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«Die Chancen für eine Kandidatur aus der Mitte sind intakt»

Gerold Lauber sieht keinen Grund für eine bürgerliche Wende.

Ihre CVP dürfte es schwer haben, den Sitz zu verteidigen. Warum bleiben Sie nicht noch vier Jahre?

Eine Partei darf nicht abhängig sein von einem Protagonisten. Zwölf Jahre in einem Exekutivamt reichen, länger sollte man nicht machen.

Hat die CVP mit einem Wähleranteil von 4,6 Prozent überhaupt noch Anspruch auf einen Sitz?

Die Chancen für eine Kandidatur aus der Mitte sind intakt. Aber es kommt immer auf die Konstellation an. Wer tritt sonst noch an? Wie sieht das Bündnis aus? Es war vor elf Jahren auch nicht so, dass die Stadt Zürich auf mich ge­wartet hätte.

Mit wem soll die CVP antreten?

Das geht jetzt nicht gegen interessierte Herren: Aber grundsätzlich wäre es schön, wenn sie mit einer Frau versuchen würde, den Sitz zu halten. Mehr Frauen in Exekutiven sind wichtig.

Hätte nicht vor allem auch die SVP Anspruch auf einen Stadtratssitz?

Natürlich. Es wäre sogar gut, wenn die SVP in die Stadtregierung eingebunden wäre. Das würde sie aus ihrer manchmal etwas einseitig verstandenen Oppositionsrolle bringen.

Täte es auch dem Stadtrat gut?

Das kommt ganz auf den SVP-Vertreter an. Aber es ist schon so: Der Stadtrat hat sich in den letzten elf Jahren gut verstanden und als Gremium gut funktioniert. Ich wünsche ihm, dass das so bleibt.

Braucht es eine bürgerliche Wende?

Diese Forderung kann ich nicht nachvollziehen. Eine Wende würde sich aufdrängen, wenn in Zürich eine desolate Situation herrschen würde. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Wir sind sehr attraktiv, die Stadt wächst, wir haben recht gute Finanzabschlüsse vorzuweisen. Was soll denn besser werden?

Was werten Sie als grösste Erfolge?

Sehr wichtig ist mir die Einführung der Tagesschule 2025. Ich bin überzeugt, dass sie gelingen wird. Bis spätestens 2030 werden wir in Zürich nur noch Tagesschulen haben, auf freiwilliger Basis. Die Finanzierung ist eine Herausfor­derung, aber machbar. Stolz bin ich auch auf die Reformen in der Volksschule. Nach der Umsetzung des Volksschulgesetzes sprach man von «Schule im Sinkflug». Das ist vorbei. Die Schule in Zürich ist gut unterwegs. Und sie erbringt eine riesige Integrationsleistung. Im Sportbereich gab es einen Ausbau, etwa mit dem Heerenschürli oder den Bädern City und Heuried, der Jugend- und Breitensport wurde gefördert. Bedauerlich war das knappe Nein des Volks 2012 zum Stadion.

Ist Ihr Rücktritt am Ende eine Flucht vor einem neuen Stadionfiasko?

Überhaupt nicht! Obwohl es ziemlich sicher nochmals eine Volksabstimmung geben wird, vor der man durchaus Respekt haben sollte. Aber es gab kein Geschäft, das meinen Entscheid beeinflusst hätte. Ausser vielleicht der Umstand, dass Wahlkampf nicht meine Sache ist.

Was nervt Sie in Zürich?

Dass die politische Auseinandersetzung in letzter Zeit ideologischer geworden ist und es eine Verhärtung auf beiden Seiten des politischen Spektrums gibt. Das steht sachlichen Lösungen im Interesse der Bevölkerung im Weg.

Was machen Sie nach dem Rücktritt?

Hoffentlich gesund bleiben – der Rest ergibt sich. Ich möchte wieder mehr Sport machen, Klettern etwa, und mehr Zeit für die Familie haben. Und wieder häufiger handwerklich tätig sein, beim Renovieren bei mir zu Hause oder beim Heuen im Wallis. Dorthin ziehen werde ich aber nicht. Eine dritte Karriere plane ich übrigens nicht, auch politisch wars das für mich. Es war eine sehr spannende und befriedigende Zeit. Und: Ich rechne es den Zürchern hoch an, dass sie jemanden wählten, den sie gar nicht verstanden haben – wegen seines Walliserditsch.

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