«Sie haben einem Steward die Nase gebrochen»

Stadionmanager Peter Landolt hat es nach dem gestrigen Match geschafft, den gewalttätigen FCZ-Mob aus dem Stadionbauch zu spedieren. Im Interview erklärt er, wie.

Heikle Situation: Die nervösen Vermummten können überredet werden, das Stadioninnere zu verlassen.

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Herr Landolt, Sie waren im Stadionbauch, als vermummte Chaoten versucht haben, in die Spielerkabine zu gelangen. Was ist geschehen?
Angefangen hat alles, als die FCZ-Spieler sich bei der Südkurve verabschieden wollten. Die Kurve hat aber bereits vor dem Spiel signalisiert, dass sie das nicht will. Dann fing es an, in der Kurve zu brodeln. Einige verliessen das Stadion zuerst und gingen auf die Badenerstrasse. Dann kamen sie zurück und stürmten via Haupttribüne und Nebenplatz Richtung Spielergarderoben. Zuerst konnten wir sie noch zurückdrängen, doch sie begaben sich via Haupttribüne und Tartanbahn zum Spielertunnel. Ein Teil der Vermummten konnte dort wieder verjagt werden, doch etwa 30 Männern gelang es, ins Stadioninnere zu gelangen. Dabei haben sie einem Steward die Nase gebrochen. Dieser musste danach ins Spital.

Einige Vermummte konnten wieder aus dem Spielertunnel vertrieben werden.

Die Spieler waren also stark bedroht?
Nein, wir haben sie frühzeitig aus der Garderobe in einen anderen, geschützten Raum gebracht. Die Chaoten hätten eine leere Garderobe vorgefunden, wenn sie bis dorthin gelangt wären.

Was wollten die Vermummten?
Sie wollten zu den Spielern und zu FCZ-Präsident Ancillo Canepa.

War Canepa bei den Spielern?
Nein. Das Ehepaar Canepa blieb aber bis zuletzt im Stadion.

Wie ging es weiter mit diesen 30 Vermummten?
Es gelang uns irgendwie, mit ihnen zu reden.

Auf Filmdokumenten ist zu sehen, wie Sie mit den aufgeregten jungen Männern verhandeln und die Situation beruhigen. Sie rufen die jungen Männer zur Ordnung, machen ein Handzeichen, Ihnen zu folgen, worauf sie gehorchen. Wie haben Sie das geschafft?
Die Eindringlinge befanden sich in einem Teil des Stadions, den sie nicht kennen, und waren nervös. Da gelang es, ihnen klarzumachen, dass es besser für alle ist, wenn sie verschwinden. Geholfen hat sicher, dass ich gross bin, einen Anzug und weder Vollmontur noch Schrotgewehr trage. Zudem habe ich lange Erfahrung mit gewaltbereiten Fussballfans.

Weshalb haben Sie und die Delta-Männer die Chaoten nicht dingsfest gemacht und die Polizei gerufen?
Die Situation war äusserst bedrohlich, wir mussten sehr schnell entscheiden. Und da hielten wir es in Absprache mit einem FCZ-Verantwortlichen für die bessere Idee, sie aus dem Stadioninneren zu spedieren. Sie müssen bedenken: Es waren sehr viele Leute anwesend, auch Medienvertreter und Clubpersonal. Wir haben grosses Glück gehabt, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Auf dem Video ist zu sehen, dass es kurz vor dem Abgang der Vermummten zu einem Scharmützel kam und dass anschliessend ein Delta-Mann nachtritt.
Ein Vermummter wollte auf einen Journalisten los, weil dieser sein Handy gezückt hatte, um zu filmen. Das Nachtreten war unnötig – und schade, denn ansonsten haben die Sicherheitsleute gut gearbeitet.

War denn genügend Sicherheitspersonal anwesend?
Seit dieser Saison sind die Vereine für die Sicherheit innerhalb des Stadions zuständig, und nicht mehr die Stadt. Das Dispositiv an Delta-Sicherheitskräften gestern Abend war also durch den FCZ erstellt worden.

Hat der FCZ am falschen Ort gespart?
Das müssen Sie den Club fragen.

Wer waren die Eindringlinge?
Es waren junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Gekannt habe ich keinen.

Das Stadion ist mit zahlreichen hochauflösenden Kameras ausgerüstet – wird man sie nun identifizieren können?
Die Chance besteht, dass wir einige erkennen können. Da stehen wir erst am Anfang, es ist eine Sisyphusarbeit.

Peter Landolt ist seit 1997 im Zürcher Stadionbusiness tätig. Zuerst war er Eventmanager beim Grasshopper-Club, später stieg er auf zum Chef des Hardturmstadions auf. Nach dem Abbruch des Hardturms und dem Neubau des Letzigrundsdtadions im Jahr 2007 übernahm der heute 50-jährige Landolt das Stadionmanagement und wurde bei der Stadt angestellt.

Erstellt: 26.05.2016, 14:58 Uhr

«Wir haben grosses Glück gehabt, dass nichts Schlimmeres passiert ist»: Stadionmanager Peter Landolt. (Bild: Dieter Seeger)

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