Die Abivardi-Schwestern
lächeln wieder

Haleh und Golnar Abivardi haben mit ihren Zahnarztzentren grosse Erfolge gefeiert – bis ihre Expansion nach London scheiterte. Nun arbeiten sie mit dem «Donald Trump von Bangalore» zusammen.

Schöner wohnen, erfolgreicher wirtschaften: Hausherrin Haleh Abivardi (rechts) mit Schwester Golnar in ihrer Villa am Zürichsee.

Schöner wohnen, erfolgreicher wirtschaften: Hausherrin Haleh Abivardi (rechts) mit Schwester Golnar in ihrer Villa am Zürichsee. Bild: Sabina Bobst

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für Haleh Abivardi (44) und ihre Schwester Golnar (40) ist lächeln Teil ihres Berufs. Zeigen sie ihre dank Keramikschalen perfekten Zähne, betreiben sie auch Marketing in eigener Sache. Ihre Zahnarztzentren heissen bezeichnenderweise Swiss Smile. Doch in den vergangenen Jahren dürften die Mundwinkel der erfolgsverwöhnten «Sp(r)itzenunternehmerinnen» («Schweizer Illustrierte») häufiger nach unten gezeigt haben. Inzwischen sei die schwierige Vergangenheit allerdings überwunden, sagt Haleh Abivardi – und lächelt.

Nachdem die Schwestern vor zehn Jahren ihr erstes Zentrum im Shop-Ville gestartet hatten und 2007 zu Unternehmerinnen des Jahres gekürt worden waren, wagten sie kurz darauf den Sprung ins Ausland. Doch die Londoner Filiale an der teuren Brook Street brachte die Firma ins Schlingern. Den schönen Zahnärztinnen wachse der Erfolg über den Kopf, sie hätten «Puff mit der AHV» wegen ausstehender Zahlungen, schrieb der «SonntagsBlick». Die Schulden sind laut Haleh Abivardi im gleichen Jahr vollständig beglichen worden: «Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern.» Auch der Streit mit einem ehemaligen Klinikleiter um ein gewährtes Darlehen sei vor dem Friedensrichter beigelegt worden. Der Mann habe die Hälfte des Geldes zurückzahlen müssen.

Nach der gescheiterten Expansion nach London ist auch der Verwaltungsrat (VR) im vergangenen Jahr neu gebildet worden: Thomas Matter, Chef der Matter Group und SVP-Politiker, ist durch Heliane Canepa ersetzt worden. Neu im VR ist Alexander Krebs von Verium, einem Beratungsunternehmen.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Im Nachhinein betrachten die Abivardis die London-Expansion als lehrreich. Bei Engagements im Ausland brauche es unbedingt einen Partner vor Ort, sagt Golnar Abivardi. Dadurch hätten sie sich in London auch die hohen Kosten für Berater sparen können. Von einer Fehlplanung wollen sie aber nicht sprechen, man habe die Situation im Vorfeld gut analysiert. Sehr negativ ausgewirkt habe sich die teure Lage, die – gepaart mit der Finanzkrise – zum Verhängnis geworden sei. «Wir sind auch zu schnell gewachsen: Filialen in London, St. Moritz und an der Bahnhofstrasse, eine eigene Produktelinie – und das alles im Jahr 2007», sagt Haleh Abivardi. Sie hätten eine steile Lernkurve hinter sich.

Die Filiale in London haben sie verkauft, sind aber noch über einen Franchising-Vertrag daran beteiligt. Swiss Smile steht laut den Abivardi-Schwestern finanziell gesund da. Die beiden Zürcher Kliniken erwirtschafteten 2010 einen Umsatz von 20 Millionen Franken. Für 2013 erwartet Swiss Smile unter Einbezug der neu übernommenen Zentren fast das Doppelte.

In der Lernkurve enthalten ist auch der zurückhaltendere öffentliche Auftritt. Zu Beginn ihrer Unternehmerinnenkarriere tauchten die beiden «strahlenden Schwestern» («Das Magazin») mit «genug Biss für den Erfolg» («Bilanz») bei vielen Premieren auf und liessen sich von der Boulevardpresse hofieren. Doch zum Schutz ihrer Privatsphäre haben sich die beiden Schwestern seit Haleh Abivardis Hochzeit mit dem Unternehmer Maximilian Brönner – just im schicksalsträchtigen Jahr 2007 – grösstenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. «Wir haben gelernt, Nein zu Interviews zu sagen, bei denen der Schwerpunkt nicht auf unserem Unternehmen liegt», sagen die Schwestern. Das Glamourimage haben sie abgestreift. Und sie haben zum Beispiel ein Projekt mit Pfarrer Ernst Sieber ins Leben gerufen, mit dem sie seit 2010 Menschen in Not eine kostenlose Zahnbehandlung ermöglichen.

