Die Ausreden eines Stadtrats

André Odermatt nimmt bei den Mehrkosten beim Kongresshaus keine Schuld auf sich.

Kostet mehr als gedacht, weil falsch gedacht wurde: Kongresshaus und Tonhalle in Zürich. Foto: Urs Jaudas

Kostet mehr als gedacht, weil falsch gedacht wurde: Kongresshaus und Tonhalle in Zürich. Foto: Urs Jaudas

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Es sind drei eigentümliche Ausreden, die Stadtrat André Odermatt (SP) bei den Mehrkosten beim Umbau des Kongresshauses und der Tonhalle macht. Zu den bewilligten 165 Millionen Franken verlangt der Zürcher Hochbauvorsteher neu zusätzliche 13,1 Millionen Franken. Die Bauarbeiten alleine schlagen mit Mehrkosten von 9,4 Millionen Franken zu Buche. Und weil die Eröffnung um ein halbes Jahr verschoben wird, muss die Stadt die Tonhalle-Gesellschaft mit 3,7 Millionen Franken unterstützen.

Ausrede Nummer eins: Odermatt spricht von einem «klugen, wirtschaftlichen Handeln». Dazu entnimmt er dem Kässeli für die Reserven 5,6 Millionen Franken, um Sonderwünsche zu erfüllen. Diese «Projektoptimierungen» – zum Beispiel eine zusätzliche Lüftungs- und Kühlungsanlage im Verwaltungstrakt oder weitere Toiletten – sind erst während des Baus aufgetaucht. Dafür sind Reserven allerdings nicht da. Denn diese sind für Unvorhergesehenes gedacht. Darüber sind sich eigentlich alle einig.

Nur Fadenscheiniges

Ausrede Nummer zwei: Odermatt spricht vom «vernünftigen Umgang mit den Reserven». Doch eigentlich hat er sich verspekuliert. Wären die 165 Millionen Franken nicht aufgebraucht worden, hätte die Stiftung den Rest aus rechtlichen Gründen behalten können. Daher sei es der Stadt wichtig, dass der grösste Teil des Kapitals ins Gebäude fliesse – auch die Reserven, die er nun aber voreilig aufbrauchte.

Ausrede Nummer drei: Odermatt spricht von «Planungsunschärfen». Schon im Jahr der Abstimmung stellte die Stadt eine ungenügende Planung fest. Es dauerte zwei Jahre, bis eine neue Gesamtleitung die Arbeit aufnahm – und zeigte, dass sich Odermatt und sein Team verrechnet hatten.

Die Zürcher Stimmberechtigten haben 2016 Ja gesagt zu einem sehr teuren Projekt mit einer komfortablen Reserve. Die reicht nun nicht aus. Und der zuständige Stadtrat? Er hat nur fadenscheinige Ausreden.

Erstellt: 23.07.2019, 18:59 Uhr

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