Leuchtendes Zürich, fehlendes Geld

Was bleibt vom einst gefeierten Plan Lumière, der die Stadt Zürich besser beleuchten soll? Die 8 Millionen Franken des Rahmenkredits sind aufgebraucht.

Vorzeigemeile: Beim Zürcher Stadhausquai wurde der Plan Lumière bereits umgesetzt. Foto: Benno Tobler Ziemer

Vorzeigemeile: Beim Zürcher Stadhausquai wurde der Plan Lumière bereits umgesetzt. Foto: Benno Tobler Ziemer

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Lichteuphorisch waren sie einst aus Lyon zurückgekehrt – Angehörige der Verwaltung und des Gemeinderats. In Lyon wurde ihnen vor Augen geführt, wie Fassaden und Plätze eine neue Qualität erhalten, wenn sie sorgfältig beleuchtet werden. Nicht einfach grell und flächig anstrahlen, sondern fein und gezielt, ohne zu blenden, damit die Eigenheiten des Bauwerks hervortreten und ein Wechsel von hell und dunkel entsteht. In seiner Begeisterung bewilligte das Parlament nach dem Augenschein einen Rahmenkredit von 8 Millionen Franken, um auch Zürich nach dem Plan Lumière zu beleuchten.

Die Idee des Plan Lumière: Das Schöne wird beleuchtet,
das Hässliche bleibt
im Dunkeln.

Eine der Erleuchteten war die damalige SP-Gemeinderätin und heutige Stadträtin Claudia Nielsen, die sich schon 2002 – lange vor den Bauarbeiten – dafür starkmachte, dass der Sechseläutenplatz und der Münsterhof in bestem Licht erscheinen würden. Der Münsterhof ist heute zwar autofrei, doch vom Plan Lumière ist mit Ausnahme des Zunfthauses zur Meisen nichts zu sehen. Wie auch in den Jahren zuvor – 2015 und 2016 – vom einst gefeierten Plan nicht mehr viel zu sehen und zu hören war.

Hat ihn die Stadt vergessen, zum Sparen heimlich beendet, den Stecker rausgezogen? Nein, antwortet der Sprecher des Tiefbauamts, Stefan Hackh. Der Plan Lumière sei ja kein Projekt, sondern ein Programm, ein Konzept. Während acht Jahren wurden die einzelnen Projekte aus dem Rahmenkredit finanziert, der 2014 aufgebraucht war. Seither werde der Plan im Rahmen von Bau- und Unterhaltsprojekten umgesetzt; die Beleuchtung werde im jeweiligen Projektkredit budgetiert. Die Verantwortung dafür liege bei den beteiligten Dienstabteilungen Amt für Städtebau, Grün Stadt Zürich, EWZ und Tiefbauamt, was zusätzliche Koordination bedinge.

Zwei Jahre Pause

Laut Stefan Hackh stammen die zuletzt realisierten Projekte aus dem Jahr 2014: Stadthausquai und Quaibrücke (zum zweiten Mal nach 2009). Dass es in den letzten drei Jahren nicht mehr Lichtaufwertungen gab, wird mit den fehlenden Bauprojekten, zu denen der Plan Lumière gepasst hätte, begründet. Ob ein Bauprojekt mit spezieller Beleuchtung angereichert wird, entscheidet der Steuerungsausschuss des Plan Lumière, bestehend aus Vertretern der vier beteiligten Dienstabteilungen. Das heisst, der Plan Lumière ist jetzt auf der operativen Ebene ohne eigenes Konto angesiedelt, während er früher, als es noch den 8-Millionen-Rahmenkredit gab, von einem eigens gebildeten Beirat beaufsichtigt wurde, dem auch Fachleute von ausserhalb der Verwaltung angehörten.

Wo es leuchtet

34 Lichtprojekte wurden zwischen 2004 und 2014 realisiert: Franklinplatz, Münsterbrücke, Rudolf-Brun-Brücke, Hardturm-Viadukt, Vorplatz Lakeside, Alt-stetterplatz, Bauschänzli, Zähringerplatz, Tessinerplatz, Strassenbeleuchtung Limmatquai, Walchebrücke, Blatterwiese, Gessnerbrücke, Marktplatz Oerlikon, Lindenhof, Stadelhoferplatz, Bahnhof Stadelhofen, Quaibrücke, Schauspielhaus, Fassaden Utoquai, ­Bögen Lettenviadukt, Fussweg Lettenviadukt, Emil-Spillmann-Weg in Affoltern, Hardbrücke, Pfingstweidstrasse, Lindenplatz, Kirche St. Felix und Regula, Vulkanplatz, Lettenbrücke, Kirche Wipkingen, Bahnhofbrücke, Fassaden Stadthausquai, Sechseläutenplatz, Kirchturm St. Peter.

In freundliches LED-Licht getaucht: Der Marktplatz in Oerlikon. Foto: Amt für Städtebau

Besonders die Limmatbrücken lassen erkennen, was die Idee des Plan Lumière ist: Das Spezielle an der Quai­brücke sind die gebogenen Stahlträger mit ihren senkrechten Rippen. Sie werden beleuchtet, während die Unterseite mit ihren Leitungsrohren nicht interessiert und im Dunkeln bleibt. Dies im Gegensatz zur Münsterbrücke aus dem Jahr 1838, deren aus Naturstein gemauerten Brückenbögen auf der Unterseite mit Licht gezeigt werden. An der Rudolf-Brun-Brücke dagegen interessieren vor allem die ornamentalen Brückengeländer aus Stein.

Schöne Betonkonstruktion

Bei der Hardbrücke wiederum bedeutet der Plan Lumière, dass die Unterseite und die Stirnseite der Brücke vom Wipkingerplatz bis zum Bahnhof in einem warmen, weissen LED-Licht angeleuchtet wird. So soll der unwirtliche Bereich unter und neben dem Betondeckel nachts attraktiver und das Sicherheitsgefühl im Ausgehviertel erhöht werden. Mit der gezielten Beleuchtung nach Plan Lumière soll immer auch vermieden werden, dass Licht in den Himmel strahlt. Gleichzeitig benötigt das LED-Licht weniger Energie als die bisherige Beleuchtung.

Ein von 34 Lichtprojekte, welche die Stadt realisiert hat: Hardbrücke. Foto: Amt für Städtebau

Die nächsten Projekte des Plan ­Lumière sind der Hardplatz und der Münsterhof, später folgen der Bucheggplatz, der Stauffacher und der Kartoffelmarkt – ein selten verwendeter Name für das Plätzchen an der unteren Rämistrasse zwischen Oberdorf- und Waldmannstrasse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2017, 06:47 Uhr

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