Villa für 3,2 Millionen Franken

Haleh Abivardi lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Villa Mooser in Wollishofen. Im denkmalgeschützten Haus mit Seeanstoss wohnte bis 2008 der frühere Schauspielhausdirektor Mathias Hartmann. Das Haus hat 13 Zimmer mit 450 Quadratmeter Wohnfläche. 3,2 Millionen Franken zahlten sie der Stadt Zürich dafür. Dazu kommt ein jährlicher Baurechtszins von rund einer viertel Million Franken für das 2300 Quadratmeter grosse Grundstück. Der Baurechtsvertrag läuft über 60 Jahre mit einer Option auf weitere 30 Jahre. Spätestens nach 90 Jahren gehört die Villa wieder der Stadt.

Hausherrin Haleh Abivardi, die ursprünglich Künstlerin werden wollte und sich vor dem Zahnarzt fürchtete, hat die Villa im klassischen Stil eingerichtet. Für das Wohnzimmer hat sie extra ein Sofa mit dunkelbraungrünem Velourbezug anfertigen lassen. Ebenso einen Stuhl mit hoher Rückenlehne im Eingangsbereich, der farblich zu den gedeckten Tönen der historischen Tapete passt. Eines der wenigen modernen Möbelstücke ist ein quadratischer Couchtisch aus dunklem Glas. Bereits bevor Mathias Hartmann in die Villa zog, liess die Stadt die Villa für 2,5 Millionen Franken renovieren. Trotzdem stehen noch ein paar Ausbesserungsarbeiten an. Handwerker sind damit beschäftigt, das Dach neu einzudecken.

Eines der Kinder tollt beim Besuch des Journalisten auf dem Sofa. Als das Gemälde an der Wand leicht wankt, weist die Mutter den Sohn nett, aber bestimmt vom Sofa. Von der Küche aus, in der ein antik anmutender Gasofen mit neuster Technik steht, kann die Mutter die Kinder im Garten beobachten. Auch ein Bootshaus gehört zum Anwesen. Doch es steht leer. «Dafür habe wir einfach keine Zeit. Vielleicht kaufen wir ein Boot, wenn wir in Pension sind», sagt Haleh Abivardi. Einen modernen Kühlschrank in der Küche liess sie umplatzieren. An seiner Stelle steht jetzt eine massgefertigte weiss gestrichene Anrichte.

Kontrolliertes Risiko

Der Stilwechsel der Abivardi-Schwestern zeigt sich auch in ihrer Geschäftsstrategie. Sie wollen sich auf die Schweiz konzentrieren. Die vier neuen Filialen in Indien und diejenige in Moskau sind auf Franchising-Basis entstanden. «Das Risiko muss kontrollierbar sein», sagt Haleh Abivardi. Wichtig sei, stabil und nachhaltig zu wachsen. Die Idee, in Indien Filialen zu errichten, stammt nicht von den beiden Zahnärztinnen, sondern von einem indischen Patienten. Dieser «Donald Trump von Bangalore» (Haleh Abivardi) war bei den Schwestern in Behandlung und hat sogar über Nacht ein Hochhaus gekauft, weil die Abivardis das Gebäude für ein Zahnarztzentrum als ideal gelegen bezeichneten.

Auch in der Schweiz wollen sie mit ihrer Firma weiterwachsen und haben dafür ihre Strategie angepasst: Statt neue Filialen zu bauen, übernehmen sie bestehende Praxen mitsamt den erfahrenen Zahnärzten und führen sie unter dem Namen Swiss Smile weiter. In Suhr gehört seit Anfang Jahr die grösste private Kinderzahnarztpraxis der Schweiz zur Gruppe, und seit wenigen Tagen ist auch die Grosspraxis Zahnmedizin Zürich-Nord zusammen mit der höheren Fachschule für Dentalhygiene unter der Führung von Swiss Smile.

In der Stadt Zürich herrscht ein harter Wettbewerb unter den Zahnarztpraxen. Als die Abivardis vor zehn Jahren ihre erstes Geschäft im Shop-Ville eröffneten, wirbelten sie die Branche auf. Mittlerweile habe sich die Situation deutlich beruhigt, sagt Roger Naef, Präsident des Zürcher Ablegers der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO. «Dies hängt auch damit zusammen, dass Swiss Smile Mitglied des SSO ist. Ich habe die Abivardi-Schwestern als sehr kooperativ erlebt.» Als Mitglied der Standesorganisation verpflichte man sich auch dazu, Berufskollegen nicht in den Rücken zu fallen.

Erstellt: 15.05.2013, 07:35 Uhr

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...