Zum Hauptinhalt springen

Die etwas andere Hochzeitsmesse

Colored Love ist auf gleichgeschlechtliche Paare ausgerichtet – und überraschend konventionell. Ein Rundgang mit einem Skeptischen aus der Zielgruppe.

Ein Fotograf bewirbt seine Dienstleistung an der «Colored Love».
Ein Fotograf bewirbt seine Dienstleistung an der «Colored Love».
Dominique Meienberg

Hochzeitsmessen haben sich etabliert. Die Ausgabe für die Gay-Community hingegen ist eher neu. Dutzende von schwulen und lesbischen Paaren besuchten die am Wochenende zum zweiten Mal stattfindende Colored Love in der Sihlcity – darunter Florian Vock. Der 24-Jährige ist Schwulenaktivist und ehemaliger Chefredaktor von «Milchbüechli», der «Zeitschrift für die falschsexuelle Jugend». Rund 20 Aussteller sind im Papiersaal präsent – von der Festtorte über Hochzeitskleider bis -reisen wird alles präsentiert.

Aus freien Stücken hätte Vock Colored Love nicht besucht. Gegenüber dem Thema sei er sehr ambivalent. «Es ist natürlich ein legitimer Wunsch zu heiraten.» Trotzdem fehlt ihm dafür das Verständnis. Die Ehe betrachtet er als Auslaufmodell, auch wenn die eingetragene Partnerschaft für Schwule und Lesben aus gesellschaftlicher Sicht ein Fortschritt sei. Das Versprechen an einen Menschen, ihn das ganze Leben zu lieben, lasse sich praktisch nicht einlösen. Man solle auf seine Bedürfnisse statt auf romantische Floskeln hören – und für verschiedene Formen des Zusammenlebens offen sein, meint Vock.

Vor dem Stand mit den Hochzeitskleidern bleibt er stehen. Falls er je heiraten würde, dann im weissen Tüllkleid, sagt er und lacht. Ernst ist ihm damit nicht. Firmen, die gezielt die Gay-Community umwerben, sind ihm suspekt. «Dahinter stecken nur ökonomische Interessen. Homophobe Unternehmen müssen heute mit Imageschäden rechnen. Eine besondere Eigenleistung ist das also nicht.» Trotzdem könnte er sich vorstellen, eine Reise zu buchen, die speziell auf Schwule ausgerichtet ist. Ihm sei es wichtig, sich auch in einem Hotel nicht verstecken zu müssen. Der Stand eines Reiseanbieters weckt Vocks Interesse.

Etwas mehr Extravaganz

Feiern Schwulen und Lesben anders Hochzeit? «Sie haben mehr Mut zum Anderssein und müssen keine Normen erfüllen», sagt ein Coiffeur, der mit seinem Team vor Ort Frauen frisiert. Auch bei den Hochzeitskleidern ist bei diesen Paaren etwas mehr Extravaganz gefragt, bestätigt ein Designer. Ein weisses Hochzeitskleid habe er aber noch nie auf einen männlichen Körper schneidern müssen. Seit 2007 ist der Eintrag von Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare in der Schweiz möglich. 2013 lebten in der Stadt Zürich rund 1800 Personen in eingetragenen Partnerschaften. Vock befürchtet, dass dadurch auch ein Stück der Gay-Kultur verloren geht. «Wollen wir denn so sein wie die Heteros, und sind in der Zukunft verheiratete Lesben die besseren Lesben?» Er zeigt sich überzeugt, dass der Druck auf junge Schwule und Lesben wächst, diese Homo-Normen zu erfüllen.

Zwei Frauen, Sibylle und Natalie, sind offensichtlich anderer Meinung: Sie lassen sich an der Messe trauen. Die eine im Gilet und mit heraushängenden Hosenträgern, die andere im Festkleid.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch