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Zürichs berühmteste Schaufensterpuppen verschwinden

Das Traditionsgeschäft Bovet bei der Sihlporte muss schliessen – nach 90 Jahren. Jetzt fehlen auch Gérard Depardieu oder Luciano Pavarotti im Zürcher Stadtbild.

Jetzt stehen sich die prominenten Herren in einem Keller in Lenzburg die Beine in den Bauch. Die beleibten Promis, dick im Geschäft in Hollywood und auf den Bühnen dieser Welt, warben an der Zürcher Sihlporte im Dienst des Herrenausstatters Bovet. Schauspieler Jean Reno, sein Kollege und Neo-Russe Gérard Depardieu, Supertenor Luciano Pavarotti oder Danny de Vito standen reglos in den Schaufenstern. Jack Nicholson und Jean Gabin waren Beweise dafür, dass es die Verkäufer bei Bovet verstanden, auch grosse Männer und solche mit Bäuchen elegant einzukleiden.

Die Männerpuppen im Schaufenster der Confection Bovet, direkt bei der Sihlporte, waren den meisten Passanten bekannt – an der letztjährigen Manifesta-Kunstausstellung waren drei der Schauspieler sogar im Löwenbräu-Museum zu sehen. Nun sind sie verschwunden. Dafür klebt ein «Totalausverkauf»-Banner auf den Scheiben. Das Traditionshaus, das auf Übergrössen spezialisiert ist, muss schliessen, wie Bovet seinen langjährigen Kunden in einem Brief mitteilt. Die Liegenschaft, in der die Confection Bovet AG seit 59 Jahren Mieter ist, wird im Juli totalsaniert. Danach wird ein Hotel einziehen.

Er habe sich intensiv nach einem neuen, gleichwertigen Laden gesucht, sagt Geschäftsführer Alfons Müller. Er hätte eine Ladenfläche in der Grösse von rund 450 Quadratmetern gebraucht, und das zu einem vernünftigen Preis – in der City. Die Suche sei aber ergebnislos verlaufen.

Stetige Umsatzeinbusse im Detailhandel

«Den Laden aufzugeben, ist mir schwergefallen», sagt Müller. Aber im Februar habe man die Entscheidung treffen müssen. Dann wäre die Bestellung der Herbstkollektion fällig gewesen. Müller verhehlt nicht, dass der Detailhandel in den letzten Jahren unter starkem Druck gestanden sei und auch sein Geschäft von stetigen Umsatzeinbussen betroffen war. Viele Leute – vor allem die junge Generation – hätten die Waren im Internet gekauft. Zudem seien auch viele Kunden über die Grenze zum Einkaufen gereist. Auch langjährige ausländische Bankkunden aus dem Osten und aus arabischen Ländern, die bei ihrem geschäftlichen Aufenthalt in Zürich sich noch kleidermässig versorgt hätten, seien vermehrt ausgeblieben. Er beschreibt auch die Parkplatzsituation in der City als problematisch.

Müller arbeitet seit 45 Jahren in der Confection Bovet AG; als geschäftsführender Inhaber seit 25 Jahren. Zuvor war dort sein Vater Chef gewesen, anfänglich der Namensgeber Arthur Bovet. Der Laden wurde 1927 gegründet, die ersten Jahrzehnte war er an der Löwenstrasse beheimatet.

Müllers Zukunftspläne noch offen

Mit dem Ende Bovets verbleibt in der Stadt Zürich nur noch ein Vollausstatter für Übergrössen. Es handelt sich um J. B. Mens Clothing am Sternen Oerlikon. Wie der Geschäftsführer Jusuf Bajra sagt, sei er vor kurzem von Wipkingen an die Schwamendingenstrasse 5 in Oerlikon gezogen, weil er dort mehr Verkaufsfläche hat.

Für einige der fünf Angestellten von Bovet wurde gemäss Müller eine Lösung gefunden, für die anderen sei man zuversichtlich, eine neue Stelle zu finden. Seine Zukunftspläne sind hingegen noch offen. Vielleicht wolle er sein langjähriges Wissen als Berater weitergeben.

Der Immobilienbesitzerin Balintra AG, einer Tochterfirma der UBS, macht Müller keinen Vorwurf. Man sei langfristig über die Umbaupläne informiert worden. «Leider», resümiert Alfons Müller, «blieb die Suche nach einem neuen Laden erfolglos.»

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