Die düstere Seite des Zürcher Shop-Ville

Die SBB wollen die schummrige Landesmuseum-Passage unter dem HB heller machen – das ist schwieriger als gedacht.

Vom Hellen ins Dunkle: In der unterirdischen Ladenpassage des Zürcher Hauptbahnhofs herrschen ganz unterschiedliche Lichtverhältnisse. Foto: Urs Jaudas

Vom Hellen ins Dunkle: In der unterirdischen Ladenpassage des Zürcher Hauptbahnhofs herrschen ganz unterschiedliche Lichtverhältnisse. Foto: Urs Jaudas

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Das Einkaufszentrum Shop-Ville unter dem Zürcher Hauptbahnhof gilt als das am stärksten frequentierte Gebäude der Schweiz. Hier strömen täglich fast eine halbe Million Menschen durch. Im weitläufigen unterirdischen Shoppingcenter herrschen ganz unterschiedliche Lichtverhältnisse.

Während die 2014 eröffnete Einkaufspassage Gessnerallee und die Halle Löwenstrasse in hellem Glanz erstrahlen, fristet die 1990 eröffnete Halle Landesmuseum buchstäblich ein Schattendasein – dort ist es markant düsterer. Das Innere der Läden und ihre Schaufenster spenden teils mehr Licht als die Leuchten oben an der Decke.

Der Hell-Dunkel-Kontrast hängt mit dem unterschiedlichen Alter der einzelnen Shop-Ville-Teile zusammen. «Die verschiedenen Bereiche des Shop-Ville Zürich HB wurden unterschiedlich gestaltet, und auch die Lichtinstallationen unterscheiden sich entsprechend», sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe.

Denkmalpflege redet mit

In der Halle Landesmuseum mit Baujahr 1990 dominiert dunkler Granit an Boden und Wänden, zudem ist die Decke dunkel gehalten. Die Schirmleuchten liefern indirektes Licht, damit die Blendung durch die Leuchten gering gehalten wird. «So wird eine gute, gleichmässige Lichtverteilung auf dem Boden erreicht», sagt Dischoe.

Die unterschiedlichen Lichtverhältnisse hätten «keinen direkten Einfluss, weder auf die Kundinnen und Kunden noch auf die Sicherheit oder die betrieblichen Abläufe am Zürcher HB», versichert der SBB-Sprecher. Vorschriften zur Beleuchtungsstärke der Not- und Fluchtwege würden «selbstverständlich jederzeit eingehalten». Allerdings hatten die SBB bereits früh erkannt, dass die Halle Landesmuseum nach Eröffnung des neuen Shop-Ville-Teils «düster und alt wirken werde», wie ein Vertreter der SBB-Immobilien 2012 zur Architekturzeitschrift «Hochparterre» sagte.

Künftig soll es in der Halle Landesmuseum denn auch mehr Licht geben, wie SBB-Sprecher Dischoe sagt. «Die Leuchten werden in den kommenden Jahren altersbedingt erneuert.» Dazu wurde bereits ein Projekt eingegeben, die genauen Termine stehen noch nicht fest.

Erscheinungsbild bleibt tabu

Doch die Aufhellung der düsteren Halle erweist sich als kniffliger als gedacht: Auch die Denkmalpflege hat ein Wörtchen mitzureden. «Wir müssen Auflagen der kantonalen Denkmalpflege beachten», sagt Dischoe. Zwar steht die Beleuchtung in der Halle Landesmuseum (noch) nicht formell unter Schutz, aber: «Es besteht eine Schutzvermutung für das Werk der Architekten Trix und Robert Haussmann», erklärt Markus Pfanner von der kantonalen Baudirektion. Bei einem konkreten Projekt werde sich deshalb die Denkmalpflege mit den SBB zusammensetzen, um die Möglichkeiten bei der Umsetzung zu besprechen.

Dass die Leuchten zum architektonischen Werk der namhaften Zürcher Architekten Haussmann gehören, hat Folgen für die SBB: Bei der geplanten Erneuerung der Beleuchtung «können wir zwar die Leuchtmittel umrüsten, nicht aber die Leuchten verändern», so Dischoe. Denn am Erscheinungsbild dürfe nichts geändert und die Architektur nicht tangiert werden.

Immerhin sollen die rund 185 Schirmleuchten und 65 Notleuchten auf LED umgerüstet werden, zudem wird die Steuerung der Helligkeit modernisiert. Dank diesen Massnahmen erwarten die SBB eine deutliche Reduktion des Stromverbrauchs für die Halle Landesmuseum. So hell wie im modernen Shop-Ville-Teil werde es dort aber auch nach der Lichtauffrischung nicht sein.

Architektin: «Etwas muffelig»

Die verantwortlichen Architekten sind in die Lichterneuerung bisher nicht ­miteinbezogen worden. «Die SBB haben uns nicht angefragt, und wir wissen nicht, was geplant ist», sagt Trix Haussmann. Auch ihr sei aufgefallen, dass die Halle Landesmuseum im Vergleich zu den neuen Hallen «etwas muffelig, dunkel und eng wirkt». Das liege am Licht und am Unterhalt der Leuchten – «und daran, dass unsere Bemühungen, die vorgegebene Enge mit klarer Ordnung und unverstellten Flächen zu kompensieren, nicht berücksichtigt wurden», wie sie sagt.

