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Die Dreamer sind in Zürich

Viele regen sich auf über Trumps Umgang mit den Migrantenkindern. Gleichzeitig verliert niemand ein Wort über die Situation vor der eigenen Haustür.

Sie putzen unser WC, während wir am Morgen zur Arbeit fahren, und sie hüten die Kinder, wenn wir abends feiern gehen: die Sans-Papiers. Viele arbeiten auf Wunsch sieben Tage die Woche, stets auf Abruf ­bereit. Ein unschlagbares Angebot menschlicher Flexibilität, dessen sich die Wirtschaft nur zu gerne bedient. Weshalb 30 Franken Stundenlohn bezahlen, wenn es auch für die Hälfte geht?

Die Existenz illegaler Arbeitskräfte ist nun wahrlich kein Geheimnis. Doch weil die Sans-Papiers natur­gemäss im Untergrund leben, eröffnet dies die Möglichkeit, ihre Präsenz zu leugnen. Schwarzarbeit? Doch nicht im schönen Zürich. Der Zürcher Regierungsrat lieferte jüngst ein Müsterchen von beeindruckender Ignoranz. In einem Bericht wird erwähnt, dass die Kontrollstelle Arbeitsmarkt des Amtes für Wirtschaft «keine Arbeitsverhältnisse mit Sans-­Papiers» habe feststellen können. Wer nicht hinschaut, wird nicht fündig.

Die Legalisierung von Sans-Papiers ist keine Träumerei linker Utopisten, sondern vernünftige Realpolitik.

Die Legalisierung von Sans-Papiers ist keine Träumerei linker Utopisten, sondern vernünftige Realpolitik. Das zeigt Genf. Der freisinnige Sicherheitsdirektor Pierre Maudet holte mit seiner Operation Papyrus schon Hunderte Arbeitsmigranten aus der Illegalität – jedoch nur, wenn diese strenge Kriterien erfüllen. Die Sans-Papiers erhalten auf diese Weise ein Gesicht und Rechtssicherheit. Arbeitgeber müssen keine Klage ­wegen illegaler Beschäftigung mehr fürchten. Und ja, es wird auch noch ein wenig Steuersubstrat geschaffen. Es ist eine Politik der klaren Haltung, die auch dem Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) gut zu Gesicht stehen würde. Stattdessen winkt der Gesamtregierungsrat von vornherein ab. Weil die Politik seit Jahren blockiert ist, versucht es der Verein Züri City Card mit einer Bürgerinitiative. Es ist eine unterstützenswerte Aktion, eine für die Zukunft.

Viele regen sich auf über Donald Trumps Umgang mit den Dreamern, den Migrantenkindern. Gleichzeitig verliert niemand ein Wort über die Situation vor der eigenen Haustür: Sie sind hier, die Dreamer, ihre Zukunft gestaltet sich jetzt. Das Wegschauen sollte ein Ende haben.

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