Premiere für die neuste Zürcher Badi

Liegewiesen so weich wie ein Hochflorteppich, ein Kinderbassin mit Trinkwasser und einige Herausforderungen. Die Badi Heuried vor ihrer ersten Saison.

Erstmals eine Sommersaison: Die neue Badi Heuried vor ihrem ersten Saisonstart. Video: Tamedia/tif

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Wolkenloser Himmel und angenehme 26 Grad. So wie gestern beim Rundgang durch die noch unberührte Badi Heuried müsste das Wetter sein, wenn an Auffahrt die Zürcher Freibäder in die Sommersaison starten. «Das wäre natürlich sehr schön», sagt Hansjürg Lüthi, Bereichsleiter der brandneuen Sport- und Freizeitanlage. Drei Sommer lang mussten die Menschen im Kreis 3 wegen der Umbauarbeiten auf ihre heiss geliebte Badi verzichten – und nun wird just zur Wiedereröffnung ein Kälteeinbruch erwartet. «So ist das halt bei einem Freibadbetrieb», meint Lüthi nur.

Zwei Tage vor dem Start in ihre allererste Saison zeigt sich die Badi von ihrer allerbesten Seite. Die fast weissen Betonwege fluoreszieren zwischen den sattgrünen Wiesen, die Schwimmbecken schimmern türkis im Sonnenlicht. Sofort hineinspringen möchte man. Doch noch müssen die Gärtner letzte Handgriffe tun, das Unkraut jäten, die Grünflächen giessen. An den Rändern der Badi stehen uralte Buchen und Eichen, auf der Liegewiese spenden rund ein Dutzend neue Bäume bereits Schatten. Ahorn, Esche, Föhre – alles heimische Gehölze, alle gut zehn Jahre alt. «Um Bäume dieser Grösse zu bekommen, mussten wir sie in halb Europa zusammensuchen und reservieren», so Lüthi.

Die Liegefläche hat gewonnen

Es hat sich gelohnt. Die Aussenanlage wirkt mit diesem Mix aus altem und neuem Baumbestand lebendig und weil Balliana Schubert Landschaftsarchitekten AG das Kinderbecken in die Nähe der beiden bisherigen Bassins verlegt haben, ist die Liegefläche nun viel grosszügiger. Die Sprinkler müssen grosse Bögen schlagen, damit das Wasser überall hinreicht. Im üppigen Rasen sinken die Füsse ein wie in einem Hochflorteppich.

Diese neu gewonnene Weite tut gut. Richtig durchatmen kann man hier. Zu hören ist nichts ausser Vogelgezwitscher und Wasserplätschern – noch. Beim nächsten Mal Sonnenschein ist im Heuried wohl die Hölle los. «Dann werden wir sehen, ob im Vollbetrieb alles so gut funktioniert wie bei unseren Testläufen», sagt Lüthi.

Einige Anpassungen mussten bereits gemacht werden. Beispielsweise ein Sichtschutz zwischen Fitnessraum und Frauenduschen. «Dass hier Einblicke möglich waren, haben wir erst nach Abschluss der Bauarbeiten bemerkt», erklärt der Bereichsleiter. Auch an der neuen, extra breiten Wasserrutschbahn beim Nichtschwimmerbecken waren Änderungen nötig: ein Geländer, damit sich niemand an der freistehenden Rutsche den Kopf stösst. Lüthi ist gespannt, wie dieses Novum bei den Kindern ankommt. «Es funktioniert nur, wenn immer gleichmässig viel Wasser über die metallene Rutschfläche läuft und sie nicht zu heiss wird.»

Nichtschwimmer aufgepasst!

Eine Herausforderung für die Badmeister dürfte laut Lüthi die Öffnung zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken sein. Früher trennte eine Böschung die beiden Bereiche. Nun liegen breite Stufen dazwischen. «Hier werden wir wohl ab und zu einschreiten müssen, bis sich alle an die neue Situation gewöhnt haben. Kinder mit Flügeli dürfen nicht ins tiefe Becken.» Tatsächlich ist das Schwimmerbecken dank eines neuen Bassinrandes mit Überlaufsystem rund einen halben Meter tiefer als früher. Schöner aussehen tut es auch, und es wirkt grösser, obwohl es das nicht ist. Wie beim Nichtschwimmerbecken haben die Planer einzig die technischen Einrichtungen erneuert. Sonst ist alles beim Alten geblieben. Auch die 132 Meter lange Wasserrutschbahn ist noch da.

Die Öffnung zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken ist für die Badmeister eine Herausforderung.

Weil nun aber die ganzen Büsche fehlen, gewinnen auch die Bassinränder Raum. Es hat sogar genügend Platz für Holzliegen und Sonnenschirme. Über zwanzig Stück sind auf dem ganzen Areal verteilt – unter anderem auch auf dem neuen Sonnendeck, das zum Restaurant führt. Vorher gab es keinen solchen Sonnenschutz. «Es war uns ein besonderes Anliegen, für viel Schatten zu sorgen», sagt Lüthi. «Sollte der Wunsch bestehen, könnten wir auch noch weitere Schirme anschaffen.»

Besonders viel Schatten spenden grosse Sonnensegel über dem neuen Kinderbecken – dem Highlight der neuen Badi. Eine Wasserspiellandschaft mit kleinen und grossen Becken, Bächlein mit Stauelementen und Fontänen. Das Ganze ist leicht schräg angelegt, sodass das Wasser immer abfliessen, ein spezielles Aufbereitungssystem durchlaufen und oben am Bassin wieder eingespeist werden kann – als Trinkwasser. Damit ist es wohl das erste Kinderplanschbecken, aus dem die Kleinen getrost mal trinken können.

«Ich finde, es ist die schönste Badan­stalt von Zürich», sagt Bereichsleiter Hansjürg Lüthi zufrieden. Wie er freut sich das ganze Team auf den Saisonstart. Rund ein Dutzend Leute werden für den reibungslosen Badbetrieb und die Abläufe in der gedeckten Eishalle sorgen, die auch während der Sommer­monate offen ist. Drei von ihnen haben bereits vor dem Umbau im Freibad gearbeitet. Darunter Roland Bächler, der die Badi Heuried 15 Jahre lang leitete. «Er sagte mir kürzlich, dass es nun wohl noch mehr Tränen geben werde, wenn die Eltern den Kindern sagen, dass sie nach Hause müssen.» Gut möglich, dass es nicht nur den Kinder so geht.

Erstellt: 08.05.2018, 22:01 Uhr

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