Die Aufsteigerin ohne Fluss und See

Die Badi Heuried ist doppelt so gut besucht wie vor dem Umbau. Besonders Familien mit Kindern zieht das Freibad im Kreis 3 an.

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«Ich will in die Badi, du hast es versprochen.» Das kleine Mädchen im Badeanzug weint, stampft und tobt. Doch seine Mutter lässt sich nicht beirren und bleibt bei ihrem Entscheid: «Es gibt keine Schattenplätze mehr. Wir kommen ein anderes Mal wieder.»

An die Schattenplätze hat man beim Umbau der Badi Heuried eigentlich gedacht. Ahorn, Buche, Eiche, Esche, Föhre: Seit der Wiedereröffnung stehen mehr Bäume denn je auf der grosszügigen Liegewiese. An diesem Ferientag sind diese Plätze aber besetzt. Über den Tag verteilt kommen rund 3000 Gäste, an den Rekordtagen im Juli waren es über 5000.

Schon jetzt das erfolgreichste Jahr

Die Badi wird in ihrer ersten Saison nach dem dreijährigen Umbau zu einem Liebling der Zürcherinnen und Zürcher. Im bisherigen Rekordjahr 2013 kamen am Ende knapp 92'000 Badegäste. Dass 2018 noch klar erfolgreicher wird, steht bereits fest: Schon am 25. Juli empfing man den 100'000. Besucher, bis Sonntag waren schon knapp 111'000 hier. Zum gleichen Zeitpunkt waren es 2013 knapp 63'000 Gäste.

Auch im Vergleich mit anderen Stadtzürcher Badis hat Heuried einen beispiellosen Aufstieg hinter sich: Lag es in den beiden Saisons vor dem Umbau jeweils auf dem 11. Rang der Sommerbäder, so ist es jetzt auf Rang 6 vorgestossen. Von den Freibädern ohne natürliches Wasser liegt sie gar nur knapp hinter der Badi Letzigraben auf dem zweiten Platz. Zum Vergleich: 2014 hatte diese mit rund 114'000 Eintritten noch fast doppelt so viele Besucher wie das Heuried mit etwa 59'000.

Bei so vielen Menschen den Überblick zu behalten ist nicht immer ganz einfach. Das weiss kaum jemand so gut wie Michael Bianchera, stellvertretender Betriebsleiter und Bademeister. Seit 2003 arbeitet er in der Badi Heuried. Das Personal sei nach dem Umbau aufgestockt worden, sagt er. «An den gut besuchten Nachmittagen sind zurzeit bis zu 6 Bademeister im Einsatz.» Ihre Aufgaben umfassen nicht nur die Aufsicht der Schwimmbecken und der Rutschbahn, sondern auch Sanitätsdienste sowie die Kontrolle der Verhaltensregeln und der Toilettenanlagen.

«Manch ein Gast ist zurzeit etwas hitzköpfiger – die Temperaturen schlagen wohl aufs Gemüt.»Bademeister Michael Bianchera

Bisher hätte es in der laufenden Saison trotz vieler Besucher keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben, sagt Bianchera. Aber der Andrang führe durchaus zu Mehraufwand. So liege mehr Abfall herum. Und: «Seit etwa einer Woche ist manch ein Gast etwas hitzköpfiger – die Temperaturen schlagen wohl aufs Gemüt.» Auch das gehört zur Aufgabe der Bademeister: Schlichten, wenn es Streit gibt.

Beliebte Familienbadi

Unter den Besuchern der Badi im Kreis 3 sind auffällig viele Kinder. Der Eindruck trügt nicht: Knapp ein Drittel der Badegäste sind in dieser Saison unter 16 Jahren alt. Ihr Anteil ist höher als vor dem Umbau. «Es kommen sehr viele Familien», sagt auch Michael Bianchera. Das mag zum Teil am neuen Planschbecken mit Stufen, Sprinklern, Sonnendeck und Trinkwassereinspeisung sowie an der längsten Rutschbahn aller Zürcher Freibäder liegen. «Diese Angebote sind spannend für Kinder», sagt Bianchera. «Wir sind nicht einfach eine Badewanne mit Wasser.»

Video: Die Badi kurz vor der Eröffnung

Der Umbau hat sich gelohnt: Ein Rundgang durch das Freibad Heuried. Video: Tina Fassbind

Er führt aber einen weiteren Grund ins Feld: Die veränderte Bevölkerungsstruktur in der Umgebung der Badi . «Nach Sanierungen und Neubauten sind viele Familien ins Quartier gezogen.» Davon würden auch die Schulhauspavillons zeugen, die hier entstanden sind.

Mittlerweile hätte die aufwendig umgebaute Badi aber auch einen guten Ruf weit über das Quartier hinaus. «Die Badi ist eine Oase geworden», findet auch Bianchera. In einer Umfrage von «20 Minuten» wurde sie gar zur beliebtesten Zürcher Badi gekürt. Aktuell führt das Sportamt der Stadt einen Wettbewerb durch, bei dem man seine Lieblingsbadi angeben kann. Welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am häufigsten nennen, wird erst nächste Woche bekannt gegeben. Gut möglich, dass der Name Heuried ganz weit oben steht.

Erstellt: 01.08.2018, 10:41 Uhr

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