 42 Anzeigen wegen Gewalt und Drohung bei der Staatsanwaltschaft Zürich eingereicht. Bei diesen Anlässen wurden 19 Polizisten verletzt. Mich beunruhigt, dass die Gewalt auch bei der Ausübung der täglichen Polizeiarbeit zunimmt. Ein Problem sind im Moment die Gewaltvorfälle durch Personen aus der Fussballfanszene, die anlassfrei ablaufen, also weit weg vom Stadion.

Wie oft erlebt ein Stadtpolizist Gewalt in seinem Alltag?
Er erlebt durchschnittlich einmal in der Woche physische oder psychische Gewalt und Drohungen. Das kann im Ordnungsdienst, aber auch bei einem Sportanlass sein.Was mir Sorgen bereitet, sind Vorfälle, wie wir sie in den vergangenen Tagen mehrfach erlebt haben. Zum einen am See, zum anderen im Kreis 5. Dort wurden Polizisten während ihrer normalen Patrouillentätigkeit von mehreren Leuten, die sich zu Gruppen zusammengerottet hatten, heftig angegriffen und – zum Teil lagen die Polizisten bereits am Boden – mit Fusstritten und Faustschlägen traktiert. Die Angreifer nahmen dabei in Kauf, dass meine Leute dabei schwer verletzt werden.

Sinkt in der Gesellschaft allgemein der Respekt vor der Polizei?
Die Zürcher haben generell ein sehr hohes Vertrauen in die Stadtpolizei. Problematisch sind vielmehr einzelne Gruppierungen zum Beispiel aus dem linksautonomen Umfeld oder der gewaltbereiten Fussballfanszene.

Was unternimmt die Stadtpolizei, um solche Gruppierungen besser in den Griff zu bekommen?
Wir prüfen zurzeit diverse Massnahmen, die dazu führen, dass wir Täter identifizieren, rasch überführen und entsprechend gute Beweise sichern können. Aufgrund der Vorfälle sind zudem verschiedene Arbeitsgruppen unter Einbezug der Stadtpolizei gegründet worden. Im Bereich Sport sind es Orbit und die Expertengruppe der Clubs. Betreffend allgemeine Gewalt heisst das Projekt PiuS (Polizeiarbeit im urbanen Spannungsfeld). Daraus resultierte zum Beispiel das Vorhaben, dass Polizisten mit Bodycams ausgerüstet werden.

Erstellt: 14.05.2018, 22:12 Uhr

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