Bildstrecke – Wie der Südtrakt des Zürcher HB aussehen wird

Trix Haussmann begrüsst es, wenn die alten Leuchten umgebaut und mit neuer Technologie bestückt werden, um die Lichtqualität zu ver­bessern. «Unser Konzept beim Bau der Passagen war, dass eine starke Beleuchtung von oben den Boden hell beleuchten sollte, die Decke sollte im Dunkeln bleiben wie ein Nachthimmel», sagt die Architektin.

Der Architektur-Kritiker Werner Huber von «Hochparterre» betont die Bedeutung des Werks der Haussmanns im Hauptbahnhof. Das Rezept der beiden sei eine «rigide Ordnung». Das Bodenmuster aus hellem und dunklem Granit «unterstützt Raumsequenzen und Bewegungsrichtung, das Streifenmuster des Marmors begleitet Passagiere und Passanten vom Perrongeschoss bis in die Bahnhofhalle». Robert Haussmann selber drückte es so aus: «Die starken Hell-Dunkel-Kontraste an Boden und Wänden vermitteln den Eindruck von Sauberkeit.» Werner Huber bemängelt, dass «unsensible Sanierungen und Umbauten» die «Haussmann-Welt» im HB-Untergrund in den vergangenen Jahren zum Teil stark ramponiert hätten.

Lichtmässig ebenfalls nicht ganz mit den modernen Teilen mithalten kann der älteste Teil des Shop-Ville, der 1970 auf der Seite Bahnhofstrasse eröffnet wurde und der Stadt gehört. Auch dieser Abschnitt wirkt relativ düster – eine Folge der schwarzen Decken und dunklen Böden. Für Licht sorgen dort rund 650 quadratische Leuchten an der Decke, die mit Fluoreszenzröhren ausgerüstet sind. Die Röhren wurden letztmals 2017 ausgewechselt und durch Röhren mit kaltweissem Licht ersetzt, wie es beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich EWZ heisst. Seither ist es zumindest ein bisschen heller.


Video – SBB testen neue Werbeflächen am HB

Lift mit Werbung: Der Film verschwindet erst, wenn man den Lift in der Sihlquai-Unterführung ruft und die Tür sich öffnet. (Video: tif)

Erstellt: 28.06.2018, 08:13 Uhr

Shop-Ville: 200 Geschäfte für 470'000 Pendler

Die Ladenpassagen unter dem Zürcher Hauptbahnhof sind für die SBB ein einträgliches Geschäft.

Im unterirdischen Teil des Zürcher Hauptbahnhofs buhlen 198Geschäfte und Services um die rund 470'000 Pendlerinnen und Pendler, die nach Angaben der SBB täglich das Shop-Ville durchqueren. Das Angebot in der Einkaufspassage ist üppig: Restaurants, Take-aways, Convenience-Shops und diverse Dienstleistungsbetriebe. Die Geschäftsbetreiber haben ihr Sortiment den ­Ansprüchen der Pendler-Kundschaft angepasst.

Nachfrage «extrem hoch»

Leerstände gebe es derzeit keine, wie SBB-Sprecher Oli Dischoe sagt: «Wir haben eine Vollvermietung.» Die Nachfrage nach frei werdenden Flächen sei im Bereich Food und Gastronomie «extrem hoch». Im Segment Non-Food dagegen sei eine gewisse Zurückhaltung auf dem Markt spürbar.

Zahlen zu den Mieterwechseln in ­vergangenen Jahren sind bei den SBB nicht erhältlich. Bedeckt hält sich das Bahnunternehmen auch beim jährlichen Gesamtumsatz, der im Shop-Ville Zürich HB generiert wird. «Spezifische Zahlen zu einzelnen Bahnhöfen geben wir nicht bekannt», sagt Dischoe.

Für die SBB sind die Einkaufsmöglichkeiten in ihren Bahnhöfen aber ein einträgliches Geschäft. So sind vergangenes Jahr die Drittumsätze in den 32 grössten SBB-Bahnhöfen erneut gestiegen, während jene im Schweizer Detailhandel rückläufig waren, wie aus dem aktuellen SBB-Geschäftsbericht hervorgeht. 2017 nahm das Bahnunternehmen an den 32 grössten Schweizer Bahnhöfen insgesamt 480 Millionen Franken ein, ein massgeblicher Teil dürfte vom Zürich HB stammen.

Mietpreise laut SBB «attraktiv»

Und was sagen die SBB zur immer wieder aufflammenden Kritik an angeblich zu hohen Mietpreisen im Shop-Ville Zürich HB? «Die Preise entsprechen dem Bedarf zwischen Angebot und Nachfrage», wehrt sich Dischoe. Im Verhältnis zur Bahnhofstrasse seien die Preise bei täglich rund 470'000 Personen «sehr attraktiv». Jeder verdiente Franken der SBB fliesse zudem vollumfänglich zurück ins System Bahn und ihre Infrastruktur. Ausserdem würden Mittel von SBB-Immobilien auch der SBB-Pensionskasse zugutekommen.

Auch im städtischen Teil des Shop-Ville scheint das Geschäft zu florieren. Leerstände bei den Ladenflächen gibt ­es derzeit keine, wie Kuno Gurtner, Sprecher der städtischen Liegenschaftenverwaltung, sagt. Unter den rund 40 Geschäften in diesem ursprünglichen Shop-Ville-Teil gab es in den vergangenen drei Jahren lediglich zwei Wechsel. Die Stadt strebe bei der Vermietung «einen vielfältigen Branchenmix an und berücksichtigt ausdrücklich auch kleinere und mittlere Unternehmen», sagt Gurtner. Zu den Umsätzen der Mieter und zum Gesamtumsatz macht auch die Liegenschaftenverwaltung keine Angaben.

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