Formel E wechselt für 2019 von Zürich nach Bern

Der Zürcher Stadtrat bestätigt, auf das Rennen zu verzichten. Ein anderer Grossanlass findet an der Limmat statt.

Die Boliden der Formel E sollen im nächsten Jahr durch Bern zischen. Vielleicht sogar vor dem Bundeshaus?

Die Boliden der Formel E sollen im nächsten Jahr durch Bern zischen. Vielleicht sogar vor dem Bundeshaus? Bild: Keystone / Montage BZ

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145 Rennsportwagen und 38 ­Motorräder brausten vor zehn Tagen durch Berns Westen. Der Motorenlärm am Grand Prix Suisse Berne Memorial lockte rund 10'000 Besucherinnen und Besucher an. Mindestens zehnmal mehr Leute dürften in einem Jahr nach Bern pilgern. Dann soll in der Bundesstadt erstmals ein Formel-E-Rennen ausgetragen werden. Motorenlärm wird es keinen geben, die Formel-E-Boliden fahren mit Strom.

Drei Jahre nach der Tour de France soll also das nächste sportliche Grossereignis in der Bundesstadt stattfinden. Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) bestätigt, dass ein E-Prix durchgeführt werden soll. Als ­Bewilligungsbehörde stehe der Gemeinderat dem Event positiv gegenüber. «Wir sind mit den Veranstaltern in Kontakt, sie ­haben uns das Konzept präsentiert», sagt Nause.

In Zürich steigt das Züri-Fäscht

Bei den Veranstaltern handelt es sich um die Swiss E-Prix Operations AG. Das Unternehmen verfügt über eine Neunjahreslizenz der Formel E Operations Ltd. für die Austragung eines jährlichen Formel-E-Rennens in der Schweiz und ist Trägerin der Bewilligung der Stadt Zürich für die Austragung des Zürich E-Prix von 2018.


So wars in Zürich:
Schweizer Formel-E-Star erklärt die Strecke in Zürich von 2018. (Video:TA)

Bern soll nun zum Handkuss kommen, weil die Stadt Zürich wegen des Züri-Fäscht im nächsten Jahr auf den E-Prix verzichten wird. Der Zürcher Stadtrat lässt heute Dienstagmorgen verlauten, dass die denkmalgeschützte Parkanlage Arboretum am Seeufer für ein solches Rennen nicht geeignet sei und er eine Lösung für das Jahr 2020 suche. Er wolle in Kontakt mit den Organisatoren des Anlasses bleiben.

Umso mehr freut sich ­Stephan Oehen, Mediensprecher der Swiss E-Prix Operations AG, «über den Richtungsentscheid des Berner ­Gemeinderats und über das hohe Tempo, das sowohl in der Politik als auch im Verwaltungsprozess angeschlagen wurde.» Jetzt gehe es um die Konkretisierung.

«Nun gilt es unter anderem, eine Strecke zu definieren, die allen Bedürfnissen entspricht.»Stephan Oehen

Am Montag erfolgte der Kick-off zwischen Veranstalter und Stadtverwaltung für die ­weitere Planung. «Insbesondere gilt es, eine Strecke zu definieren, die ­allen Bedürfnissen entspricht», sagt Oehen. «Bern hat ein hoch­attraktives Stadtbild und eine ­hohe Symbolik als Bundesstadt.» Die internationale Ausstrahlung werde durch ein Formel-E-Rennen noch verstärkt.

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Mehr als ein Autorennen

Der E-Prix ist für Reto Nause mehr als ein Autorennen: «Das Rennen ist das publikumswirk­same Vehikel. Es wird aufgezeigt, dass es auch Mobilität ohne ­Verbrennungsmotor gibt. Das ist für mich als Umweltdirektor der Stadt Bern ein spannender ­Ansatz.»

Für Nause und seine ­Gemeinderatskollegen sind auch die wissenschaftlichen Aspekte, die neue Antriebsform und die ­digitalisierte Stadt wichtige ­Themen im Zusammenhang mit dem E-Prix. Bern sei zwar anders als Zürich kein ETH-Standort, ­«dafür aber mit der bekannten Klimaforschung an der Universität Bern ein interessanter Standort für die Macher des Rennens».

Streckenführung noch offen

Bis Sébastien Buemi, Nick Heidfeld und Nicolas Prost mit ihren E-Boliden durch Bern zischen, gilt es noch einige Hürden zu überspringen. Zur Streckenführung sagt Reto Nause: «Wir haben unter Umständen weniger Optionen als Zürich, wenn man etwa an die Lage mit der Aarehalbinsel denkt. Auch der engmaschige ­öffentliche Verkehr darf nicht zu stark tangiert werden.»

Absperrungen sollen minimiert werden. Eine Streckenführung durch die Innenstadt sei wohl eher nicht machbar. Schliesslich dürfe die Bevölkerung nicht zu stark beansprucht und belastet werden. Weitere offene Fragen sind der Termin sowie das Rahmenprogramm. Seines Wissens gab es seitens der Stadt Zürich beim Rennen am Zürichsee keine ­finanzielle Unterstützung, auch keine Gebührenbefreiung. Das soll auch in Bern so sein.

Die Veranstalter sind sich dessen bewusst. «Da wir bereits das Rennen in Zürich organisierten, können wir nun für Bern Lehren ziehen, vor allem bezüglich Auf- und Abbau», sagt Stephan Oehen. Die Belastung für die Bevöl­kerung und den Verkehr soll ­möglichst klein gehalten werden. «Anders als die Vorgaben durch die Stadt Zürich soll in Bern wenn möglich nicht in der Nacht auf- und abgebaut werden.» Die Stadt Bern entscheide, «in welchen Rahmenbedingung wir uns bewegen können».

Tramschienen als Schikane

Ein Problem könnten die Strassen mit Kopfsteinpflaster und die Tramschienen darstellen. ­Oehen verneint: «Das ist grundsätzlich kein Problem. Auch in Rom ­führte die Strecke teilweise über Kopfsteinpflaster.» In Zürich mussten die ­Formel-E-Piloten auf einem ­Abschnitt über Tramschienen fahren.

«Ursprünglich gingen wir davon aus, dass wir die Schienen abkleben müssen. Es stellte sich heraus, dass das nicht nötig war.» Im Gegenteil: Die ­Piloten nahmen es sportlich. «Für sie waren die Tramschienen eine zusätzliche Schikane.» Das Rennen verlief sehr gut und ohne Zwischenfälle.

Die Veranstalter wollen nun Gas ­geben. Der internationale Formel-E-Rennkalender für 2019 wird ­bereits im ­Oktober präsentiert. «Bis Bern dort seinen Platz erhält, gibt es noch viel anzupacken.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.09.2018, 08:02 Uhr

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